Ärzte sagen im Prozess gegen 21-jährige Mutter aus - Aufmerksamkeit der Klinikärzte deckt ...
Babys empfinden die gleichen Schmerzen

Es war ein Fall, wie ihn die Hebammen, Schwestern und Ärzte im Kreißsaal nicht alle Tage erleben. Da wird eine junge Frau gebracht, weinend, Blut an der Jeans. Sie spricht von einem Abgang, den sie auf der Toilette erlitten habe.

Ein Belegarzt untersucht sie. Die 21-Jährige war schwanger, das steht außer Frage. Nur: In welcher Woche? Schon dieser Honorararzt, der am Samstag, 25. April, Dienst schob, wird stutzig.

Die junge Frau ist inzwischen am Landgericht Weiden des Totschlags an ihrem Neugeborenen angeklagt, zur Welt gebracht und erstickt auf einer Supermarkt-Toilette. Der Belegarzt ist in der Karibik unterwegs. Als "Arzt ohne Grenzen". Und so bleibt letztlich ungeklärt, warum er sich nicht schon am 25. April gegenüber den Kollegen mit seiner Meinung durchsetzte, das hier etwas faul war. Denn genau dieser Meinung war am Ende auch der Leitende Oberarzt der Geburtshilfe, als er sich am Montag die Patientin vornahm. Alles sprach dafür, "dass hier ein größeres Kind geboren wurde". Nur: Wo war das? Der Oberarzt rief die Polizei.

Der dritte Tag im Prozess gegen die 21-jährige Verkäuferin Steffi D. aus dem Landkreis Neustadt/WN ist am Montag der "Tag der Ärzte". Die Notärztin schildert die Auffindesituation mit dem Papierknäuel im Mund. Ein Kinderarzt führt neueste Erkenntnisse zum Schmerzempfinden bei Säuglingen aus. Ergebnis: Neugeborene empfinden Schmerzen ebenso stark wie ältere Menschen. Gerade Atemnot sei eine "furchtbar unangenehme Empfindung", wie er sie aus der Praxis von Kindern kenne, "die sterben müssen": "Wir behandeln das genauso wie Schmerzen mit Morphin."

Auch der Rechtsmediziner aus Erlangen spart nicht mit einer drastischen Schilderung des Todes durch Sauerstoffmangel. "Jeder, der schon einmal im Wasser nicht mehr hochgekommen ist, weiß, wovon ich spreche. Panik. Todesangst."

Zuschauerbänke voll

Der Schwurgerichtssaal ist nach wie vor mit Zuschauern - beinahe durchwegs Frauen - fast voll besetzt. Besonders in den Pausen geht es zu wie im Kaffeehaus. Parallel versuchen die Familienangehörigen, der 21-jährigen Angeklagten den Rücken zu stärken. Ein Verwandter: "Wir können sie doch jetzt nicht fallen lassen."
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