Aloisius und das Sideboard

Den Dachstuhl des Alten Rathauses von 1539 baute Josef Hauer als Zimmerermeister maßstabsgetreu 1:15 nach. Am Tag des offenen Denkmals schwärmte er von den Fähigkeiten der Handwerker damals - so ganz ohne Computer und andere technische Hilfsmittel. Bild: Dobmeier

"Handwerk, Technik und Industrie": Unter diesem Motto stand am Sonntag der Tag des offenen Denkmals in Weiden. Das mag theoretisch klingen. Tatsächlich aber verstanden es diverse Handwerker, interessierten Ausstellungsbesuchern Denkmalschutz plastisch darzustellen.

Das Handwerk bildet oft die Grundlage für den Denkmalschutz. Deshalb organisierte die Untere Denkmalschutzbehörde mit Marlena Rößler und Jürgen Ederer eine Ausstellung mit denkmalerfahrenen Betrieben im kleinen Sitzungssaal des Neuen Rathauses. Die Beteiligten gaben dabei Einblicke in ihre Arbeit und stellten Verfahren vor, wie Denkmäler stilgerecht restauriert werden können.

Kirchenmalermeisterin Monika Müllner aus Vohenstrauß zum Beispiel zeigte die fachgerechte Restaurierung mit Mehrschichttechnik des Heiligen Aloisius aus der Manteler Pfarrkirche. Sie erklärte, wie viel Arbeitsschritte nötig sind für die Vergoldung des Mantels der Figur. Auch Marmorstrukturen an Säulen und Wänden gehören zum Arbeitsspektrum.

Die Arbeitsweise der Zimmerleute um 1539 erläuterte der Zimmerermeister Josef Hauer aus Parkstein am von ihm nach alten Aufzeichnungen nachgebauten Dachstuhl des Alten Rathauses von Weiden, sein 21. Modell. Er wies auf die großartige Leistung der Handwerker hin, die ohne Computer und technische Hilfsmittel dieses Meisterwerk vollbrachten.

Auch stilgerechte Verglasung spielt in der Denkmalpflege eine Rolle. Bei Isolierverglasung gäbe es zum Beispiel die preisgekrönten Fenster der Firma Zange. Sie verbinden hochwertige mundgeblasene Gläser mit der modernen Isolierglastechnologie. Dafür bekam die Firma 2012 den Bayerischen Staatspreis. Dieter Zange verriet, dass man das Verfahren verbessert hat, um speziell für Museen das Isolierfenster mit UV-Schutz anzubieten. Die Technik des Bemalens und der Herstellung von Butzenfenstern präsentierte Glas Schnappauf aus Floß. Glasmaler Alfons Stahl zeigte die aufwendige Herstellung eines Glasbildes - vom Mischen der Farben bis hin zum feinfühligen Auftragen. Michael Schnappauf erläuterte die Herstellung von Butzenfenstern. Der Antikhof Schönficht ergänzte mit Bildern seiner Arbeiten die Ausstellung. An einem alten Sideboard sah man, was eine gute Restauration vermag.
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