Altötting-Krimi mit Spuren nach Weiden

Da hatte Margarete Miller (Mitte) die Hauptrolle: Im Februar 2013 feierte die Oberpfälzerin den 85. Geburtstag. Mit der "Schicksalscombo" trat dabei Anton Leiss-Huber (Zweiter von links) auf, welcher der Seniorin jetzt eine Nebenrolle in seinem ersten Roman verschafft hat. Ebenso wie seiner Sänger-Kollegin Anna Kathrin Stahl (links). Bild: Frischholz
Es ist oft so, wenn irgendwo etwas passiert in der Welt: Oberpfälzer sind nicht weit. Zum Beispiel in Altötting. Da wird der alte Bichler-Wirt ermordet in der Kirchenbank aufgefunden. Der Mann sitzt inmitten einer Pilgergruppe - aus Weiden. Drei ihrer Mitglieder sind namentlich bekannt: Kathrin Anna Stahl , ihre Mutter Roswitha und Margarete Miller . Alle drei gibt es wirklich. Der Mord dagegen ist frei erfunden. Anton Leiss-Huber bringt mit dem Todesfall sein Roman-Debüt in Fahrt: "Gnadenort", einen humorvollen Heimat-Krimi. Am 6. Februar erscheint er bei Ullstein.

"Für mich war's klar, dass die drei Oberpfälzerinnen reinmüssen", erzählt der Autor. Kathrin Anna Stahl, Schauspielerin und Regisseurin, kennt der Oberbayer seit dem Studium. Zusammen singen sie bei der "Schicksalscombo". Nicht das einzige gemeinsame Projekt: Für Stahls Film "Letzte Ausfahrt Weiden-Ost" (2011) stand Leiss-Huber vor der Kamera - ebenso wie Margarete Miller, die er auf diese Weise kennenlernte. Zu deren 85. Geburtstag im Februar 2013 trat die "Schicksalscombo" in Irchenrieth auf. Leiss-Huber übergab der alten Dame sein "Gnadenort"-Manuskript: "Sie war meine erste Testleserin."

Wie die Seniorin ihre Nebenrolle fand? "Ich beschreibe sie als etwas schwerhörig, was ihr nicht gefällt", räumt der Autor ein. "Sie hat mich darauf hingewiesen, dass sie ausgezeichnet hört. Sehen würde sie nicht mehr so gut, aber hören immer noch nahe an der Perfektionsgrenze." Gar als Lektorin betätigte sich Kathrin Anna Stahl, Leiss-Hubers Wohnungsnachbarin in München. "Sie musste das Buch gleich mehrmals lesen. Bis sie meinte, es wird nicht mehr besser." Zudem war die gebürtige Weidenerin eine wichtige Ideenlieferantin: Als Kind, so hatte sie Leiss-Huber erzählt, habe sie immer von Weiden nach Altötting wandern müssen.

Der Autor selbst war 1980 im Wallfahrtsort geboren worden und auch dort aufgewachsen, "katholisch verbrämt", wie er anmerkt. Das unterscheide seinen von anderen Altötting-Krimis, betont er: "Ich weiß, wie es dort wirklich ist. Ein toller Schauplatz: die Pilger, die Devotionalien, 20 Messen am Tag, das Glockengeläut ..." Ein Urteil über Gläubige oder Nichtgläubige fälle er in "Gnadenort" jedoch nicht.

Dass Anton Leiss-Huber sein Debüt gleich bei Ullstein veröffentlichen kann, dem Heimatverlag von Bestseller-Autoren wie Nele Neuhaus, kommentiert er mit einem Wort: "Wahnsinn". Zeitgleich kommt die Audio-Buch-Fassung heraus, die der Autor - hauptberuflich Sprecher beim Bayerischen Rundfunk - natürlich selbst eingelesen hat. Sechs Stunden "Gnadenort" an drei Tagen - ein Marathon für Leiss-Huber. Noch bevor der Roman erscheint, reist der Autor nach Berlin: Der Verlag will eine Fortsetzung. "Es soll eine Serie draus werden."

Die "Weiden-Connection" spielt weiterhin eine wichtige Rolle im Leben des Oberbayern. Mit Kathrin Anna Stahl ist er am 1. Februar um 19.45 Uhr in der Sendung "Brettl-Spitzen" im Bayerischen Fernsehen zu sehen - eine "Volkssängerrevue" aus dem Hofbräuhaus. In der Reger-Stadt selbst tritt das Duo mit der "Schicksalscombo" wieder bei den Sommerserenaden auf. Dort begann 2012 die steile Karriere des eigenwilligen Ensembles. Vielleicht kommt es ja vorher noch zu einem Solo für Leiss-Huber: Möglich, dass der Altöttinger für eine Lesung nach Weiden pilgert.
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