600 Jahre "Nürnberger Brief": Jan Hus machte bei seiner Reise nach Konstanz Station in Weiden ...
Dogma wird zum Dilemma

Es geschah vor 600 Jahren. Am 24. Oktober 1414 schrieb der tschechische Reformator Jan Hus seinen "Nürnberger Brief" und skizzierte darin, wie er auf dem Weg zum Konzil in Konstanz auch durch die Oberpfalz kam. Jan Hus, noch immer ein Mann von europäischer Bedeutung, war nach Konstanz geladen worden, um in seiner Eigenschaft als christlicher Theologe, Prediger und Reformator seine Lehren beim Konzil zu verteidigen.

So zog er von Böhmen aus los und gelangte im Oktober des Jahres 1414 auf seinem Weg zum Bodensee auch in die Oberpfalz. Im "Nürnberger Brief", einem Dokument von historischer Bedeutung, schreibt Hus in der damals üblichen Sprache: "Von Christo Jesu wünsche ich euch alles guts. Wisset lieben Brüder, das ich niemals vermummt, sondern frey offentlich von dem tage an, da ich aus Bohemen gezogen, geritten bin." Von Tachov (Tachau) kommend, erreichte Hus "Bernaw" (Bärnau).

Aufenthalt in Weiden

Der Pfarrer und seine Helfer erwarteten ihn. Der Geistliche soll, so steht es in dem Brief, dem Reformator "eine große Kandel mit Wein verehret" und die Lehre des Jan Hus freundlich angenommen haben. Nach eingelegter Rast führte die Reise weiter nach "Neustad" (Neustadt) und "Wenden" (Weiden). Die Schreibweise ist aber offenbar falsch. Es hätte, so kann man dem Band "Weiden in der Literaturgeographie" von Berhard M. Baron entnehmen, "Weyden" heißen müssen. Aus Weiden ist folgender Satz überliefert: "Als wir durchzogen, sahen uns irer viel mit verwunderung an." Am 15. Oktober 1414 ritt Hus durch Kohlberg. Dort wurde dieser Tage eine Gedenktafel am evangelischen Gemeindehaus enthüllt. Auch "Sultzbach" (Sulzbach) bildete eine Station der langen Reise zum Konzil.

Von dort berichtet Hus in seinem "Nürnberger Brief", dass es Gespräche gegeben habe. Dabei sagte der Reformator: "Sehet, ich bin M. Johan Huß, von welchen ir one zweifel viel böses gehöret habt. Deshalb könnet ir jtzt obs war sey erfaren." Es sei lange geredet worden, lässt Hus wissen und schließt: "Haben sie alles mit danck angenomen." Der Weg des Reformators führte weiter nach Herßbruck (Hersbruck) und Lauff (Lauf), danach erreichten er und seine Begleiter Nürnberg. Das war am 22. Oktober 1414. Am 6. Juli 1415 starb Jan Hus in Konstanz auf dem Scheiterhaufen. Er hatte seine Lehren nicht widerrufen wollen. Von König Sigismund war ihm zuvor freies Geleit zugesichert worden.

Festspiele in der Oberpfalz

In der Oberpfalz erinnern zwei Festspiele an den tschechischen Reformator. In Bärnau (Kreis Tirschenreuth) gibt es das Theaterstück "Jan Hus", das zweisprachig in Deutsch und Tschechisch aufgeführt wird. Vor historischer Burgkulisse läuft seit vielen Jahren in Neunburg vorm Wald (Kreis Schwandorf) die Inszenierung "Vom Hussenkrieg". Sie schildert eine Begebenheit, die sich 1433 bei Hiltersried zutrug. Dort waren lange nach dem Tod von Jan Hus marodierende hussitische Truppen von Böhmen aus vorgedrungen, um Proviant zu machen. Ein von dem damals regierenden Pfalzgraf Johann in Neunburg zusammengestelltes Bürger- und Bauernheer schlug sie vernichtend.
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