Abwehr von Schwarz-Gelb

Riecht nicht so gut, aber vertreibt die Plagegeister. Weidener Gastronomen wissen sich mit Räucherwerk zu helfen. Bilder: Luber (2)

Gierig schwärmen sie über die Kuchen, laben sich an der Wurstplatte und ertrinken genüsslich in einem Glas Limo. Die Cafés in der Altstadt sind ein wahres Einfallstor für Wespen. Weidens Gastronomen packen ihre Wundermittel gegen die Störenfriede aus.

Eigentlich könnte alles so schön sein beim Kaffeekränzchen am Unteren Markt. Doch das Ganze endete diese Tage allzu oft in entnervtem Um-sich-Schlagen und Flucht ins Innere. Die Weidener Gastroszene hat ihre eigenen Tricks gegen die sommerliche Wespenplage. Besonders betroffen von den Tieren sind Cafés, die Kuchen und süßes Frühstück anbieten.

Marcello La Vita vom gleichnamigen Restaurant kann sich dagegen nicht beschweren. "Da gibt es mehr bei der Nachbarin. Nur wenn da viel Süßes am Tisch steht, kommen sie auch mal rüber." Im angrenzenden "Le Père" mit der reichhaltigen Kuchenauswahl lassen sie sich jedoch nicht lumpen angesichts der Wespen.

Verkokelter Kaffee hilft

An gut besuchten Tagen steigen dort auf allen Tischen kleine Rauchsäulen auf. Aus Alufolie bauen die Bedienungen kleine Schälchen, füllen sie mit Kaffeepulver und zünden sie an. Brennen würde das nicht, nur qualmen, beruhigt die Bedienung Sina Sekania. Die Gäste würde das Räucherwerk nicht vertreiben, alle Wespen jedoch auch nicht. "Aber besser als nichts." Drei Gäste wurden auch schon gestochen, doch auch dagegen haben sie das ultimative Heilmittel. "Zwiebeln und Eiswürfel", erklären die Bedienungen unisono.

Auch das "Edelweiß" ein paar Häuser weiter ist wespengeplagt. Dem Barkeeper hinterm Tresen dauert das schon viel zu lange. "Sonst waren das immer zwei Wochen, aber die sind ja schon Monate aktiv." Gegen die ungebetenen Gäste geht das Restaurant mit fanatasievollen Mitteln vor.

Kupfer ist Humbug

Am Schirm hängt eine Wespennest-Attrappe, damit die Tiere ihre Herberge lieber dort als auf den Tellern der Gäste suchen. Vorsorglich ist sie mit "Deko" beschriftet. "Damit die Leute nicht denken, da hängt eine vergessene McDonalds-Tüte", erklärt der Mann hinterm Tresen. Standard-Ausstattung ist außerdem auch das Kaffeepulver zum Selberanzünden auf jedem Tisch. "Hilft jedoch alles nichts", urteilt der Mitarbeiter. Für "Humbug und Mumpitz" hält er auch das Gerücht, dass Kupfermünzen die Plage abhalten. Als bestes Gegenmittel wirkt beim "Edelweiß" ein Ablenkungsmanöver. Auf Tischen weitab vom Publikumskern stellen sie Teller mit Honig und Fleisch. Hier laben sich die Wespen ungestört und lassen die anderen Gäste scheinbar in Ruhe. "Das ist das einzige, was funktioniert", beurteilt der Barkeeper die Extrawurst.

Auch der "Bräuwirt" bleibt nicht verschont. "Die Gäste schlagen um sich und flüchten zum Teil nach drinnen", erzählt Serviererin Petra Gebauer. Auch sie baut auf das Ablenkungsmanöver, indem sie ein Glas Apfelsaft auf der Theke platziert. Sowohl bei Tieren als auch bei Gästen scheint im "Bräuwirt" das Motto für mehr Zufriedenheit zu lauten: Einfach mehr trinken.

Nicht draufschlagen

Die Weidener Gastronomen wissen sich also zu helfen. Sie greifen zu Hausmitteln statt zur chemischen Keule. Die Vorsitzende vom Weidener Imkerverein, Erika Brandl, findet die Ablenkungs-Strategie mit Wespen-Schmankerln am sinnvollsten. "Das ist ein gutes Miteinander zwischen Mensch und Tier. Man sollte nicht auf alles draufschlagen, was fliegt. Immerhin sind die Wespen ein wichtiges Bindeglied in der Natur."

Der Sinn der Plagegeister erschließt sich nicht unmittelbar. Sie nerven und stechen. Bienen stechen zwar auch, aber immerhin halten sie das Ökosystem durch ihren Pollenflug aufrecht. Außerdem liefern sie Honig. Doch was nicht ausgebeutet werden kann, zerstört der Mensch wohl intuitiv. "Patsch" und weg ist das nutzlose Vieh. Doch die Imkerin verteidigt die Wespen: "Sie fressen Aas und das ist wichtig, dass das wegkommt. Sie sind die Gesundheitspolizei in der Natur." Wespen sind tatsächlich hervorragende Schädlingsbekämpfer. Für ihre Brutaufzucht jagen sie täglich bis zu einem halben Kilogramm Fliegen, Mücken, Spinnen und Würmer. Viele Wespenarten, darunter die Hornissen, stehen unter Artenschutz. Laut Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, sie ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzten oder zu töten. Und bald ist das Wespenjahr ohnehin vorbei. Im September verschwinden die Tiere und dafür kommt das nächste Ärgernis: Die Kälte. So gesehen, können die Viecher noch lange um die Kuchen rumschwirren.
Weitere Beiträge zu den Themen: August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.