Alles muss raus

Seit fünf Jahren stillgelegt: Die Rolltreppe im ehemaligen Hertie, damals die erste in der Stadt. Sie diente nicht nur den Kunden zur bequemen Beförderung. Das Rolltreppenfahren war auch eine Attraktion. Kinder und Jugendliche trafen sich dort zur Freizeitgestaltung. Bilder: Götz

Noch einmal durch die ehemaligen Hertie-Räume schlendern, in Erinnerungen schwelgen. Uns ist es vergönnt. Wir dürfen nochmals ins Kaufhaus, das schon im August 2009 geschlossen hat. Für einige Wochen heißt es wieder, alles muss raus. Und diesmal wirklich alles.

Für die Region war's ein Großereignis, als Hertie am 30. September 1961 eröffnete. Die Kunden stürmten das Haus, das über 48 Jahre hinweg für die Einkaufsstadt Weiden stand. Heute verlieren sich sechs Bauarbeiter in dem fünfgeschossigen Gebäude. Sie sind leicht zu finden, wenn man dem Krach ihrer Maschinen folgt. Sie machen mächtig was los, düsen mit Mini-Bagger und Mini-Lader durchs Haus, nehmen dabei mit ihren wendigen Fahrzeugen auch mal die Treppe.

Die Nostalgie verfliegt schnell. Feiner Staub hängt in der Luft. Der Bauhelm drückt. Die Männer arbeiten mit Mundschutz und teilweise im Scheinwerferlicht. Der Strom ist längst abgeklemmt, die Beleuchtung abgebaut, ebenso die abgehängten Decken, die Rohre von Heizung und Lüftung. Das Erdgeschoss ist aus- und aufgeräumt. In den Geschossen darüber stapeln sich die Wertstoffe. Fein säuberlich getrennt, türmen sich Metalle, Kabel, Holz, Rigipsplatten. Das Material wird Container füllen. In dichten Bags verpackt wird Glaswolle geborgen, die hier überall zur Isolierung verwendet wurde.

Erstaunlich groß wirken jetzt die Flächen, weil keine Trennwände mehr den Blick verstellen. Im Dämmerlicht überraschend hoch, erscheinen die Geschosse, denen keine abgehängte Decke mehr die Höhe nimmt. Jawohl, die Verkaufsetagen im Hertie, das auch mal Karstadt und dann doch wieder Hertie hieß, sind nun, zurückgebaut auf den nackten Beton, beeindruckend groß.

Plötzlich bebt das Haus. Der große Kamin, der sich zwischen Aufzug und Treppenhaus an die Nordfassade schmiegt, gibt dem Druck des langen Auslegers am Abbruchbagger nach, stürzt krachend in die Tiefe. Die Abbruchexperten machen sich den Weg frei, um über Öffnungen in der Fassade die sortierten Wertstoffe auf kürzestem Weg aus dem Gebäude zu holen. Denn Zeit ist Geld.

Im vierten Obergeschoss, hier war die Verwaltung des Kaufhauses angesiedelt, sind die meisten Büros leer. Mobiliar, Reste der Ladeneinrichtung, ausgehängte Türen füllen zwei große Räume. Der Rest ist fertig für die Abbruchzange.

Im Juni werden auch außen die Abbrucharbeiten am Gebäude sichtbar werden, berichtet Philipp Hlousek, der für Fondara das Projekt betreut. Dann ist wirklich alles raus und die Vergangenheit des Gebäudes nur noch Geschichte.
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