Anneliese Hubmann wartet auf den Festnetzanschluss
IP-Anschluss mit langer Leitung

Seit 5. Dezember warten sie und ihr Mann Georg vergeblich auf den neuen IP-Festnetzanschluss der Telekom. Die Weidener Eheleute sind stark sehbehindert. Das Telefon stellt für sie deshalb eine wichtige Verbindung zur Außenwelt dar.

Weiden. (ps) "Fehler sind menschlich", zeigt die 76-Jährige Verständnis dafür, dass bei einer Telefonumstellung auch mal etwas schief gehen kann. "Aber mehr als sechs Wochen ohne Telefon, das ist schon eine Unverschämtheit. Ich weiß auch nicht mehr, was ich noch unternehmen könnte, damit sich endlich etwas tut."

Über 6 Wochen Wartezeit

Immerhin zieht sich das Projekt IP-Anschluss für Telefon und Internet für die Eheleute jetzt schon weit über sechs Wochen hin: Erst war Anneliese Hubmann im Telekom-Shop am Unteren Markt, um ihren Anschluss umstellen zu lassen. Das Ehepaar möchte Internet und Telefon nämlich per Internet empfangen. "Einen Tag später kam dann ein Mann zu uns, hat sich mit einem Telekom-Ausweis vorgestellt und gesagt, dass wir ja einen Vertrag abschließen möchten. Das haben wir dann auch bei ihm getan, damit ich nicht noch einmal in den Shop fahren muss." Noch am gleichen Tag hat die Telekom bei dem Ehepaar angerufen, sämtliche Daten überprüft und angekündigt, dass der neue Anschluss am 5. Dezember freigeschalten werde.

Doch am 3. Dezember hatte das Ehepaar noch keinen Router erhalten. Anneliese Hubmann rief also bei der Telekom an. "Da hing ich 40 Minuten in der Leitung. Als ich endlich durchgekommen bin, hieß es, der Router ist schon unterwegs." In einem Punkt war die Telekom tatsächlich pünktlich. Am 5. Dezember, mittags, schaltete sie den alten Festnetzanschluss ab. Was fehlte, war der neue Router. Ein Anruf bei der Störungsstelle lief ins Leere. "Unser Nachbar hat sogar nochmal eine E-Mail an die Telekom geschickt. Aber es gab keine Reaktion."

Noch vier- bis fünfmal machte sich die 76-Jährige auf den Weg zum Telekom-Shop, was für sie recht umständlich ist, weil sie auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist. "Dort hat man mir dann einen Router mitgegeben. Unser Nachbar, der sich mit solchen Dingen auskennt, wollte ihn anschließen. Aber erst ging der Router nicht. Dann zeigte sich, das Kabel ist kaputt." Mit einem Kabel des Nachbarn hätte der Anschluss wohl funktioniert. Doch dafür wäre ein Code nötig gewesen, der eigentlich mit dem neuen Router per Post hätte kommen sollen.

Am 12. Dezember brachte Anneliese Hubmann den Router zurück, den sie im Telekom-Shop vorübergehend leihweise erhalten hatte. "Da hieß es, bei der Umstellung sei ein Fehler passiert." Unter einer von der Telekom zugesandten Rufnummer ertönte immer nur die Ansage "Diese Nummer ist uns nicht bekannt". Am 18. Dezember suchte die Weidenerin deshalb erneut den Telekom-Shop auf. "Die haben sich zwar immer bemüht, mich aber damals an den Vertreter verwiesen, bei dem ich den Vertrag abgeschlossen hatte. Doch der geht nicht ans Telefon."

Erneut sprang der hilfsbereite Nachbar ein, dem Anneliese Hubmann "gar nicht genug danken kann". Er fuhr tags darauf noch einmal in den Telekom-Laden, um den Fall zu klären. Daraufhin kam am 22. Dezember endlich der lang erwartete Router samt Codenummer. Doch der Anschluss funktionierte nicht. Der Nachbar fuhr wieder in den Shop und erfuhr: Der Anschluss muss noch freigeschaltet werden. Das sollte eigentlich zum 27. Dezember erfolgen. Jedoch: Die Eheleute Hubmann warteten wieder umsonst. Und das war bis zum gestrigen Montag (19. Januar!) der Fall.

Selbst die Intervention der NT-Redaktion brachte in diesem Fall keinen schnellen Erfolg, wie sonst üblich. Pressesprecherin Nicole Schmidt räumte lediglich ein, dass der Auftrag der Eheleute Hubmann aufgrund eines technischen Fehlers noch nicht abgeschlossen werden konnte. Der Kundenservice sei über die Dringlichkeit des Falles informiert. Das Ergebnis: Zwei SMS an Anneliese Hubmann am 15. und 16. Januar mit der Zusicherung, dass der Fehler behoben werde und der jeweils spätabends folgenden Mitteilung, die Reparatur werde am nächsten Werktag erfolgen.

Teuere Handy-Telefonate

Mittlerweile funktioniert zwar der Internetanschluss des Ehepaares. Beim Telefonieren ist Anneliese Hubmann aber immer noch auf ihr Prepaid-Handy angewiesen, was auf Dauer recht teuer kommt. Die Telekom hat dafür eine Entschädigung in Aussicht gestellt. Was den Telefonanschluss betrifft, bedauert Pressesprecherin Nicole Schmidt zwar die Umstände. Sie betont aber zugleich, dass die Telekom derzeit das weltweit größte IP-Umstellungsprojekt realisiere. "Das sind Millionen von Anschlüssen", gibt sie zu bedenken. "Und in 99 Prozent der Fälle geht alles gut."

Kein Trost für die Kunden, die wie die Hubmanns zu dem einen Prozent zählen, bei dem die Umstellung eben nicht klappt. Die müssen sich weiterhin gedulden. Und das findet Anneliese Hubmann nach so vielen Wochen "einfach unmöglich".
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