"William's Orbit" im Interview
"Jetzt trauen wir uns richtig raus"

Oberpfälzer Charakterköpfe: Lukas Höllerer (Bass, Schlagzeug), Siegfried Häusler (Gesang, Gitarre), Michael Siegel (Gitarre) und Christian Gold (Keyboards), hier beim Kunstverein. Eine Etage tiefer befindet sich ihr Stammlokal „Neues Linda“. Als reguläre Konzertstätte wäre es für die aufstrebende Band mittlerweile viel zu klein. Bild: Christian Simmerl
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
29.04.2016
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„William’s Orbit“ live. Am Freitag, 6. Mai, dem Erscheinungstag von „Once“, spielen sie im Weidener Jugendzentrum. Karten gibt es unter anderem beim Medienhaus „Der neue Tag“, www.nt-ticket.de. Bild: Gammanick
 
Wir wollen natürlich erfolgreich mit unserer Musik werden. Aber wir wollen nicht irgendetwas machen, nur um erfolgreich zu sein.

Eine Band lebt ihre Träume. In wenigen Tagen wird der nächste Wirklichkeit: Ihr erstes Album erscheint, "Once" betitelt. Im Interview erklären die Mitglieder, wie sie das geschafft haben und welche Träume jetzt noch übrig sind. Nur eine Frage darf man ihnen nicht stellen: Was bedeutet eigentlich "William's Orbit"?

Montagfrüh, 9 Uhr. Es gibt sicher angenehmere Interview-Termine für eine Rock-Band. Michael Siegel, Lukas Höllerer und Christian Gold wirken dennoch frisch. Bei einem Auftritt bei Radio Ramasuri sind sie schon vorher "warmgelaufen". Nur Sänger Siegfried Häusler fehlt - wegen eines Einsatzes als mobile Lehrer-Reserve in Flossenbürg. Musik spielt dennoch auch für ihn die erste Geige. Erst recht ab Freitag, 6. Mai, wenn die Weidener Combo, die zu "Bayerns besten Newcomern 2015" gekürt wurde, ihr Debütalbum herausbringt. Am Abend feiert sie das mit einem Konzert im Jugendzentrum. Eine Tour folgt. Mit "William's Orbit" sprachen die Redakteure Frank Werner und Ralph Gammanick.

Seid ihr froh, dass das Album jetzt endlich erscheint?

Christian Gold: Heilfroh. Es gibt Songs, die bestehen ja schon eine halbe Ewigkeit. Von der Auswahl bis zur Aufnahme ist es ein Riesenprozess. Und dann schreibt man noch ein paar neue Songs dazu ... Das war 2015. Seitdem arbeiten wir auf diesen einen Tag hin, den Tag der Veröffentlichung. Es braucht viel Organisation. Da ist es schon sehr erleichternd, wenn's wirklich rauskommt.

Ist die Veröffentlichung für euch eher Abschluss oder Aufbruch?

Michael Siegel: Ein Aufbruch. Ein Abschluss war es mehr am Ende der Studioaufnahmen in Berlin. Jetzt werden wir das den Leuten präsentieren und sind natürlich schon ewig gespannt, wie das ankommt.

Einige Lieder kennt man bereits seit längerem von Konzerten, andere weniger. Wie habt ihr die zehn Songs fürs Album ausgewählt?

Gold: Wir wussten, dass wir auf ein paar ganz alte Songs wie "Sweet Louise" verzichten würden. Aber dann sitzt man tatsächlich so da und diskutiert das aus. Teilweise haben wir auch den Produzenten nach seiner Meinung gefragt.

Ist nicht ohnehin der Produzent der, der sagt: Leute, dies und das kann ein Erfolg werden?

Lukas Höllerer: Tobias Siebert ist einer, der wenig in solchen Kategorien denkt. Er geht eher danach, was ihm gefällt, ob er an bestimmten Stellen etwas fühlt.

Siegel: Bei sechs Songs war ohnehin klar, dass sie mit draufkommen. Bei anderen waren wir nicht ganz sicher. Jetzt, im Nachhinein, sind wir überzeugt: Genau das sind die zehn Songs, die "Once" ausmachen.

Höllerer: Das hat sich aber durch die ganze Produktion gezogen, dass alle von etwas überzeugt sein mussten. Am Ende konnte jeder guten Gewissens sagen: Okay, das war's jetzt.

Wie lange dauert es von der Aufnahme bis zum fertig abgemischten Song?

Siegel: Etwa zwei, drei Monate.

Wie viele Tage ward ihr im Studio?

Siegel: Rund 25. Wir waren aber nicht immer alle gleichzeitig im Studio.

Ist das der Unterschied zur EP "Eurydice" (2014), die klingt wie größtenteils live eingespielt?

