Alte Werte mit Hightech verbinden

Joachim Behrend ist Spezialist für Netzwerktechnik. Als neuer Kreishandwerksmeister sitzt er nun auch in der Schaltzentrale seiner Berufsvertretung. Was er dort neu einstellen will, erklärte er dem NT. Bild: sbü

Nicht nur das Handwerk muss sich ständig neu erfinden. Auch bei der Interessensvertretung ist viel im Fluss. Seit Ende Mai gibt es mit Joachim Behrend einen neuen Kreishandwerksmeister. Und er will einiges neu machen.

(sbü) Veränderungen bahnen sich an bei der Kreishandwerkerschaft Nordoberpfalz. Joachim Behrend, der neue Mann an der Spitze, erklärte schon bei seinem Amtsantritt zusammen mit dem ebenfalls neu gewählten Stellvertreter Josef Schlosser, dass sie "die Kreishandwerkerschaft Nordoberpfalz mit neuen Ideen fit machen wollen" (wir berichteten). Was genau, das erläuterten sie nun bei einem Gespräch in der Handwerkskammer. Dabei betont der Neue jedoch, die Veränderungen seien nicht gegen die Vorgänger gerichtet. Auch wenn es hier schon mit den Unterschieden losgeht.

Behrend kommt nämlich nicht mehr wie Vorgänger Karl Arnold aus einem traditionellen Handwerksbetrieb, sondern befasst sich als Elektroinstallationstechniker und Meister vor allem mit Telekommunikation und Netzwerktechnik. "Ich kenne alle Betriebssysteme der Datenverarbeitungstechnik von Anfang an, das ist ein Know-how, das ein Schwarzarbeiter bestimmt nicht hat", sagt er. Moderne Technik ist für Behrend auch das Stichwort für die aus seiner Sicht "zwingend erforderliche Imageverbesserung des Handwerks und der Handwerksberufe".

Gleichzeitig ist der neue Kreishandwerksmeister - Jahrgang 1964 - fast eine ganze Generation jünger als sein Vorgänger. Er stammt aus Kohlberg und führt dort einen eigenen Betrieb, den er 1998 von seinem Vater übernommen hat. "Neben meinen Repräsentationsaufgaben werde ich vorerst mindestens zwei Tage in der Woche in der Kreishandwerkerschaft in Weiden anwesend sein", kündigt er an. Dabei gelte: "Die Teamarbeit steht für mich im Vordergrund." So lobt er auch sehr die bisherige Arbeit von Geschäftsstelle und Geschäftsführung.

Stellvertreter einbinden

Repräsentationsaufgaben will Behrend nicht alle alleine wahrnehmen, sondern auf Stellvertreter und Vorstandschaft verteilen. "Alte Handwerkerwerte wie Respekt und Wertschätzung möchte ich auch in die Welt der modernen Technologie einbringen." Mit dem Mindestlohn habe er als Interessenvertreter des Handwerks überhaupt kein Problem. Denn mit Ausnahme der Frisöre lägen fast alle Handwerkerlöhne weit darüber. Außerdem sei dieser auch unter sozialen Aspekten wünschenswert, schließlich solle jeder von seiner Arbeit leben können.

Hier passt auch ein überraschendes Detail aus der Biografie des Handwerksmeisters: "Ich war bis vor kurzem Gewerkschaftsmitglied." Er habe bei Diehl und Philips gearbeitet, als Betriebsrat bei Philips sei er auch bei Sozialplanverhandlungen beteiligt gewesen. Danach klingt auch sein Credo: "Mitarbeiter sind keine Sklaven, sondern eine wertvolle Ressource."

Viel vorgenommen hat sich Behrend im Kampf gegen den Nachwuchsmangel im Handwerk. Dass dies eine Herausforderung darstellt, ist ihm aber bewusst, denn "die High-Tech-Betriebe nehmen uns Bewerber und Fachkräfte weg". Hinzu komme, dass Deutschland immer mehr ein Image als "Wissenschaftsland" bekomme. Dadurch meinten alle Eltern, dass sie ihre Kinder auf die Hochschule schicken müssten.

Seinen Kollegen Handwerksmeistern empfiehlt Behrend: "Geht in die Schulen, auch in die Gymnasien, und werbt persönlich für das Handwerk." Sich selbst bezeichnet er als "Wanderer zwischen zwei Welten". Beruflich habe er viel mit moderner Technologie zu tun. In der Freizeit dagegen sei er gerne in Ehrenämtern tätig, zum Beispiel auch im Geschichtspark Bärnau. Und das "Bogenschießen alter Art ist auch ein Hobby von mir". Was Behrend von der Politik fordert, wird demnächst ausführlich in der Premiumbeilage "Handwerk aktuell" zu lesen sein.
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