18 junge Flüchtlinge meistern den Mittleren Schulabschluss - Abgeordneter Uli Grötsch: "Wir ...
"Sie sind eine Chance für die Region"

Sie haben es geschafft: 18 junge Flüchtlinge erzielten den Mittleren Schulabschluss. Überreicht wurden die Zeugnisse von MdB Uli Grötsch, stellvertretende Landrätin Margit Kirzinger, Stadtrat Hans-Jürgen Gmeiner und Fachbetreuer Manfred Wichmann (links). Unter den Ehrengästen war auch Stadtrat Karl Bärnklau (nicht im Bild). Bild: Hartl
Weiden. (ps) Sie haben etwas geschafft, was enorm großen Einsatz verlangt: In einem fremden Land, in einer fremden Sprache, ohne Unterstützung der Eltern, haben sie den Mittleren Schulabschluss erreicht. Und das auf Anhieb. 18 Schüler der Internationalen Förderklasse (IFK) 10 an der Europa-Berufsschule durften dafür am Donnerstag das Zeugnis entgegennehmen. Einer von ihnen - Abdul Wahab - glänzte sogar mit einer Eins in allen Fächern.

"Unsere Schüler sind sehr motiviert, sportlich und körperlich belastbar, lebensfroh und auch bereit zu schwitzen", sagte Fachbetreuer Manfred Wichmann. Er blendete bei der Feierstunde in der Aula noch einmal zurück: Mit 20 jungen Flüchtlingen aus 7 Nationen im Alter von 16 bis 21 Jahren war die Förderklasse im September 2013 gestartet. Dass jetzt nur 18 die Schule in Weiden beendeten, lag daran, dass von anfangs drei jungen Frauen zwei nach Hamburg zogen. Im ersten Jahr, in dem die Vermittlung von Sprachkenntnissen im Vordergrund stand, erfolgte der Unterricht an der Volkshochschule Weiden als Kooperationspartner.

Die berufliche Orientierung und die Vorbereitung auf die externe Prüfung für den Mittleren Schulabschluss erfolgten im zweiten Jahr in Zusammenarbeit mit dem Kolping-Bildungswerk und der Pestalozzi-Mittelschule. Dafür dankte Wichmann ausdrücklich Leonhard Dietrich (VHS), Jürgen Förster (Kolping), Konrektorin Monika Brunner und dem Lehrer Alexander Scharl (Pestalozzi-Mittelschule) für die Organisation. "Danke für deine hervorragende Arbeit", sagte er zu Christian Balke. Der Sozialpädagoge des Kolping-Bildungswerkes zeichnete unter anderem für die Vermittlung von Praktika verantwortlich.

Die Erfahrungen der Firmenchefs waren so positiv, dass sieben junge Flüchtlinge direkt im Anschluss an die Schule ein Einstiegsqualifizierungsjahr (EQJ) - eine berufsvorbereitende Ausbildung, gefördert von der Arbeitsagentur - beginnen können. Zwei weitere erhalten einen Arbeitsplatz, zwei wechseln an eine Fachschule, und für den Rest plant Christian Balke im August weitere Praktika, um sie möglichst doch noch in Ausbildung zu vermitteln.

"Sie sind eine Chance für unsere Region und diese Region will auch eine Chance für Sie sein", sagte Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch. In der nördlichen Oberpfalz werde in vielen Berufssparten Nachwuchs benötigt. Grötsch wies darauf hin, dass der Bund in Zukunft mehr Mittel für die jungen Flüchtlinge bereitstellen möchte. Der Weg dahin sei jedoch schwierig. Den erfolgreichen Absolventen versicherte er angesichts des anschwellenden Flüchtlingsstroms: "Sie sind Vorbilder für alle, die jetzt nach Deutschland kommen. Sie zeigen, dass es geht. Wir wollen, dass unsere Region auch Ihre Heimat bleibt." Sein besonderer Dank galt Manfred Wichmann, der die schulische Ausbildung der jungen Flüchtlinge mit großem Enthusiasmus vorangetrieben habe.

Frei - und doch nicht frei

In der Realität ist das mit der neuen Heimat leider nicht so einfach. Das belegte der Aufsatz von Abdul Wahab, aus dem der 20-jährige Äthiopier auf Aufforderung von Moderatorin Katrin Simmet vorlas: "Das Land der Freiheit ist ein Land, in dem die Menschen leben, wie sie wollen - ohne Angst. In meinem Land war ich nicht frei, weil dort ein Diktator herrscht. In Deutschland bin ich frei, weil ich in die Schule gehen kann." Es gelte aber auch: "In Deutschland bin ich nicht frei, weil ich keine Aufenthaltserlaubnis habe."
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