22-Jähriger muss wegen Vergewaltigung drei Jahre ins Gefängnis
"Nein" der Ex nicht respektiert

Weiden. (rns) Wer "A" sagt, muss nicht unbedingt auch "B" sagen. Obwohl sich eine junge Frau fast nackt zu ihrem "Ex" ins Bett gelegt hatte, hätte dieser ihr "Nein" respektieren müssen. Wegen Vergewaltigung verurteilten ihn die Richter der 3. Jugendkammer nun zu drei Jahren Gefängnis.

Anfang September letzten Jahres war die 18-Jährige abends zu ihrem Bekannten in dessen Wohnung gekommen. Ein halbes Jahr zuvor war eine eineinhalbjährige Beziehung beendet worden und man wollte sich aussprechen. Nachdem gegen 0.30 Uhr ein Taxifahrer das Nachtmahl aus einem Fastfood-Restaurant gebracht hatte, zog sich die Frau bis auf BH und Tanga aus und ging mit dem damals 21-Jährigen ins Schlafzimmer.

Ihr gänzlich unbekleideter Ex-Freund legte sich "zum Kuscheln" zu ihr. Als sie, auf sein Bitten hin, auch den BH abgelegt hatte, begann der Ledige sie zu begrapschen. Nachdem sie ihm unmissverständlich klar gemacht hatte, dass sie keinen Sex wollte, wurde er gewalttätig. Als die Weidenerin das Bett verlassen wollte, warf er sie so heftig zurück, dass der Lattenrost zu Bruch ging. Dann packte er die junge Frau an den Haaren, schlug sie ins Gesicht und drohte ihr mit "Umbringen". Trotz heftiger Gegenwehr gelang es dem 21-Jährigen, sein Opfer grob unsittlich zu berühren. Erst nach Stunden konnte die Frau flüchten, nur mit Tanga, Slip und einer Socke bekleidet. Auf der Straße traf sie auf eine Bekannte, welche die Polizei verständigte.

Zeugenaussage erspart

Gut beraten durch seinen Verteidiger Dr. Hans-Wolfgang Schnupfhagn, legte der mittlerweile 22-Jährige ein umfassendes Geständnis ab und ersparte so der Gepeinigten die Aussage vor Gericht. Bereits im Vorfeld hatte Richter Reinhold Ströhle zu erkennen gegeben, dass man sich wohl am unteren Ende eines ins Gespräch gebrachten Strafmaßes von drei bis dreieinhalb Jahren orientieren werde. Auch Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Hans-Jürgen Schnappauf hielt dem Angeklagten zugute, dass sich die Geschädigte wohl "sehenden Auges selbst in Gefahr gebracht" hatte. "Trotzdem", so Schnappauf, "hätte er ihr ,Nein' gelten lassen müssen!"

Rechtsanwalt Tobias Konze wies auf die psychischen Folgen der Tat für seine Mandantin hin. Trotzdem wolle diese nicht Rache, sondern lediglich deutlich machen, dass man über so etwas nicht hinwegsehen dürfe. Rechtsanwalt Schnupfhagn sah in der Tat seines "nicht auf der Sonnenseite des Lebens aufgewachsenen" Mandanten einen "minder schweren Fall" und beantragte, wie die übrigen Prozessbeteiligten, drei Jahre.

Ströhle und Richter Peter Werner sowie die beiden Schöffen urteilten antragsgemäß. Der Geschädigten sprachen sie 2750 Euro Schmerzensgeld zu. Allerdings ist zu befürchten, dass sie lange auf das Geld warten muss: Der Verurteilte ist mittellos.
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.