Angst bei jedem Geräusch

Die Sachwerte sind oft nicht so sehr das Problem, sondern die psychische Komponente.

Neun Mal in weniger als 48 Stunden: So oft versuchten sich vergangene Woche Einbrecher im Stadtgebiet. Eine Betroffene schildert, was das für eine Familie, insbesondere für Kinder, bedeutet.

Es ist das blanke Chaos hinter der aufgebrochenen Wohnungstür: "Alle Schränke ausgeräumt, alles am Boden verstreut", erzählt die Frau. Als die Beamtin am Donnerstag nach der Arbeit nach Hause kommt - ihr dreijähriges Kind auf dem Arm -, ist in ihrer Wohnung in der Fußgängerzone nicht mehr viel da, wo es eigentlich sein sollte. Ein Einbruch. Die Frau nimmt ihr weinendes Kind und verschwindet sofort wieder aus der Wohnung. Wartet auf die Polizei, die gerade dabei ist, noch einen anderen Einbruch aufzunehmen.

Die junge Familie aus der Innenstadt hat es vermutlich am schlimmsten getroffen. Sie ist aber bei Weitem nicht die einzige, die vergangene Woche innerhalb kurzer Zeit ungebetenen Besuch bekam: Zwischen Donnerstag, 1 Uhr, und Freitagmittag machten sich Unbekannte neun Mal zu den unterschiedlichsten Tageszeiten im Stadtgebiet an Türen zu schaffen, wobei es meistens bei Einbruchsversuchen blieb (wir berichteten). Die Polizei zeigt sich alarmiert: Das sei vermutlich "keine zufällige Häufung", auch "ist der Beginn einer Serie nicht auszuschließen", sagt Günther Burkhard, Sprecher der Weidener Inspektion (PI). Wobei die Erkenntnisse bislang noch vage sind.

Damit sich das ändert, ist die Polizei auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Das gilt sowohl präventiv, wenn man zum Beispiel im Haus etwas Seltsames bemerkt: "Lieber einmal zu oft als einmal zu wenig mit der Polizei in Verbindung setzen", rät Burkhard. Aber auch nachträglich, wenn jemand etwas Verdächtiges beobachtet hat (Telefon 0961/401-321): "Das ist für uns wahnsinnig wichtig."

Tatsächlich gehören Wohnungseinbrüche zu den Delikten, bei denen es die Polizei oft schwer hat, Täter zu ermitteln. 2013 lag die Aufklärungsquote im Bereich der PI Weiden bei 30,6 Prozent. Im überregionalen Vergleich ist das laut Burkhard zwar recht hoch. Für das Jahr 2014, für das noch keine offiziellen Zahlen vorliegen, dürfte die Quote aber niedriger sein. Gleichzeitig steigt die Zahl der Einbrüche. 2013 waren es im PI-Bereich 36 Fälle und damit 10 mehr als im Jahr davor. Für 2014 erwartet die Polizei einen erneuten Anstieg, wenn auch keinen so starken. Wobei, auch das betont Burkhard, im bayernweiten Vergleich die Steigerung in der Oberpfalz und Weiden noch vergleichsweise gering sei. Trotzdem seien Einbrüche für die Weidener PI schon länger ein zentrales Thema. "Das dürfen wir nicht verharmlosen." So berate Dieter Melzner von der Kripo Bürger - vor allem auch zum technischen Einbruchsschutz (Telefon 0961/401-0). Und auch auf die jüngsten Fälle habe die Inspektion reagiert, die sichtbare Präsenz, vor allem im Innenstadtbereich, erhöht.

Am Wochenende wurden zwar keine weiteren Einbrüche bekannt. Aber sollten doch noch Fälle dazukommen, werde die PI noch zusätzliche Maßnahmen einleiten, kündigt Burkhard an. Schließlich seien Einbrüche nicht irgendein Delikt, selbst wenn der materielle Verlust für Betroffene häufig nicht einmal so groß ist: "Die Sachwerte sind oft nicht so sehr das Problem, sondern die psychische Komponente."

Das hat auch die junge Familie aus der Fußgängerzone erfahren. "Es ist schon komisch, wenn jemand an deinen Sachen war", berichtet die Beamtin. Wobei sie zumindest vergleichsweise gut darüber hinwegkomme. "Viel schlimmer ist das für ein Kind. Das traut sich jetzt nicht mehr allein ins Zimmer und versteckt sich bei jedem Geräusch." Bei ihr selbst, sagt die Mutter, überwiege deshalb gar nicht mal der Schreck. Inzwischen sei sie vielmehr "vor allem wütend".

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/einbruch
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