42 Kinder im Doppelpack

Die Buben hatten 2014 ihre Näschen vorn: 53 Prozent der in Weiden geborenen Babys waren Jungs. Zwei Mal kamen Drillinge zur Welt. Naturgemäß zu früh und mit geringem Geburtsgewicht. Genau für derartige Fälle ist das Perinatalzentrum Nordostbayern gedacht.

Weiden. (ps) Das Klinikum Weiden und die Klinik St. Marien in Amberg haben sich zu dieser Einrichtung zusammengeschlossen. "Das Perinatalzentrum Level 1 muss unbedingt erhalten bleiben", betont der Weidener Oberarzt Dr. Karl-Heinz Mark. Immerhin 19 Babys unter 1250 Gramm - und damit der entscheidenden Grenze für ein Perinatalzentrum - wurden 2014 in Weiden geboren.

Die betroffenen Frauen müssten sonst alle nach Regensburg. Das wäre schon für die werdenden Mütter aus dem Raum Weiden-Neustadt-Tirschenreuth umständlich. "Außerdem haben wir zunehmend Mütter aus Marktredwitz und Selb, die wegen Geburtsterminen unter 34 Wochen zu uns kommen oder hierher verlegt werden." Die hätten noch weitere Anfahrten zu bewältigen.

1209 Kinder kamen im vergangenen Jahr in der Weidener Frauenklinik zur Welt, darunter 42 Mal Zwillinge und zwei Mal Drillinge. Das sind 22 Babys mehr als 2013. Damals gab es keine Drillinge, und "nur" 28 Zwillinge. Immerhin 81 Kinder - das sind 6,7 Prozent - galten 2014 als Frühchen, das heißt, sie kamen vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche zur Welt.

26. Woche - und alles gut

"Die meisten Sorgen bereiten den Neonatologen Kinder unter 1500 Gramm", erklärt Dr. Mark. "Das waren 31 Babys, davon hatten 19 Kinder weniger als 1250 Gramm und davon wiederum 15 Neugeborene sogar unter 1000 Gramm." Nicht in jedem Fall ist das Neugeborene gesund. "Wenn ein Kind unter der 28. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommt, steigt in der Regel die Sterblichkeitsrate stark an." Die Statistik belegt aber auch das Gegenteil: "Das jüngste Baby kam in der 26. Schwangerschaftswoche zur Welt. Dem Kind geht's gut", freut sich Dr. Mark.

Auch bei anderen Problemlagen kann der Mediziner Erfreuliches berichten: "Wir hatten im vergangenen Jahr 18 Beckenendlagen. Diese Kinder wurden auf normalem Weg geboren, nur mit dem Popo zuerst." Zu einem Kaiserschnitt - wie in solchen Fällen häufig üblich - kam es nicht. Viele Frühgeborene dagegen müssten mit Kaiserschnitt zur Welt geholt werden, gibt Dr. Mark zu bedenken. Mit einer Rate von 32 Prozent liegt Weiden hier knapp unter dem Bundesdurchschnitt von rund 34 Prozent.

Mehr gewichtige Buben

Insgesamt geht der Trend offenbar zu mehr Gewicht: 71 Jungen und 23 Mädchen brachten bei der Geburt mehr als 4000 Gramm auf die Waage. Dr. Mark schmunzelt: "Das zeigt, die Mädchen legen mehr Wert auf Normalgewicht." Was die Mütter betrifft, so verzeichnet das Klinikum hier weiterhin viele Erstgebärende, die bereits über 35 Jahre sind.

Mit "Social Freezing" - wie es aktuell diskutiert wird - hat das aber nichts zu tun. "Social Freezing" steht für die Möglichkeit, dass Frauen in jungen Jahren unbefruchtete Eizellen einfrieren lassen, um sich den Kinderwunsch in späteren Jahren zu erfüllen, wenn es Beruf und Partnerschaft erlauben. Die Firmen Apple und Facebook übernehmen dafür sogar die Kosten für ihre Mitarbeiterinnen und haben damit heftige Diskussionen ausgelöst.

Oberarzt Dr. Mark kann sich mit diesem Gedanken nicht anfreunden. "Als altgedientem Mediziner, der sich noch als Geburtshelfer versteht, widerstrebt mir die Vorstellung zutiefst, dass die Zeugung so mechanisch vorgenommen wird." Natürlich gelte diese Aussage nicht für Ehepaare, die unfruchtbar und damit auf künstliche Befruchtung angewiesen sind. Doch bei "Sozial Freezing" werde die Schwangerschaft praktisch nur noch von gesellschaftlichen Hintergründen gesteuert. Für Dr. Mark keinesfalls wünschenswert. "Ich bevorzuge das natürliche Zustandekommen einer Schwangerschaft. Das macht auch mehr Spaß und ist billiger."
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