Höllerer: Die ist tatsächlich live eingespielt. Bei "Once" war der Ansatz eben ein ganz anderer. Im Studio haben sich die Songs im Vergleich zu den Demos nochmal richtig verändert. An einem gewissen Punkt hat Tobi die Lieder auseinandergenommen und nach Verbesserungen in den Details gesucht.

Wo wird das Album erhältlich sein? Auch auf Amazon? I-Tunes?

Höllerer: Überall. Online haben wir nur ominöse russische Anbieter ausgeklammert (lacht). Und physisch gibt es "Once" - dank unseres Vertriebpartners "Motor Music" - bundesweit im Prinzip auch überall, zum Beispiel bei "Müller".

Kaufen die Leute eigentlich noch CDs? Oder laden sie die Lieder lieber runter?

Höllerer: CDs verkaufen wir vor allem bei Konzerten. Künftig haben wir da auch Vinyl dabei. Das Gute ist: Wir können die Tonträger selbst vertreiben, müssen nichts an ein Label abgeben. Für uns bleibt ein größeres Stück vom Kuchen übrig.

Euer finanzielles Risiko ist also minimiert.

Siegel: Auf der einen Seite schon. Auf der anderen haben wir natürlich ein finanzielles Risiko, weil uns die Unterstützung eines Labels fehlt. Letztendlich sind wir unseres eigenen Glückes Schmiede.

Ist es möglich, dass ihr am Ende noch draufzahlt?

Gold: Seitdem es die Band gibt, haben wir draufgezahlt. Wenn uns niemand eine CD abnehmen würde - hoch verschulden würden wir uns wohl nicht. Weil es gut funktioniert hat mit dem Crowdfunding.

Da habt ihr innerhalb kurzer Zeit über 20 000 Euro an Spenden gesammelt. Wie weit seid ihr mit dem Abarbeiten der "Dankeschöns"?

Höllerer: Den anstrengendsten Teil haben wir jetzt mit der Bierwanderung hinter uns (lacht). Ein höllischer Gewaltmarsch mit Unterstützern, ertränkt in Zoigl und Bier ... Jetzt am Wochenende wird's nochmal interessant, denn da liefern wir vorab die CDs an die Unterstützer aus - meist persönlich. Ich fahre bis Pleystein.

Kamen die Geldgeber nur aus der Region?

Siegel: Nicht ausschließlich. Wir waren gerade in München, um als Dankeschön ein Dinner zu kochen. Es sind Leute dabei aus Hamburg, Berlin, Köln.

Höllerer: Einige, die sehr gute Unterstützung geleistet haben, kannten wir bis dahin gar nicht. Die trifft man dann, und sie sagen: Wir sind riesige Fans. Das freut einen natürlich.

Siegel: Es lohnt sich dann doch, in ganz Deutschland rumzufahren und so viele Konzerte zu spielen.

Habt ihr vor, fürs nächste Album das Crowdfunding zu wiederholen?

Gold: Ich würde mich freuen, wenn's wieder einen Schritt weiterginge ...

Ein Plattenvertrag bleibt also ein großes Ziel?

Höllerer: Das gehört doch mit dazu zu den Träumchen.

Gold: Eine Plattenfirma hat noch ganz andere finanzielle Möglichkeiten für Produktion und Vermarktung.

Warum hat's diesmal noch nicht geklappt?

Siegel: Wir hatten kleinere Angebote, aber wir mussten abwägen, ob uns die überhaupt etwas bringen. Das wäre fast ein Rückschritt gewesen. Wir machen ja seit Jahren viel selbst und können auch ein bisschen was.

Höllerer: Das Feedback der Firmen war durchweg gut. Alle haben gesagt: Das ist eine gute Platte, gut produziert, das sind super Songs. Aber es hat immer etwas gefehlt. Es ist halt nicht der hippste Sound. Deshalb war's für größere, populäre Labels nicht ganz so interessant. Uns bleiben wichtige Erfahrungswerte: Wir setzen uns mit jedem Baustein der Veröffentlichung selbst auseinander, von der Grafik bis zur Vermarktung.

Für den großen kommerziellen Erfolg müsstet ihr wahrscheinlich Hip-Hop machen. Oder Deutsch singen. Ist das gar nicht euer Ding?

Siegel: Ich weiß von Siggi, dass er schon oft darüber nachgedacht hat, etwas in Deutsch zu machen. Das wird aber sicher nicht mit "William's Orbit" passieren.

Höllerer: Wir haben ja unseren typischen Sound. Die deutsche Sprache würde ihn entscheidend verändern. Genausogut könnte man fragen: Werden wir mal mit Bläsern auf der Bühne stehen?

