Yulianna Avdeeva beom Förderkreis
Rasantes Klavierspiel

Besser hätte der Start in die neue Saison nicht laufen können: Mit einem brillant gestalteten Programm eröffnet die Pianistin Yulianna Avdeeva die "Weidener Meisterkonzerte 2016/2017".

Zwei Komponisten ist am Freitag der Eröffnungsabend der Weidener Meisterkonzerte 2016/2017 gewidmet, dem Klassiker Ludwig van Beethoven und dem Romantiker Franz Liszt. Erst bei den zwei Zugaben kommt Frédéric Chopin als weiterer Komponist hinzu. Wie allgemein Klassifizierungen sind, erweist sich schon in den beiden Sonaten von Beethoven. Romantisch geprägt ist die "Klaviersonate e-moll op 90" in Klangwirkung und Gefühlswelt.

Yulianna Avdeeva vermag es gekonnt, die eben nicht italienischen Satzüberschriften "Mit Lebhaftigkeit und durchaus mit Empfindung und Ausdruck" sowie "Nicht zu geschwind und sehr singbar vorgetragen" überzeugend in musikalischen Botschaften zu vermitteln. Eindringlich gestaltet sie die geforderten Gegensätze von lauter und leiser Tongebung im Anfangssatz als Gegenüberstellung offener und geheimnisvoller Aussagen.

Sensible Klangwelten


In einer milden Kantilene antwortet der zweite Satz auf aufgeworfene Fragen. Auch sensible Klangwelten kann die Pianistin ihren Zuhörern in der gut gefüllten Max-Reger-Halle nahebringen. Die andere Sonate ist die "Klaviersonate Es-Dur op 81a", betitelt "Les adieux". Der Komponist nannte das Werk "Sonate caractéristique: Les adieux/L'absence/Le retour". Über den ersten drei Vierteln des Anfangssatzes ist außerdem notiert "Le-be-wohl".

Deutlicher kann man Anforderungen an einen Interpreten nicht ausdrücken. Yulianna Avdeeva bringt den Abschiedsschmerz musikalisch deutlich zum Ausdruck - bis zum resignierenden Ende. Eine entsprechend klagende Melodie, hervorgerufen durch schmerzhafte Abwesenheit, prägt den Mittelsatz. Leise Hoffnung auf doch mögliches Wiedersehen erscheint gegen Ende des Satzes - und plötzlich ertönen "Im lebhaftesten Zeitmaß" ungebändigte Sechszehntelläufe als Symbole des freudigen Wiedersehens. Das Herzrasen, symbolisiert durch rasende Noten, steuert leichthändig zum fulminanten Schlusslauf zu, der die Freude krönt. Reine romantische Programm-Musik, durch die Pianistin brillant vermittelt.

Zwischen beiden Sonaten stehen die "32 Variationen über ein Originalthema c-moll WoO 80" auf dem Programm. Warum Beethoven dieses hervorragende Werk nicht in das offizielle Werkverzeichnis aufnahm, weiß man nicht. Die Veränderungen verlaufen heftig oder verhalten, gesanglich oder mit Akkorden versehen, stets aber in voranstürmender Manier und damit auf höchstem Niveau des Komponisten. Genau das bringt Avdeeva zum Ausdruck.

Der zweite Teil des Abends ist Franz Liszt gewidmet. Zunächst erklingen drei Charakterstücke: "La lugubre gondola I" vornehmlich geheimnisvoll, "Unstern! Sinistre, disastro" im Kontrast dazu laut und hetzend, dann "R. W. Venezia" als verhaltene Hymne an die Lagunenstadt, in der Liszt im Alter lebte. Es folgt die "Klaviersonate h-moll", ein Riesenwerk von in Töne gebrachten Gedanken und Aussagen. Mit Sonatenform im üblichen Sinn hat diese "Sonate" nichts gemein. Verschiedene Welten von Ausdrucksformen werden hier zusammengestellt. Ist Liszts Schaffen für Klavier schon einzigartig, so ragt dieses Werk noch in seiner Fülle der Gedanken über die anderen hinaus.

Riesiger Beifall


In wahnwitzigem Tempo absolviert die Pianistin die massiven virtuosen und musikalischen Anforderungen dieses Werks. Zu Recht spenden die Zuhörer riesigen Beifall für die Leistung der Interpretin. Man möchte es kaum glauben: Nach dieser Leistung findet sie noch die Kraft für zwei Zugaben aus dem pianistischen Schaffen von Frédéric Chopin. Zunächst ertönt das "Nocturno cis-moll op. posth." in fein ziselierter Spielweise, dann folgt die berühmte "Polonaise As-Dur op 53" in machtvoller Gestaltung der optimistischen Melodie.
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