40-Jähriger ist schwer heroinabhängig - Erster Drogenkontakt mit 15 Jahren
Nach der Haft in Therapie

Weiden. (rns) "Bei intravenös konsumierenden Süchtigen sind ambulante Therapien für die Katz", berichtete Dr. Thomas Wenske, der stellvertretende Leiter der Forensischen Kliniken Erlangen, am Freitag vor der Ersten Großen Strafkammer. 96 Prozent der Kurzzeit-Therapierten würden in den folgenden fünf Jahren rückfällig. Deshalb helfe bei schwer Heroin-Abhängigen, wie dem Angeklagten, nur eine stationäre Langzeittherapie im Maßregelvollzug. 24 Monate seien dafür nötig.

Die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus ordneten Landgerichtspräsident Walter Leupold und Richter Dr. Marco Heß daraufhin im Urteil auch an. Sie verurteilten den 40-jährigen Angeklagten zu fünf Jahren. Dies bedeutet, dass er noch ein knappes Jahr einsitzen muss und dann die Therapie antreten kann, nach deren erfolgreicher Beendigung er auf Bewährung entlassen wird.

Vor über einem Jahr war der Angeklagte, aus Tschechien kommend, bei Waldsassen kontrolliert worden. Den Beamten der mobilen Kontrollgruppe des Zolls war er kein Unbekannter. Er gab auch gleich zu, jenseits der Grenze Crystal konsumiert zu haben. Die körperliche Durchsuchung ergab, dass er sich ein Kondom mit fast 70 Gramm Methamphetamin in den Darm eingeführt hatte. Ein Arzt förderte es zutage.

Absturz vor zehn Jahren

Seither saß der gelernte Groß- und Einzelhandelskaufmann in Strafhaft. Denn er hätte sich just am Tattag in der Justizvollzugsanstalt zum Haftantritt melden müssen, da eine Bewährungsstrafe widerrufen worden war. Seit seinem 15. Lebensjahr konsumiere er Drogen, hatte der zuletzt Arbeitslose dem Sachverständigen berichtet. Zuerst Haschisch und Marihuana, später Amphetamin und schließlich Kokain und Heroin. Vor zehn Jahren sei dann der "völlige Absturz" erfolgt.

An jenem Tag im Januar letzten Jahres habe er nirgends in Regensburg mehr Heroin bekommen. Also habe er beschlossen, sich Crystal aus Tschechien zu holen, welches die Entzugserscheinungen mildern könne. Einen Teil habe er selbst konsumieren wollen, einen anderen Teil gegen Heroin eintauschen.

Das Eintauschen sei auch eine "gewinnbringende Weiterveräußerung", weshalb der Angeklagte neben Rauschgifteinfuhr auch wegen -handels zu verurteilen sei, stellte Staatsanwalt René Doppelbauer fest. Er hielt dem vier Mal wegen Rauschgift und damit zusammenhängender Beschaffungskriminalität Vorbestraften sein Geständnis zugute, kreidete ihm aber die große Menge an, die er einzuschmuggeln versuchte.

Verteidigung: vier Jahre

Doppelbauer beantragte fünfeinhalb Jahre und die Einweisung in eine Drogentherapie. Verteidigerin Claudia Schenk (Regensburg) plädierte auf vier Jahre, was ihrem Mandanten die Chance eröffnet hätte, sofort seine Therapie anzutreten.
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