Amtsärzte und BRK-Ärzte übernehmen Gesundheitscheck bei Flüchtlingen
Vom langen Marsch "kaputt"

(ca) Müde, manchmal erkältet und "vom langen Marsch einfach kaputt". So beschreibt Dr. Thomas Holtmeier, Leiter des Gesundheitsamtes, die Verfassung der ankommenden Flüchtlinge in den Notunterkünften in Weiden und im Landkreis. "Ansonsten ist der Gesundheitszustand eigentlich relativ gut."

Die vier Amtsärzte nehmen in den Hallen "Kurzscreenings" vor, sofern das nicht schon andernorts erfolgt ist. Unterstützt werden sie dabei von freiwilligen Ärzten des Roten Kreuzes unter Federführung des BRK-Chefarztes und Allgemeinarztes Dr. Gerhard Wührl. Bei den Screenings wird die Temperatur gemessen. Es erfolgt eine orientierende Sichtung und eine Abfrage mit einer Symptom-Karte. Verständigungsprobleme sieht Holtmeier nicht: Sehr viele sprächen Englisch. "Und wenn nicht, findet sich immer einer, der übersetzt."

Bei Flüchtlingen, die hier bleiben und nicht in andere Bundesländer weitergebracht werden, erfolgt zusätzlich eine "Gesundheitsuntersuchung nach dem Asylverfahrensgesetz". Sprich: Die Neuankömmlinge werden körperlich untersucht. Es wird Blut abgenommen und im Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit auf HIV und Hepatitis B getestet. Die Ergebnisse liegen in Bayern für HIV bei 0,76, für Hepatitis bei 4 Prozent. "Da muss sich keiner Sorgen machen, diesen Prozentsatz gibt es auch in der Normalbevölkerung." Schließlich erfolgt noch bei jedem Flüchtling eine Röntgenuntersuchung auf Tuberkulose.

Die Untersuchungen seien eine "erhebliche Belastung" für das Gesundheitsamt, so Holtmeier: "Aber wir schaffen das. Wir kratzen innerhalb des Hauses die personellen Kapazitäten zusammen." Zudem hat er schon eine kleine Liste von Ärzten, die angerufen haben und freiwillig helfen würden. Ein "gutes Gefühl".

Durch die Weidener Notunterkunft in der Berufsschulturnhalle sind inzwischen über 500 Flüchtlinge geschleust worden. Manche waren vorher schon in anderen Einrichtungen. Andere Busse kamen direkt von der Grenze. "Momentan sind wieder viele Kinder dabei." Es gebe jahreszeittypisch Erkältungen, vereinzelt Durchfall, aber die Kinder seien "jetzt auch nicht mordsmäßig krank".

"Die Flucht fordert ihren Tribut." Holtmeier berichtet von entzündeten Blasen, Prellungen, unbehandelten Knochenbrüchen. In einigen Fällen wurden Flüchtlinge zur Abklärung ins Klinikum gebracht, darunter routinemäßig die Schwangeren. Ansonsten helfen Wärme, Essen und viel Schlaf: "Wir bemerken, dass die Lebensgeister rasch wieder erwachen."
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