"William's Orbit" feiern im JuZ die Release Show zur nagelneuen "Once"
Indie-Rock aus der Herzgegend

In einer Welt, die von Bots und Algorithmen bestimmt wird, ist es gut, dass es Dinge gibt, die sich nicht analysieren und manipulieren lassen: die Liebe und die Musik. "William's Orbit" vereinen auf ihrem frischen Long Player "Once" beides: eine unerschütterliche Liebe zur Musik - zum unsterblichen Indie-Rock.

Die Release-Show im JuZ ist eine perfekte Generalprobe, ein Treffen von Familie, Freunden und Fans - ein Fest der Liebe. Als Support machten die Münchener Bands "The Living" und "Future Days" ordentlich Lust auf mehr. Nach der Umbaupause geht es los. Erst als alle Instrumente auf der Bühne angestimmt sind, kommt der Frontmann aus dem Dunkel.

Pathos und Pose


So ein Auftritt kann komisch rüberkommen, aber: "William's Orbit" sind vom Glück geküsst. Allesamt charmant und charismatisch haben sie offensichtlich die Regeln des Indie Rock inhaliert, als hätten Siegfried Häusler, Michael Siegel, Lukas Höllerer und Christian Gold bei den Gebrüdern Gallagher im Fach Lässigkeit die Schulbank gedrückt.

Es wird so schön gelitten, geliebt, geschrien, gepriesen und gefleht - mit Pathos und Pose, wie es sie nur im Rock geben kann, ohne ein einziges Mal bemüht zu wirken. Da gibt es viele Augenblicke, die fast wie Zitate wirken: Wenn sich Front-Mann Sigi die Lederjacke auszieht, um luftig angewandet weiterzuspielen oder wenn Lukas am Bass wie Flea abgeht, als spiele er nicht mit den Fingern, sondern mit dem ganzen Körper. Das hat schon Rock'n'roll-Appeal.

Wir konstatieren erfreut: Live sind die Jungs ein Brett. Und, was noch viel wichtiger ist, sie halten auf der Bühne das, was sie im Studio versprochen haben. Und die Aufnahmen sind extrem vielversprechend, auch was die Massenkompatibilität anbetrifft. Weder werden die Fans von Feedbackgewittern erschlagen noch von megakomplexen Kompositionen überfahren.

Aus der Zuckertüte


Der Sound ist catchy, aber nicht banal - vordergründig getragen von zwei Gitarren, aufgemixt mit Synthie-Sounds und zusammengehalten von Bass und Schlagzeug. Mal eruptiv, mal schmeichelnd samtig. Die Texte kommen aus der Herzgegend - und docken an den Synapsen an, die für Euphorie, Wut, Trauer, Liebe, eben für Gefühle zuständig sind. Träger dieser Informationsverarbeitung ist Sigis Stimme, wahlweise frisch gerieben oder kandiert aus der Zuckertüte, aber immer in internationaltauglichem Englisch.

Aufgenommen in Berlin


"Once" ist nicht die erste CD der Band. Aber sie unterscheidet sich auf vielen Ebenen von der Debüt-EP "Eurydice". Am augenscheinlichsten vielleicht bei der Produktion. Aufgenommen in Berlin, und perfektioniert von einer Schlüsselfigur der deutschen Indiekultur: Tobias Siebert, der schon Slut, Philipp Boa & The Voodoo Club, Juli oder Kettcar produziert hat.

Die Vermarktung hat die Band eben mal mit Crowd Funding finanziert. In kürzester Zeit ging dieses Experiment durch die Decke - aus dem Ziel 10 000 Euro wurden am Ende 19 333 Euro. Mit diesem Pfund im Gepäck geht es jetzt im Mai auf Tour durch ganz Deutschland, mit Gigs unter anderem in Berlin, Hamburg, Köln, München und Nürnberg. "Once" wird in die Welt hinaus getragen, mit einem schönen Gruß aus der Oberpfalz.
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