Alles und jeden verraten

Sie kratzten an der Höchststrafe von 15 Jahren. Doch wegen ihrer Mithilfe bei der Aufklärung kam die "Phaeton-Bande" relativ glimpflich davon. Es blieben trotzdem bis zu achteinhalb Jahre Freiheitsstrafe.

Ganz deutlich sagten es Statsanwaltschaftsgruppenleiter Christian Härtl und später im Urteil auch Landgerichtspräsident Walter Leupold den beiden Hauptangeklagten (42 und 41) im "Phaeton"-Prozess: Ohne den "Paragrafen 31" - Mithilfe bei Aufdeckung und Aufklärung - wäre ihre Strafe weit höher ausgefallen. "X Mal vorbestraft, Rauschgifthandel mit Kilo-Mengen, unter laufender Bewährung" - das hätte gar "an der Höchststrafe von 15 Jahren gekratzt", so Härtl.

So durften die 8 und 25 Mal Vorbestraften und nach dem Gutachten von Dr. Bruno Rieder schwer Abhängigen froh sein, mit achteinhalb beziehungsweise fünfeinhalb Jahren Freiheitsstrafe davon gekommen zu sein. Nach einer gewissen Zeit kommen sie auf Drogentherapie.

Auch den anderen Angeklagten kamen ihre Geständnisse und eine gewisse Aufklärungshilfe zugute. Der zwei Jahre ältere Bruder des in Eschenbach geborenen Haupttäters bekam 21 Monate auf Bewährung. Ein 35-Jähriger aus Fürth 15 Monate, ebenfalls zur Bewährung. Und ein 60-Jähriger, in dessen Auto die Komplizen 200 Gramm Crystal zum Schmuggel verbaut hatten, wurde zu dreieinhalb Jahren verurteilt.

Wie bereits berichtet, hatten der 41- und der 42-Jährige Anfang September vergangenen Jahres 200 Gramm Crystal für 6000 Euro auf einem Vietnamesenmarkt in Tschechien erworben. Als sie auf der A 6 bemerkten, dass die Polizei sie verfolgt, flüchteten sie mit einem Phaeton mit hohem Tempo und warfen das Rauschgift aus dem Auto. Mitarbeiter der Straßenmeisterei fanden es kurz darauf. Eine Suche des "großen Bruders" und des in Rumänien geborenen Fürthers nach dem Rauschgiftball blieb erfolglos. Dafür konnten Zoll und Kripo nun aus Telefonüberwachungen erfahren, dass schnell Ersatz beschafft werden sollte. Sie fingen das Auto des 60-Jährigen ab.

Angst vor Repressalien

Nach ersten Geständnissen wurde in Nürnberg auch ein "Bunker-Fahrzeug", ebenfalls ein hochpreisiges Luxus-Auto, gefunden. Darin waren mehr als 1000 Gramm Methamphetamin versteckt. Die Verteidiger hatten durchwegs auf geringfügig kürzere Freiheitsstrafen plädiert. Rechtsanwalt Dominic Kriegel wies darauf hin, dass sein Mandant, der "alles und jeden verraten" hatte, um ein günstigeres Strafmaß zu erreichen, nun Angst vor Repressalien im Justizvollzug haben müsse. Ein Zollbeamter hatte berichtet, dass er 35 Mal ausgesagt hatte. Zuletzt habe der 42-Jährige sogar angefragt, was es ihm bringen würde, wenn er seine eigene Freundin "verkaufen" würde.

Kriegel führte auch das "erhebliche Vermögensopfer" seines Mandanten an. Die Luxusautos, zahllose Mobiltelefone und über 100 000 Euro auf Konten in Hamburg und anderswo waren von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden. Die Richter Leupold und Dr. Marco Heß sowie die beiden Schöffen folgten exakt Härtls Antrag.
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