Wir sind eben echte Rampensäue

Michael Kobr und Volker Klüpfel sind die geistigen Väter des Allgäuer Kommissars Kluftinger. Bild: Helmut Henkensiefken

Krimis, die in der Provinz spielen haben Konjunktur. Besonders erfolgreich ist das Autoren-Duo Klüpfel und Kobr. Die beiden haben die kauzige Figur Kluftinger mittlerweile schon achtmal im ländlichen Allgäu ermitteln lassen. Mit der Bühnen-Show "my Klufti" kommen sie auch nach Weiden.

Die Kulturredaktion hat mit Volker Klüpfel gesprochen - über Heimat, Freundschaft und über die Frage, ob ein Krimi, der in einer Region spielt auch gleich ein Regional-Krimi sein muss.

Acht Kluftinger-Romane, alle sehr erfolgreich. Wie erklären Sie sich diesen nachhaltigen Erfolg?

Volker Klüpfel: Es war ja kein explosionsartiger Erfolg. Das ist vielleicht schon einmal gut für eine nachhaltigere Geschichte. Außerdem haben wir in jedem Buch versucht, uns neu zu erfinden. Und wir haben mit unseren Shows und Lesungen schon viel selber dafür getan. Wir hatten schon, als wir noch in anderen Berufen gearbeitet haben, bis zu 120 Veranstaltungen im Jahr.

Das klingt nach einer Rockband, die solange über die Dörfer tourt, bis es irgendwie klappt. War das kalkuliert oder ist das organisch gewachsen?

Klüpfel: Das war schon organisch. Wir waren uns anfangs gar nicht so bewusst. Wir fanden es toll, dass es da Leute gibt, die möchten dass wir was vorlesen. Es war zuerst ja auch überschaubar. Wir haben einfach immer ja gesagt und irgendwann ist das ja ganz schön viel geworden.

Hätten Sie geahnt, dass der Kluftinger als Serien-Figur so einschlägt?

Klüpfel: Dass man mit einer Allgäuer Figur bundesweit so erfolgreich ist - es wäre vermessen gewesen, sich das auch nur zu wünschen. Wir haben ihn in einer Zeit erfunden, als die ganzen Kommissare total kaputt waren, zerrüttete Familien, körperlich kaputt. Unser Charakter sollte realistisch sein. Klar, ironisch verdichtet.

Wie ist Ihre Hauptfigur entstanden? Ist Kluftinger eine Art Archetyp für den Allgäuer?

Klüpfel: Dort gibt es Menschen in den verschiedensten Ausprägungen. Aber wir haben ein paar Sachen reingepackt, wo wir dachten, so sind die Leut hier schon ein bisschen. So ein bisschen auf sich zurückgezogen, nicht sofort die aller offensten, aber wenn man sie sich mal erschlossen hat, sehr treu und, ja, angenehm. Ich glaube, das hat eher mit Bewohnern solcher Bergregionen zu tun.

Sie schreiben mit Ihrem Co-Autor Michael Kobr. Wie kann man sich die Zusammenarbeit vorstellen? Der eine liefert die Krimi-Elemente, der andere die Gags?

Klüpfel: Nein, gar nicht. Wir sind, was Arbeitsteilung angeht, wahnsinnig paritätisch ausgerichtet. Jeder darf und muss alles schreiben. Die Büroszenen sind weniger beliebt. Die privaten Kluftinger-Teile hingegen sehr. Damit wir uns nicht in die Haare kriegen, wechseln wir uns immer ab.

Sie sind seit vielen Jahren befreundet. Ist das eher Segen oder eher ein Fluch? Wie gehen Sie mit Meinungsverschiedenheiten um?

Klüpfel: Für die Zusammenarbeit ist es definitiv ein Segen. Ob es einer für die Freundschaft ist, das weiß ich nicht. Da muss man sich manchmal Sachen sagen, die man einem Freund lieber nicht sagen würde. Aber ich glaube doch, dass man Kritik eher von einem Freund annehmen kann.

Wenn man Sie und Michael Kobr in Talkshows erlebt, dann sieht man ein gut eingespieltes Team. Der eine gibt eine Steilvorlage, der andere landet den Gag.

Klüpfel: Stimmt, das ist so. Das zeigt eigentlich ganz schön, dass es uns beiden mittlerweile wirklich nicht übertrieben ums eigene Ego geht

Besteht da nicht die Gefahr, wie in einer Ehe in eine gewisse Routine zu verfallen?

Klüpfel: Routine im positiven Sinne gibt es schon bei schreibtechnischen Sachen. Früher haben wir uns den Text des anderen ausgedruckt, hinein korrigiert und uns dann getroffen, um bei jedem Satz zu sagen, warum der scheiße ist. Jetzt schreiben wir einfach in Word drüber und schicken das an den anderen zurück. Der nimmt das meistens kommentarlos an.

Und wie ist die Region zu Ihnen? Spüren Sie auch Neid? Oder Stolz auf die bekannten Autoren?

Klüpfel: Neider gibt es immer. Das hat aber absolut nix mit dem Allgäu zu tun. Die Leute hier finden es ganz normal. Die sagen sich: "Da ist der Volker - der schreibt Bücher. Und sein Onkel, der war Metzger". Da gibt es kein großes Aufsehen.

Das kann sich mit Ihrem Bühnenprogramm schnell ändern. Wie kam es zu den jetzigen Shows? Trauen Sie der literarischen Kraft Ihrer Geschichten nicht mehr?

Klüpfel: Wir sind eben echte Rampensäue und wollen viel ausprobieren, Sachen machen, die sich auch weiter entwickeln. Es gibt Kollegen, die sicher toll lesen und das schon seit Jahrzehnten machen - es ändert sich aber nix. So will ich das nicht, auch nicht auf die Gefahr hin, dass die Leute die Wiederholung vielleicht schätzen.

Theaterstücke, ein Kochbuch, ein Tourtagebuch, Facebookseite und so weiter - Kluftinger ist eine echte Marke. War das so beabsichtigt?

Klüpfel: Strategie steckt keine dahinter. Das sind viel mehr Nebenprodukte. Wir haben wahnsinnig viele Angebote für Lizenzprodukte bekommen. Manches hätten wir besser nicht gemacht. Auf ein paar Sachen sind wir stolz - das Kluftinger-Kochbuch zum Beispiel. Das kommt in der Buchszene nicht gut an. Die Presse kübelt sich zum Teil über den Merch-Stand bei unseren Shows aus.

Ich habe gelesen, dass Sie die Bezeichnung gar nicht mögen. Aber ist der Lokalkolorit nicht unabdingbar für den Erfolg Ihrer Bücher?

Klüpfel: Tatsächlich mag ich den Begriff nicht. Für mich sind Regional-Krimis solche, die man wie einen Reiseführer lesen kann. Da wird die Kirche nett beschrieben, da ein Gasthaus. Das spielt bei unseren Büchern keine Rolle. Wir betreiben kein Name-Dropping von irgendwelchen pittoresken Gegenden im Allgäu. Klar prägt die Gegend die Menschen, die dort leben. Aber mehr ist es auch nicht.

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Volker Klüpfel und Michael Kobr gastieren am Montag, 22. Juni um 20 Uhr mit ihrem Programm "my Klufti" in der Max-Reger-Halle in Weiden. Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0
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