Alle in eine Richtung

Für die spezielle Busspur dürfte bald Endstation sein: Alle Fraktionen im Stadtrat sind dafür, Linksabbiegen von der Weigel- in die Bahnhofstraße zu ermöglichen. Bereits 2013 schrieb die CSU den Vorschlag auf ihre Wunschliste. (Bild: Hartl)

Die SPD war spät dran. Erst in der vergangenen Woche nahmen die Genossen das innerstädtische Verkehrskonzept von 2012 genauer unter die Lupe. Wesentlich früher diskutierte die CSU das Werk. Deren Verkehrsexperten fällt auf: Viele ihrer damaligen Positionen vertritt jetzt auch die SPD.

"Als hätten die eins zu eins bei uns abgeschrieben." So wirkte es auf Hans Blum, als er vergangene Woche den NT-Artikel über die SPD-Fraktionssitzung las. Die Genossen hatten das innerstädtische Verkehrskonzept von Dr. Reinhold Baier (Aachen) studiert, diskutiert und daraus eigene Positionen erarbeitet. Und die, meint Blum, seien oftmals nahezu deckungsgleich mit denen der CSU. Nur war die früher dran: Bereits im September 2013 widmete sich eine "Arbeitsgruppe Verkehr" bei einer Klausurtagung dem Gutachten. Die Ergebnisse hängten die Christsozialen allerdings nicht an die große Glocke - wichtiger war damals der Wahlkampf.

Dass die SPD nun bei einigen Vorschlägen gleicher Meinung ist - das kann natürlich auch nur daran liegen, dass es sich um ziemlich sinnvolle Empfehlungen Baiers handelt. In der Konsequenz bedeutet das: Einige Vorhaben haben bereits genügend politische Rückendeckung, sind quasi "durch". Zum Beispiel, dass künftig Linksabbiegen von der Weigel- in der Bahnhofstraße möglich sein und dafür die Busspur aufgelöst werden soll. Wichtig wäre das vor allem, wenn im Sommer die durchgehende Fußgängerzone zum Tragen kommt, sagt Blum. Ob die Schiller- und die Bahnhofstraße den zusätzlichen Verkehr verkraften können - der CSU-Mann ist da eher skeptisch.

Radspuren ausbauen

Mit der neuen Lösung an der Einmündung Bahnhof-/Weigelstraße können sich offenbar auch die Grünen und die Bürgerliste anfreunden, wie deren Fraktionsvorsitzenden Karl Bärnklau und Dr. Christian Deglmann durchblicken lassen. Bärnklau würde sogar noch einen Schritt weitergehen: Die Kreuzung Dr.-Pfleger-/Weigelstraße, meint er, könnte zum Kreisverkehr umgestaltet werden. Per Antrag zur Stadtratssitzung am 5. März wollen die Grünen ein anderes Projekt forcieren, das eigentlich längst verwirklicht sein sollte: Spezielle Spuren für Radfahrer in der Christian-Seltmann-Straße und auf dem Adolf-Kolping-Platz. Mehrheitlich beschlossen bereits im Juli 2013! Aktuell erneuerte die SPD diese Forderung, der sich auch CSU und BL nicht verschließen. Radfahrer und Fußgänger sollten in der Innenstadt gegenüber dem motorisierten Verkehr "leicht im Vorteil" sein, wünscht sich Bärnklau.

Nikolaistraße zweispurig

Um den Verkehrsfluss sorgt sich dagegen die CSU: Im Positionspapier von 2013 heißt es noch, die Sedanstraße solle "wie bisher belassen" bleiben. Blum will nicht verhehlen, dass er eine durchgehende "FuZo" ablehnt: Eine "weiche Separation" im Bereich Issy-les-Moulineaux-Platz hätte genügt. Sowohl "Schwarz" als auch "Rot" eint dagegen die Forderung, die Nikolaistraße stadteinwärts zweispurig auszubauen. Auch den "zentralen Fahrradparkplatz in der Altstadt", den die SPD anregt, notierte die CSU bereits vor eineinhalb Jahren auf ihrer Wunschliste. Ebenso den Ausbau der Querungshilfen für Fußgänger und das "Radwegenetz mit Schutzstreifen auf den Hauptverkehrsadern im gesamten Stadtgebiet".

Zusätzlich treten die Christsozialen für einen öffentlichen Fahrradverleih mit E-Bike-Ladestationen ein. Konsens herrscht nicht zuletzt beim ÖPNV: Alle Haltestellen sollen repräsentativ herausgeputzt, überdacht und mit Sitzgelegenheiten ausgestattet werden.
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