25-Jähriger kommt letztmals mit Bewährung davon
"Club"-Rowdy schlägt Bayernfan wegen BVB

Wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilte der Amtsrichter in Kemnath im August einen 25-Jährigen zu drei Monaten Haft. Nun gab ihm Landgerichtsvizepräsident Georg Grüner eine "allerletzte Chance": drei Monate mit Bewährung.

Vor einer Disco in Kulmain war es am 1. Februar zu einer kleinen Auseinandersetzung gekommen. Der "Club"-Fan hatte gegen Borussia Dortmund gepöbelt. Ein BVB-Anhänger schubste den Angetrunkenen daraufhin in einen Schneehaufen. Und dann bekam ein Bayern-Fan noch eine Faust ins Gesicht. Die Folgen: aufgeplatzte Lippen und eine Woche lang Schmerzen.

In der Verhandlung vor der Zweigstelle Kemnath des Amtsgerichts Tirschenreuth hatte sich der Angeklagte noch damit verteidigt, dass er "Unmengen" getrunken habe. Den Richter beeindruckte er damit nicht. Der ledige Mann sei schließlich unter laufender Bewährung gestanden.

Knapp drei Jahre zuvor war er wegen des Anbaus von Marihuanapflanzen zu vier Monaten verurteilt und unter die Aufsicht eines Bewährungshelfers gestellt worden. In der Berufungsverhandlung vor der 2. kleinen Strafkammer machte Rechtsanwältin Carola Rosenberger deutlich, dass sich die Sozialprognose ihres Mandanten zum Guten gewandelt habe. Er sei auf Suche nach geregelter Arbeit, trinke nicht mehr, habe sich bei seinem Opfer entschuldigt und 500 Euro Schmerzensgeld bezahlt.

"Alltägliches Gerangel"

Tatsächlich berichtete der 27-Jährige, der seine Verletzungen per "Selfie" dokumentiert hatte, dass er keinen Wert auf eine Bestrafung seines Kontrahenten lege. Es sei eine Auseinandersetzung gewesen, wie sie unter jungen Leuten alltäglich sei. Er habe nicht einmal Anzeige erstattet, wenn nicht der andere selbst die Polizei gerufen hätte.

Staatsanwalt Dr. Andreas Gietl plädierte daraufhin dafür, den Angeklagten zu einer Bewährungsstrafe zu verurteilen, ihn aber noch ein weiteres Jahr einem Bewährungshelfer zu unterstellen. Grüner und die Schöffen brummten dem derzeit Arbeitslosen zusätzlich 100 gemeinnützige Arbeitsstunden auf. Außerdem muss er etwas gegen sein Alkoholproblem unternehmen.
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