"Alter, das hat gebrannt"

Sie sitzen da, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Vier junge Männer, 20 bis 27, alles "waschechte" Weidener. Im Dezember haben sie aus lauter Jux und Tollerei das "Rocky-Docky- Haus" am Rehbühl mit Haarspray und Feuerzeug in Brand gesetzt. Davor zündeten sie in der Stockerhut ein Spielzeug-Polizeiauto an. Warum? "Das war einfach Blödheit."

Weiden. (ca) Nicht gerade hell war auch, dass die Vier die Haarspray-Dosen zuvor in nahen Tankstellen einkauften. Im Verkaufsraum probierten sie an Ort und Stelle, ob der Sprühstoß auch wirklich brennt. Alles ist "1 a" aufgezeichnet worden von den Videokameras der Tankstellen. Auf diese Weise kam die Kripo Weiden dem "Quartett infernale" auf die Spur, wie ein Kriminalbeamter im Zeugenstand berichtet.

Nach achtstündiger Verhandlung kommen drei Angeklagte mit einem blauen Auge davon: Das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Otmar Schmid verhängt Bewährungsstrafen von 21 bis 23 Monaten. Die zahlreich vertretenen Freunde und Angehörigen im Zuhörerraum quittierten das mit Erleichterung. Sechs Monate waren sie in U-Haft. "Ich will zu meiner Familie", sagt einer.

Nur der Vierte und Jüngste bleibt in Haft. Dem zur Tatzeit 19-Jährigen werden seine sieben Vorstrafen zum Verhängnis. Zwei Wochen vor der Brandstiftung war er wegen gefährlicher Körperverletzung zu 1 Jahr und 10 Monaten Jugendhaft verurteilt worden. Drei Tage vor dem Feuer hatte er an einem Taxistand schon wieder zugeschlagen. Die alte Strafe und diese Körperverletzung flossen in das Urteil ein: 3 Jahre Jugendstrafanstalt. Das Gericht blieb damit nur in diesem Fall deutlich unter den Anträgen des Staatsanwalts Peter Frischholz, der auf 3 Jahre und 10 Monate plädiert hatte. Verteidiger Dominic Kriegel wollte für seinen Mandanten - den einzigen Heranwachsenden - 2 Jahre 6 Monate.

Gerettet hat alle Vier ihr umfangreiches Geständnis. Wie jeden Abend hatte man sich am 15. Dezember zwei Kasten "Tegernseer" besorgt, die im Laufe der Nacht geleert wurden. Macht für jeden "8, 9 Halbe". Kein Problem damals: "Das hatten wir zu der Zeit täglich so gemacht." Das Gericht sah daher zwar alkoholbedingte Enthemmung, aber keine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit.

Mini-Polizeiauto entflammt

Gegen 1.40 Uhr zogen die Angeklagten um die Häuser. "Aus Spaß" ließen sie auf der Kreuzung Stockerhutweg/Fehrstraße ein etwa 30 Zentimeter großes Mini-Polizeiauto in Flammen aufgehen. Es folgte ein Papiercontainer am Kindergarten Kreuz Christi, ebenfalls mit Feuerstößen aus der Haarspraydose entflammt. Der evangelischen Gemeinde entstand durch die verrußte Fassade ein Schaden von 2770 Euro. "Nur durch einen Zufall hat der Dachstuhl kein Feuer gefangen", sagt der Staatsanwalt. Zwischen allen Taten tankten die Angeklagten ein paar Helle und holten bei der Tanke Nachschub an Haarspray.

Der Älteste im Bunde, 27, hatte dann die Idee mit dem gruseligen Abrisshaus in der Rehbühlstraße 50, das seit Jahrzehnten leer steht. Türen und Fenster gibt es dort schon lange nicht mehr. Mit einer Handy-Taschenlampe suchte er zumindest noch die Räume ab, "ob da Junkies oder Obdachlose drin sind". Alle - bis auf den 27-jährigen Ideengeber - steckten dann mit Gasstößen und Feuerzeug ein altes Sofa an.

"Alter, das brennt", dachte sich schon im Weglaufen der 21-Jährige. Als das Martinshorn heulte und Blaulicht den Rehbühl beleuchteten: "Da haben wir uns schon gedacht, was wir da für eine Scheiße gebaut haben." Ein "Riesenblödsinn", pflichtet der 27-Jährige bei, "hochgeschaukelt in Gruppendynamik."

Staatsanwalt Frischholz ist den Tatort abgeschritten: Sieben Meter sind es bis zum nächsten Haus, einem bewohnten Mehrfamilienhaus. Ein Brandsachverständiger des LKA mildert das etwas ab: "Aus 30 Jahren Erfahrung kann ich sagen: Bei einem frei stehenden Einfamilienhaus greift der Brand in der Regel nicht auf Nachbarhäuser über."

Der Schaden ist von Anwälten der Eigentümergemeinschaft auf 30 000 Euro taxiert worden. Anwalt Dr. Gunther Haberl spricht von einer "Ruine". Selbst der Staatsanwalt setzt am Ende nur 10 000 Euro an. Ein Miterbe der Eigentümergemeinschaft, ein Physiker (61), erklärt als Zeuge, seit wann und weshalb das Haus seit 1992 leer stand.
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