"4. E-Commerce-Nacht": Handel vor radikalen Veränderungen - Auf Digitalisierung reagieren
Den Kunden im Netz abholen

Tiefen Einblick in die neue digitale Welt boten im fast vollbesetzten großen Hörsaal die Experten_ (von links) IT-Unternehmer Norbert Weig, Vorstandssprecher Ludwig Zitzmann von der Sparkasse Oberpfalz Nord, Dorothea Utzt von "Streetpotr", Susan Risse von der Witt-Gruppe, Dr. Ernst Stahl von "ibi research GmbH" und OTH-Vizepräsident Reiner Anselstetter. Bild: Bühner

Wieder einmal ist es der OTH gelungen, den "Wind der Veränderungen" in unserer Gesellschaft aufzugreifen und darzustellen. Unternehmer Norbert Weig, der als IT-Pionier der Region gilt, und Vizepräsident Professor Dr. Reiner Anselstetter organisierten die "4. E-Commerce-Nacht". Sie hatten ein Programm zusammengestellt, das zentrale gesellschaftliche Veränderungsprozesse als Folge der Digitalisierung beleuchtete.

Zunächst ging es um die Zukunft des Handels. Dr. Ernst Stahl von der "ibi research GmbH" an der Universität Regensburg sieht künftig "keine strikte Trennung mehr zwischen Online-Handel und stationärem Handel". Sein Institut erstellte mit dem "E-Commerce-Leitfaden" ein wichtiges Informationsinstrument für den Handel (www.ecommerce-leitfaden.de). Dr. Stahl prognostiziert, dass sich der Handel in den nächsten fünf Jahren radikal verändere. "Wer nicht auf Multi-Channel setzt, wird scheitern", sagt er. Einer Umfrage zur Digitalisierung der Gesellschaft zufolge sei nicht der Preis, sondern "Öffnungszeiten und Zeitersparnis" das entscheidende Motiv der Verbraucher für Bestellungen im Internet. Der stationäre Handel müsse "den neuen Kunden akzeptieren, Einkaufserlebnisse und Attraktivität bieten".

Einen völlig anderen von der Digitalisierung geprägten Unternehmensbereich behandelte Susan Risse, Personalexpertin von der Witt-Gruppe: Onlinebörsen, eigene "suchmaschinenoptimierte" Karriereseiten und die Sozialen Medien stünden an oberster Stelle der Rekrutierungswege. Aktive eigene Suche mit den richtigen Schlüsselwörtern ("Key Words"), insbesondere für die zunehmenden Spezialberufe, hätten "das Warten auf den Eingang der passenden Bewerbung" abgelöst.

Über die Digitalisierung als "wahre Herausforderung für Kreditinstitute" referierte Vorstandssprecher Ludwig Zitzmann von der Sparkasse Oberpfalz Nord. "Den Banken droht Disruptionsgefahr, denn im Grunde können alle Bankprozesse digital ersetzt werden". Deswegen will er "die digitale Transformation konsequent aus Kundensicht angehen". Zitzmann sieht im Bankensystem bis 2020 "Ertragsrückgänge von mindestens 20 Prozent". Sein Kreditinstitut habe das System "S@ON" entwickelt, das dem Kunden von 9 bis 19 Uhr, "überall wo er sich befindet", zur Verfügung stehe. Abgeschlossen wurde die Vortragsreihe durch Dorothea Utzt, Gründerin und Geschäftsführerin von "streetpotr".

Das System profitiert von der Vielzahl der Smartphone-Nutzer. Sie sammeln Infos für Auftraggeber und melden diese an "streetpotr". Unternehmen lagern dabei "interne Aufgaben auf eine Gruppe freiwilliger User". Beispiel: "die Kontrolle für Paulaner, ob in der Oktoberfestzeit in allen Getränkemärkten ein Display aufgestellt ist".
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