Wie bereitet sich eine Starpianistin auf ihren Auftritt vor und wie entspannt sie danach
Vor und nach dem Konzert

Während des Konzerts sitzt sie natürlich auf der Bühne am Steinway-Flügel. Für einen Fototermin mit dem "Neuen Tag" nahm Yulianna Avdeeva aber auch gern im Zuhörerbereich Platz und ließ den Gustl-Lang-Saal auf sich wirken. Dessen Akustik lobte die russische Star-Pianistin über den grünen Klee. Nach dem Konzert würdigt sie auch das außerordentlich konzentrierte Publikum. Bild: Schönberger

Gut zwei Stunden begeistert sie mit ihrem rasanten Klavierspiel die zahlreichen Zuhörer im Gustl-Lang-Saal (wir berichteten). Mit Beethoven und Liszt sowie Chopin als Zugabe gestaltet Yulianna Avdeeva den Auftakt der "Weidener Meisterkonzerte 2016/2017" äußerst brillant. Der Kritiker hat sich bereits entsprechend geäußert. Wir aber wollten wissen, wie die Künstlerin die Stunden vor und nach dem Auftritt verbringt.

Die russische Pianistin kommt am Abend vor dem Konzert am Weidener Bahnhof an. Mit Verspätung. Sie lächelt die Unannehmlichkeit einfach weg. Als weltweit gefragte Pianistin ist sie auf ihren vielen Reisen einiges gewohnt.

Yulianna Avdeeva bedauert, dass sie nicht viel Zeit hat, die Orte ihrer Auftritte zu erkunden. Ein kurzer Spaziergang ist später trotzdem drin. Am Morgen wird Avdeeva von Elisabeth Roth, der Ehefrau des künstlerischen Leiters der Weidener Meisterkonzerte, Dr. Harald Roth, vom Hotel abgeholt. Sie möchte noch üben und es ist den Roths eine Selbstverständlichkeit und Freude, der Künstlerin ihren Flügel zur Verfügung zu stellen.

Lob für die Akustik


Nach zwei Stunden und einer kurzen Pause folgt die Probe in der Max-Reger-Halle. Die Pianistin lobt die herausragende Akustik. Der Ton könne sich frei entwickeln und dennoch habe sie engen Kontakt zum Instrument, erläutert Avdeeva. Sie fühle sich trotz der Größe des Raums sehr mit dem Flügel verbunden.

Die 31-Jährige spielt das gesamte Konzert auswendig "im Kopf voraus, die Finger folgen automatisch". Beethoven und Liszt begeistern sie durch ihren unnachgiebigen Glauben an die Menschheit, die Werke an diesem Abend schöpfen die gesamte Bandbreite des Klaviers aus. Später am Abend wird sie als Zugabe Chopin spielen. Mit ihm begann im Jahr 2010 ihr künstlerischer Durchbruch beim internationalen Chopin-Klavierwettbewerb in Warschau, wo sie als erste Frau seit Martha Argerich (1965) den ersten Preis gewann.

Trotz der Größe des Raums fühle ich mich sehr mit dem Flügel verbunden.Pianistin Yulianna Avdeeva

Nach der Probe ist Yulianna Avdeeva noch zu einem Fototermin mit dem "Neuen Tag" bereit. Danach lässt sie sich von Harald Roth den Marktplatz zeigen. Sie speist im Bräuwirt, wobei sie bedauert, dass sie wegen des Konzerts am Abend den dort gebrauten Zoigl nicht probieren kann. Dann ein kurzer Spaziergang, um den Kopf frei zu bekommen. Ausruhen im Hotelzimmer.

Abends noch eine Technikprobe mit dem Bayerischen Rundfunk, damit bei der Aufnahme des Konzerts nichts schief geht. "Wir freuen uns immer besonders, wenn Konzerte von BR-Klassik mitgeschnitten werden. Dies zeigt, dass unsere Auswahl der Künstler und der Programme auf überregionales Interesse stößt", so Roth.

Yulianna Avdeeva ist vor dem Auftritt keine Nervosität anzumerken. Positive Anspannung. Sie wirkt konzentriert und fokussiert. Mit einem Lächeln auf den Lippen betritt sie den Saal. Das Konzert ist ein voller Erfolg.

Der Zoigl wartet


Im Foyer der Max-Reger-Halle gibt sie nach dem Konzert gut gelaunt Autogramme und nimmt zahlreiche Glückwunsche für den wunderbaren Abend entgegen. Avdeeva ist begeistert vom Steinway-Flügel, von der Akustik im Saal und besonders vom außerordentlich konzentrierten Publikum. Nach einem heiteren und gelösten Abendessen im privaten Kreis, an dem auch die Agentin der Künstlerin teilnimmt, muss sie weiter nach München, da sie von dort nach Riga fliegt. Dort warten Gidon Kremer und der Kremerata Baltica auf ein gemeinsames Konzert mit der Russin. Danach geht es auf eine vierwöchige Tournee durch Japan.

Möglich, dass Avdeeva eines Tages zurück kommt in die Oberpfalz. Vielleicht klappt's dann auch mit dem Zoigl.

Das nächste KonzertDie Reihe "Weidener Meisterkonzerte" wird am Freitag, 11. November, um 20 Uhr in der Max-Reger-Halle fortgesetzt. Igor Levit, Echo-Klassik-Preisträger, und Markus Becker, der Reger-Interpret schlechthin, spielen auf zwei Flügeln Werke des Weidener Komponisten. (vok)
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