2. Rheumatologie-Forum: Experte fordert mehr Mut bei der Therapie - Erhöhter Harnsäurespiegel ...
Mit Kaffee und Kirschen gegen die Gicht

Für das 2. Weidner Rheumatologie-Forum hatte Privatdozent Dr. Jörg Schedel vom Klinikum Weiden (rechts) mit Prof. Dr. Klaus Krüger aus München (links) und Prof. Dr. Markus Gaubitz aus Münster namhafte Experten gewonnen. Bild: Wirtz-Roegner
Das breite Feld rheumatischer Erkrankungen betrifft fast alle Fachrichtungen. "Holen Sie deshalb Kollegen mit ins Boot", lautete der Rat der Experten beim 2. Rheumatologie-Forum in der Cafeteria des Klinikums. Privatdozent Dr. Jörg Schedel und Dr. Hella Tarjanyi, zuständig für die Rheumatologie am Weidener Klinikum, hatten in Zusammenarbeit mit dem Ärztlichen Kreisverband den Fortbildungsabend initiiert. Der systemische Lupus Erythematodes (SLE), die Auswirkungen von Rheuma auf das Herz sowie die Gicht standen dabei im Mittelpunkt.

Prof. Dr. Markus Gaubitz aus Münster bezeichnete die Autoimmunkrankheit SLE als "internistisches Chamäleon", die bevorzugt jüngere Frauen befalle. Statt gesunde Antikörper zu produzieren, richteten sich "Auto-Antikörper" gegen gesunde körpereigene Zellen. Schwerwiegende Gewebe- und Organschäden seien dadurch gefährdet.

Mögliche Fehlgeburten

Viele Organe könnten von SLE geschädigt werden. Es könne zu unerklärlichen Hirn- oder Herzinfarkten, zu Fehlgeburten oder auch zu Thrombosen kommen. Die frühe, jedoch nicht einfache Diagnose sowie die Behandlungsmöglichkeiten hätten sich seit den 1950er Jahren deutlich verbessert. Seine Empfehlung: "Nicht aufgeben. Patienten weiter leiten in Fachzentren." Dabei gelte es, für den Lupus-Patienten den ganz individuellen Weg zu finden. Der Rat des Experten außerdem: "Mutiger therapieren als früher, um eine bestmögliche Linderung der Beschwerden zu erreichen."

Prof. Dr. Klaus Krüger aus München beleuchtete die Herzbeteiligung bei Krankheiten des rheumatischen Formenkreises. Wichtig sei es, schon sehr früh an diese Möglichkeit zu denken. Rheuma-Patienten seien für "Herzereignisse aus heiterem Himmel" wesentlich gefährdeter als die Normalbevölkerung.

"Die Höhe der Entzündungsaktivität sowie die traditionellen Risikofaktoren spielen außerdem eine wichtige Rolle", betonte Professor Krüger. Herzschonenden Medikamenten sollte sobald wie möglich der Vorzug gegeben werden. Sein Rat: "Kortikoide, die zu Therapiebeginn unverzichtbar sind, möglichst bald ausschleichen."

Zu wenig Bewegung

Dr. Jörg Schedel berichtete, dass Gicht-Patienten relativ häufig im Weidener Klinikum behandelt werden müssten. Früher sei die Gicht eine Krankheit der Reichen gewesen, inzwischen betreffe sie alle Bevölkerungsschichten. Übergewicht, falsche Essgewohnheiten und zu wenig Bewegung seien wesentliche Gründe für diese häufig auftretende Form der Gelenkentzündung, die sehr heftige Schmerzanfälle hervorrufe und zu schweren körperlichen Behinderungen führe.

Der erhöhte Harnsäurespiegel im Blut gelte als Alarmzeichen für Gicht. Die Feststellung von Harnsäurekristallen helfe bei der Diagnose, ebenso wie Ultraschalluntersuchungen. Ein Gichtanfall sollte so rasch wie möglich behandelt werden. Beim Einsatz von Medikamenten müssten jedoch auch Begleiterkrankungen berücksichtigt werden.

Dr. Schedel riet zum Verzicht auf Bier, Schnaps und Weißwein. "Der Kaffeekonsum steht dagegen im Verdacht, das Gichtrisiko zu senken." Eventuell sei dies auch bei Kirschen der Fall. Seine Empfehlung lautete außerdem: Gesunde Ernährung und aktiver werden.
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