An der Nase herumgeführt

Schön ist anders, sagen die Stadträte. Schon einen Tag nach der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses begannen die Bauherren mit dem Rückbau ihres überdimensionalen Gartenzauns, den sie ohne Genehmigung rund um ihr Grundstück in der Berliner Straße errichtet hatten. Bild: Steinbacher

Die Bauherren igeln sich ein - und bringen damit den Bauausschuss aus dem Häuschen. Und: Sie warteten nicht erst auf eine Entscheidung der Stadträte, sondern bauten munter drauf los. Das Ergebnis ist ein "Ausbund an Hässlichkeiten": ein 1,95 Meter hoher Zaun aus Lärchenholz-Lamellen, Gabionen und Stahlstützen.

Für die Stadträte ist die Wand ein Schwarzbau, nicht genehmigungsfähig, da der Bebauungsplan nur Einfriedungen bis 1,20 Meter zulässt. Um eine Ablehnung zu vermeiden - sogar ein Totalabbruch stand im Raum -, vermieden sei eine Abstimmung, baten die Verwaltung um vermittelnde Gespräche mit den Bauherren. Mit ihr gingen auch Stadträte vor Ort, um einen Kompromiss zu finden, der - nach langer Diskussion im Bau- und Planungsausschuss - eine Mehrheit fand.

Bis dahin war's ein weiter Weg. Denn Veit Wagner (Grüne), Karl-Heinz Schell (SPD) und Stefan Rank (Bürgerliste) fühlten sich von dem Bauwerber "mehr als nur an der Nase herumgeführt". Sie hielten nichts von dem Bauwerk, das Rank als "Hochwasserspundwand" bezeichnete. "Wenn wir hierfür eine Mehrheit finden, verstehe ich den Bauausschuss nicht mehr." Er sehe keine Möglichkeit, "dieser Scheußlichkeit" abzuhelfen. Während die Stadträte versuchten, dem Bauherrn zu helfen, stelle dieser sie vor vollendete Tatsachen. "Wenn wir das zulassen, können wir jeden Bebauungsplan in die Tonne treten." Wer die Stadträte vorführe, dürfe kein Wohlwollen erwarten. "Wer sich das gefallen lässt, hat ein zu weiches Fell."

Potthässlich

Auch Hildegard Burger und KarlHeinz Schell (beide SPD) klagten, dass sich die Bauherrn an keine Vorgaben hielten. "Ich habe kein Verständnis für diese Wand. Sie wertet das gesamte Baugebiet ab", betonte Burger. Schell sprach sich für die komplette Beseitigung aus. Als "potthässlich" wertete Josef Gebhardt (SPD) die Einfriedung, die für so viel Zwietracht sorge. Sie überschreite die Vorgaben des verbindlichen Bebauungsplanes, an den sich alle Nachbarn orientiert hätten. Das Vorpreschen des Bauherrn sei "Unvernunft, die man nicht überbieten kann".

Den Weg zu einem überraschenden Kompromiss wiesen Alois Schinabeck (SPD)) und Alois Lukas (CSU). Schinabeck berichtete vom Ortstermin und betonte, dass ein Kompromiss gefunden wurde. Der Verwaltungsvorschlag stimme aber nicht mit dem vereinbarten Vorgehen überein. Es sei unter anderem vorgesehen, die gesamte Zaunanlage um rund 40 Zentimeter zu kürzen und "von hinten her" mit überhängenden Rankgewächsen zu begrünen. Zugleich sollen die Bauherren ein angrenzendes, städtisches Grundstück bepflanzen und pflegen. Damit war die Mehrheit der Stadträte schließlich einverstanden.

Schinabeck wartete auch mit einem "Bonmot" auf: "Kleine Sünden bestraft der Herr sofort: Der Bauherr hat sich beim Befüllen der Gabionen die Hand gebrochen."

"Leute, wir sollten die Kirche im Dorf lassen", forderte Alois Lukas. Die Bauherren seien ja zum Rückbau bereit. In ein paar Jahren sei die reduzierte Wand im Grün eingewachsen. Die bayerische Bauordnung lasse Zaunhöhen bis zwei Meter zu. Auch Burger erinnerte an den beschlossenen Teilabbruch. Rank zeigte sich wiederum verwundert über die "schon bemerkenswerten Klimmzüge der Kollegen", die von den Bauherren vorgeführt worden seien.
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