2,75 Euro sind viel Geld

Das war knapp: Fast hätte Richter Roland Güll einen 60-Jährigen wegen 2,75 Euro ins Gefängnis geschickt. Doch dann drückte sogar die Staatsanwältin nochmal "beide Augen" zu.

Angesichts seiner 14 Vorahndungen - die jedoch fast alle nur durch kleinste Delikte angefallen waren - hätte Strafrichter Roland Güll einen 60-Jährigen beinahe wegen 2,75 Euro ins Gefängnis geschickt. Der Weidener hatte im Bahnhofs-Imbiss eine Dose "Jack-Daniels-Cola" eingesteckt - und an der Kasse nicht bezahlt. Schon einige Zeit hatte die Verkäuferin den Mann beobachtet, weil er sich "herumgedrückt" hatte. Als er lediglich zwei Wurstsemmeln bezahlte, benachrichtigte sie die Polizei. Diese fand die Getränkedose auch sogleich in der Jacke des Mannes.Vor Gericht gestand er die Tat. Er sei alkoholisiert gewesen. Durch frühere Rauschgiftsucht habe er hohe Schulden. Vom Methadon möchte er durch eine Entgiftung mit anschließender Therapie jetzt wegkommen.

"Treiben Sie's nicht zu weit"

Richter Güll entnahm den Akten, dass der Angeklagte wegen seiner letzten Verurteilung zu einem Monat noch unter Bewährung steht. Allerdings sei die damals zusätzlich zur Freiheitsstrafe verhängte Geldauflage auf Antrag des Verurteilten in eine Arbeitsauflage umgewandelt worden. Wenig später habe dieser wieder die Umwandlung in eine Geldauflage beantragt. Der Rentner begründete dies durch seine Geldsorgen einerseits und seine Arbeitsunfähigkeit wegen Diabetes und Bandscheibenvorfällen andererseits.

"Treiben Sie's nicht zu weit!", warnte Staatsanwältin Susanne Pamler den Angeklagten. Trotzdem drückte sie noch einmal "beide Augen zu". Sie plädierte wegen des "Diebstahls einer geringwertigen Sache" auf drei Monate, die zur Bewährung auf vier Jahre ausgesetzt werden sollten, "um ihn an die Kandare zu nehmen".

Richter Güll verurteilte den Ledigen schließlich antragsgemäß. Zudem muss er 600 Euro in Raten zu 30 Euro an die Staatskasse zahlen.
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