29-Jähriger wegen Freiheitsberaubung, Vergewaltigungen und Körperverletzung angeklagt
"Wie ein schlechter Film"

Klein, drahtig,mit Pferdeschwanz, x-fach vorbestraft. In Fußfesseln wird der 29-jährige Angeklagte vor die 1. große Strafkammer unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Walter Leupold (Mitte) geführt. Die Anklage lautet auf Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung und 13 Fälle der schweren Vergewaltigung. Verteidiger ist Dr. Hans-Wolfgang Schnupfhagn (links). Bild: Wilck

Ihre Beziehung war "wie ein schlechter Film", sagt der Angeklagte. Wie ein schlechter Film hört sich auch die Anklage an. Über vier Wochen hinweg soll ein Weidener (29) seine Freundin (28) in der Wohnung seines Vaters festgehalten, mit Schlagstock und Schürhaken verprügelt und vergewaltigt haben.

Es ist eine verhängnisvolle Beziehung zwischen dem Angeklagten und der Tochter aus gutem Hause. Sie konnten nicht mit- und konnten nicht ohne einander. Der 29-Jährige war September 2013 erst aus der Haft entlassen worden. Er hatte wegen Körperverletzung an eben dieser Freundin gesessen. Und schon im November soll es wieder zu Gewaltexzessen gekommen sein.

Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf beschreibt Taten, wie sie eine Zeitung nicht wiedergeben darf. Einen Teil aber schon: Zwischen 5. November und 1. Dezember 2013 soll der 29-Jährige die Frau in der Wohnung seines Vaters in der Innenstadt festgehalten haben. Nur mit ihm habe sie das Haus verlassen dürfen. Er habe mit Fäusten auf sie eingeprügelt, ihr die Haare büschelweise ausgerissen, eine brennende Zigarette an ihren Arm gedrückt. Anfangs habe sie sich gewehrt, später nicht mehr, um ihn nicht noch wütender zu machen. Gleiches gelte für mindestens 13 Fälle des Geschlechtsverkehrs, die sie "aus Angst" geduldet habe.

Kleiner, drahtiger Typ

Das Gericht unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Walter Leupold hört am ersten Prozesstag den Angeklagten. Ein kleiner, drahtiger Typ mit Pferdeschwanz, der in Fußfesseln vorgeführt wird. Er habe mit der Exfreundin nichts mehr zu tun haben wollen, bis sie ihm eine SMS aus dem Krankenhaus geschrieben habe. Er besuchte sie und blieb. "Ich bereue diesen Tag." In dieser Nacht sei die Beziehung wieder aufgelebt.

Die nächsten Wochen sei er bei ihr und ihrer Mitbewohnerin eingezogen. Die Adoptiveltern der Geschädigten reagierten alarmiert. "Der Vater rief sie an: Dass er eine 45er im Nachtkästchen habe und sich nicht vor mir fürchte." Der Angeklagte beschreibt die Wohnung als Drogenhöhle. "Nur Hektik und Paranoia." Seine Freundin sei "nonstop zugedröhnt" gewesen, vor allem mit "Kristall". "Für mich war das zu viel."

Schließlich habe er sie mit zu seinem Vater genommen - aber "weder eingesperrt, noch zu etwas gezwungen". Vielmehr habe sie sich ein Kind von ihm gewünscht. Auf Nachfrage räumt er ein: Ja, er habe sie geschlagen. "Mit der Hand, mit der Faust, an den Haaren gezogen, getreten." Aber die Verletzungen habe sie sich selbst beigebracht, als sie gegen Möbel trat. Einmal habe sie sich an ihm festgekrallt, als er ihre "Line" vom Tisch gepustet habe: "Ich habe um mich geschlagen und sie erwischt."

"Lass die Finger von ihm"

"Lass die Finger von ihm." Das riet eine mütterliche Freundin (56) der Geschädigten, als die Haftentlassung anstand. "Aber da konnten wir alle reden, wie wir wollten. Die war dem hörig." Das Mädchen sei für sie wie eine Tochter. "Sie sagt Mama zu mir" Als aber der Angeklagte im Herbst 2013 wieder in das Leben der Ziehtochter trat, herrschte Funkstille - bis Dezember. "Da besuchte sie mich mit riesengroßer Sonnenbrille." Die 28-Jährige sei psychisch "zerstört" gewesen, habe blauen Stellen an Brustkorb, Armen und Rücken aufgewiesen. "Sie hat in meinen Armen geweint wie ein kleines Kind." Drogenkonsum könne sie nicht bestätigen.

Aus dem Frauenknast Aichach wird eine 49-jährige Zeugin vorgeführt. Sie übernachtete damals in der Wohnung der Albaner, wenn ihr nach Crystal und Spielhallen-Zockerei das Geld für die Heimfahrt fehlte. Sie hatte der Geschädigten Stoff angeboten: "Sie wollte nicht." Die beiden waren beileibe keine Freundinnen. "Sie war schon sehr anstrengend. Die haben sich beide nichts geschenkt". Aber die 49-Jährige war zumindest so besorgt, dass sie damals den Adoptivvater anrief. Seine Tochter sei eingesperrt und werde gehalten wie ein Hund. Durch die Tür seien Schläge und Schreie zu hören. Vor Gericht revidiert sie das: "Ich hatte mir eingebildet, dass sie in Gefahr ist."

Am Nachmittag vernahm das Gericht dreieinhalb Stunden das Opfer. Der Angeklagte wurde dazu aus dem Gerichtssaal entfernt, die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Die 28-Jährige hatte damals mehrere Tage stationär im Klinikum behandelt werden müssen. Psychisch geht es der Nebenklägerin laut Anwältin Anne Brünnig nach wie vor "sehr schlecht": "Sie ist stark traumatisiert."
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