22-Jährige wegen Körperverletzung vor Gericht - Gutachten soll Schuldfähigkeit klären
Facebook-Verkehr als Beleg

Weiden. (rns) "Immer wenn es schlecht ausschaut, wird die Drogenabhängigkeit aus dem Hut gezaubert", meinte Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl. Trotzdem gab er dem Antrag von Rechtsanwalt Andreas Schätzler statt: Dessen Mandant solle darauf untersucht werden, ob seine Sucht für die Taten verantwortlich war, wegen denen er am Dienstag vor dem Schöffengericht stand.

Der 22-Jährige soll im Sommer 2014 vom Konto seiner damaligen Freundin mehrfach unberechtigt Geldbeträge zwischen 20 und 200 Euro abgehoben haben. Nachdem sie ihm eröffnet hatte, dass sie mit ihm Schluss machen werde, soll er sie in ihrer Wohnung gestoßen, mit Fäusten traktiert, an den Haaren gezogen und ihr gedroht haben: "Ich werde dich abstechen." In ihrer Zeugenaussage bestätigte die 23-Jährige die Anschuldigungen. Einer anderen jungen Frau soll der Weidener nach einem Zwist ihr I-Phone abgenommen und es zerstört haben. Zudem habe er, so die 26-Jährige, ihr in den Bauch getreten und sie an den Haaren gezogen. Wegen einer Bauchdeckenprellung und eines Schleudertraumas sei sie eine Woche krankgeschrieben gewesen.

Kein unbeschriebenes Blatt

Nach einem Disco-Besuch Ende August habe er - so die Anklage von Staatsanwalt Oliver Schmidt - morgens um fünf eine damals 19-Jährige beleidigt. Als sich ein Bekannter einmischte, soll dieser vom Angeklagten zu Boden gestoßen und getreten worden sein. Schmidt warf dem mehrfach wegen gleicher Delikte Vorbestraften Computerbetrug, vorsätzliche Körperverletzung, Bedrohung, Beleidigung und Sachbeschädigung vor.

Aufschlussreicher sichergestellter Facebook-Verkehr und die Zeugenaussagen legten nahe, dass die Anklage sich in weiten Teilen bestätigen könnte. Die Schilderung seines Lebenslaufs durch den erst ein Vierteljahr vor den Taten aus der Haft entlassenen Arbeitslosen zeigte, dass sein Leben stets von Aggression und exzessivem Drogenkonsum geprägt war. Schon mit acht Jahren war der gebürtige Weidener wegen seiner Aggressivität in die Jugendpsychiatrie gekommen. Ab dem zwölften Lebensjahr habe er Rauschgift konsumiert, sagte er. Als Verteidiger Schätzler beantragte, seinen Mandanten auf Schuldunfähigkeit wegen seines Drogenkonsums untersuchen zu lassen, hielt ihm Richter Heindl vor: "Darauf hätten sie aber auch früher schon kommen können, nicht erst in der Hauptverhandlung!"

Nach Begutachtung des Angeklagten durch Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder wird die Verhandlung am 25. März um 9 Uhr fortgesetzt.
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