Gold: Das wäre wahrscheinlicher, als Deutsch zu singen.

Siegel: Wir wollen natürlich erfolgreich mit unserer Musik werden. Aber wir wollen nicht irgendetwas machen, nur um erfolgreich zu sein.

Wie viele Auftritte habt ihr auf der kommenden Mai-Tour?

Gold: 13 Konzerte. Ab Juni folgen dann die Festival-Auftritte.

Höllerer: Wichtig wird dann die Herbst-Tour. Bei der haben wir die Platte im Rücken.

Beim neuen "Cleveland"-Video fällt auf, dass ihr offiziell nur noch zu viert seid. Wie geht's da weiter?

Siegel: Auf der Tour sind wir noch zu fünft, weil der Sound des Albums im Vordergrund stehen soll. Hinterher wird sich ein bisschen was verändern. Aber es wird nicht komplett anders klingen.

Im Herbst seid ihr dann als Quartett unterwegs?

Höllerer: So ist es angedacht. Durch das Vierer-Ding entsteht mehr Flexibilität, weil wir uns offen halten können, ob wir wirklich zu viert auftreten oder mit Gästen arbeiten wie Florian Helleken, der jetzt als Schlagzeuger mit auf Tour geht.

Ansonsten wechselst du vom Bass ans Schlagzeug?

Höllerer: Das ist der Plan. So schreiben wir im Moment die Songs. Übrigens schon vorher. Einige Songs der Platte wurden so konzipiert. Die Veränderung schließt nicht nur Türen, sondern macht auch neue auf. Eine neue Herausforderung. So besteht auch keine Gefahr, zur Kopie seiner selbst zu werden.

Ihr habt euch 2015 ein berufliches Sabbatjahr genommen, um euch ganz der Band zu widmen. Wann ist es beendet?

Siegel: Ich glaube, das ist eher Sabbat auf unbestimmte Zeit. In dem Jahr haben wir schon einen gewissen Fortschritt gesehen. Und wir sind überzeugt, dass da noch etwas kommen könnte. Prinzipiell steht bei uns die Band im Vordergrund, alles andere läuft nebenbei.

Wie lange haltet ihr das so durch? Geht euch nicht irgendwann das Geld aus?

Siegel: Das können wir so nicht beantworten. Der Fußballer würde segen: Wir müssen von Spiel zu Spiel denken. Man kann nicht wissen, wie das Album einschlägt oder wie die Tour läuft. Und davon ist alles komplett abhängig.

Eigentlich ist nur noch eine Frage offen.
(Alle stöhnen auf) Es muss sein: Was bedeutet der Band-Name "William's Orbit"?


Höllerer: Jeder kann sich selbst ausmalen, was der Name für ihn bedeutet. Viel mehr Bedeutung hat für uns der Albumtitel. "Once" und der Titelsong "Once in a lifetime" signalisieren: Etzat!

Lebe deinen Traum. Jetzt.

Höllerer: Genau. Wir wollen jetzt ein Album herausbringen, in das wir so viel hineinstecken, wie nur irgend möglich. An Kreativität, an Arbeit, an Herzblut, an Schweiß. Und so wie die Platte jetzt existiert, stehen wir voll dahinter. Das ist für uns der Startpunkt. Die Zeit von "Eurydice" waren für uns Lehrjahre, in denen wir uns schon rausgetraut haben, aber nicht so ganz ... Jetzt trauen wir uns ganz raus. Und mit so einem Album im Rücken macht man das mit Stolz.

"William's Orbit" über ...die 5-Song-EP "Eurydice" (2014): "Alle Lieder von "Eurydice" interpretieren wir mittlerweile neu, anders. Hier einen Teil dazu, dort was weg. Wir haben uns weiterentwickelt." (Christian Gold)

das neue Video zum Song "Cleveland": "Videos sind sehr wichtig. Sie sind im Internet überall zu sehen und geben einen starken Eindruck von der Musik wieder." (Michael Siegel)

den begehrten Plattenvertrag: "Vor allem die Öffentlichkeit, die Vermarktung ist ein riesiger Posten, bei der ein großer Firmenname weiterhelfen könnte. Wir müssen wahnsinnig viel Zeit für organisatorische Arbeit aufwenden, die wir gerne in die Musik stecken würden." (Lukas Höllerer)

das nächste Album: "Es gibt neue Songs, aber nicht so viele, dass sie schon ein Album füllen könnten. Jetzt sind wir erstmal unterwegs, da wird in der Hinsicht wenig vorangehen. Und wir haben niemanden im Hintergrund, der Druck macht und sagt, wir müssen unbedingt bis 31. August nochmal sieben Songs schreiben." (Christian Gold)


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