Zwei großartige Streicher spielen Raritäten der Kammermusik
Seltene Klänge bei den Max-Reger-Tagen an der OTH in Weiden

Peijun Xu an der Viola und Jens Peter Maintz am Violoncello im vollbesetzten neuen Hörsaal der OTH Amberg-Weiden. Bild: Schönberger
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
18.02.2016
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Von Reinhold Tietz

Weiden. Diese Musik bekommt man wirklich nicht allzu oft zu hören. Das zweite Konzert im Rahmen des Max-Reger-Jahres zum Gedenken an den 100-jährigen Todestag des Komponisten fand auch noch an einem besonderen Ort statt. In neuen Hörsaal der Hochschule Weiden spielen Peijun Xu (Viola) und Jens Peter Maintz (Violoncello) Seltenheiten.

Die Vortragsfolge bringt mit Musik für Viola und Violoncello eine seltene Kombination zweier Streichinstrumente. Die Violine hat an diesem Abend Pause. Im Gegenteil, die Stücke, in denen sie eigentlich mitspielt, klingen in der tieferen Lage als neuer Ohrenschmaus. Das zeigen Xu und Maintz bereits beim "Duett mit zwei obligaten Augengläsern Es-Dur" WoO 32 von Ludwig van Beethoven. Möglicherweise deutet der Titel an, dass man mit Brillen die vielen Noten besser sieht und trifft.

Lebhaft und gekonnt aufeinander bezogen, interpretieren Xu und Maintz das ruhelose Allegro in vollem Ton. Der warme Klang beider Instrumente ergänzt sich auch im tänzerischen "Minuetto Allegretto" hervorragend. Ein ganz anderes Verständnis von Tonmischungen zeigt das "Duett für Viola und Violoncello" (1934) von Paul Hindemith. Die "schnellen Achtel" der Tempobezeichnung werden selten gemeinsam gestaltet, viel öfter tonal gegeneinander in Stellung gebracht. Schließlich verknüpfen sich die Motive zu einem gemeinsamen, innig leisen Finale.

Reger orientiert sich an Bach


Die folgende "Suite Nr. 1 G-Dur" für Violoncello allein op 131c von Max Reger orientiert sich laut Aussage des Interpreten öfter an Johann Sebastian Bach. Dieser hat ja sechs Suiten für Cello solo geschrieben. Dennoch sind trotz mancher Ähnlichkeiten die musikalischen Aussagen Regers Ideen. Mächtig das "Präludium" mit schnellen Figurationen, gesanglich das "Adagio" mit großer Klangwirkung durch die oft geforderten Doppelgriffe. Dann eine schnelle "Fuge". Auch diese oft von Bach verwendete strenge Form hat Reger mit eigener Auffassung gestaltet. Und als eigene musikalische Welt interpretiert der Cellist das faszinierende Werk.

"Zwei Stücke für Viola und Violoncello" der Komponistin und Bratscherin Rebecca Clarke (1886-1979) schließen sich an. Erst ein "Lullaby", in dem beide Instrumente Thema und Begleitung mit Dämpfern vorführen. Entsprechend leise und weich der Klang. Krassen Gegensatz dazu bildet die nachfolgende "Grotesque". Ungedämpft und mit vielen Tonsprüngen angereichert, vollführt das Duo die geforderten Klangbilder. Es folgt das berühmteste Solostück für Violine: Die "Chaconne" aus der "Partita d-moll" BWV 1004 von Johann Sebastian Bach in einer Bearbeitung, die sich Peijun Xu selbst für Viola zusammengefügt hat. Der warme Ton der Bratsche überzeugt. Eigentlich für zwei Violinen geschrieben, erreicht das "Duo Nr. 3 A - Dur" op 131b von Max Reger auch in der Wiedergabe durch Bratsche und Cello den Gefallen der Zuhörer. Beide schnellen Sätze interpretieren die Musiker fein abgestimmt. Nicht nur die Sitzordnung Rücken an Rücken angelehnt ist anders als sonst, auch die vielen Flageolett-Töne und die neuartigen Klänge kennzeichnen das 2001 entstandene Stück "Janusgesicht" von Matthias Pintscher (*1971). Sehr intensiv rufen beide Künstler besondere Klangfiguren hervor.

Feine und heftige Töne


Als letztes Werk erklingt das "Duo B- Dur" KV424 für Violine und Viola von Mozart, in einer Fassung für Viola und Violoncello. Elegisch der langsame Beginn, kontrastreich dazu die schnelle Fortsetzung. Das "Andante cantabile" enthält einen Gesang der Bratsche, die Variationen des Schlusssatzes sind von feinen Tonsequenzen wie von heftigen Tonausbrüchen geprägt. Das Publikum klatscht begeistert. Als Zugabe wird der Mittelsatz des letzten Stücks wiederholt.
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