Wenn jeder Tag zur Nacht wird
200 Zuschauer beim Theaterabend in der Aula der Gustav-von-Schlör-Schule. Dort überzeugten acht junge Schauspieler mit einer grandiosen Inszenierung des Klassikers „Woyzeck“ von Georg Büchner.

Karl Woyzeck ist auf den Hund gekommen. Seit Wochen drangsaliert ihn der Doktor mit einer Erbsendiät. Bild: swi
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
22.02.2016
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Seit Wochen isst Karl Woyzeck nur Erbsen. Dass eine solch einseitige Ernährung aufs Gemüt schlagen kann, erlebten rund 200 Zuschauer beim Theaterabend in der Aula der Gustav-von-Schlör-Schule. Dort überzeugten acht junge Schauspieler mit einer grandiosen Inszenierung des Klassikers "Woyzeck" von Georg Büchner.

Karl Woyzeck tut alles, um seine geliebte Marie und sein Kind über die Runden zu bringen. Zur Aufbesserung seines schmalen Gehaltes muss er täglich den Hauptmann rasieren. Zudem lässt sich der "arme Teufel" als Versuchskaninchen des Doktors missbrauchen und kann sich gegen dessen drängendes - "Hat er schon seine Erbsen gegessen, Woyzeck?" - nicht wehren, da seine Zukunft mit Marie von jedem Groschen abhängt. Doch Marie betrügt "ihren Karl" mit einem Tambourmajor. Aus Eifersucht und von Wahnvorstellungen geplagt, tötet er seine Geliebte. Auf der Bühne der FOS/BOS werden nicht Woyzeck und der Mord, sondern die zur Tat führenden Umstände verurteilt. Der Hauptmann, Doktor und Major treiben mit dem armen Soldaten ein grausames Spiel. Er wird geschlagen, getreten und muss wie ein Hund apportieren. Das Woyzeck zugrunde richtende Trio steht stellvertretend für eine kalte und höhnische Gesellschaft, die einen unterlegenen Menschen erbarmungslos ins Abseits drängt. Sadismus, Erniedrigung und eine Überdosis an Erbsen treiben Karl Woyzeck am Ende in den Wahnsinn.

Das Schauspielensemble um Christian Tranitz brachte Büchners Dramenfragment perfekt auf die Bühne. Alle Schauspieler überzeugten auf ganzer Linie: Theresa Wurmstein als flattrige und innerlich gebrochene Marie, Daniel Höcht als menschenverachtender Hauptmann, Artemi Held als selbstverliebter Tambourmajor, Lukas Bannert als eingebildeter Doktor und Darja Fritzler als einfältiger Andres. Nina Dembianny und Julia Reuschl brillierten in gleich mehreren Rollen. Star des Abends war Jonathan Tröbs als gehetzter und getriebener Woyzeck. Auf bestechende Weise legte er die Psyche eines Mannes offen, "für den jeder Tag zur Nacht" wird, für den der Mond als "blutig Eisen" scheint.
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