Anregung von Pfarrer Hans-Martin Meuß beim Volkstrauertag - Straße nach Hitler-Attentäter Georg ...
Gedenken an die Widerstandskämpfer

Der Wunsch von Pfarrer Hans-Martin Meuß stößt auf offene Ohren - bei Oberbürgermeister Kurt Seggewiß ebenso wie bei Bürgermeister Lothar Höher und CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch: Bei der künftigen Benennung von Straßen soll auch an die Widerstandskämpfer gedacht werden. Meuß selbst brachte bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag den Hitler-Attentäter Georg Elser ins Gespräch.

Nein, er habe nicht beabsichtigt, dieses Anliegen beim Volkstrauertag vorzubringen, versichert Pfarrer Meuß. Doch dann habe Bürgermeister Jens Meyer bei der Gedenkfeier das Stichwort gegeben. Denkmäler nicht für Schlachten und Kriege, sondern Denkmäler für die Opfer und für den Frieden habe Meyer in seiner Rede gefordert.

Sechs Jahre in Haft

"Da habe ich mich an Georg Elser erinnert, den Hitler-Attentäter, den kaum jemand kennt und der 1945, nur wenige Tage vor Kriegsende, nach sechsjähriger Haft ermordet wurde. Warum erinnert in Weiden niemand an den Schreiner, der am 8. November 1939 mit dem Bombenattentat auf Hitler versucht hatte, das Morden und Sterben in Europa zu beenden", fragt der evangelische Pfarrer.

Seit dem Jahr 2005 wirkt Hans-Martin Meuß in Weiden. Und seitdem wundert er sich, dass die Stadt Weiden mit dem Namen wichtiger Straßen immer noch an die großen Schlachten und Siege aus dem Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) erinnert: an die "ruhmreichen" Siege von Sedan, Weißenburg und Wörth. Als sehr wohltuend, so unterstreicht Meuß, habe er das offene Gespräch mit den Bürgermeistern Jens Meyer und Lothar Höher nach der Gedenkfeier empfunden. "Sie berichteten von den Diskussionen, die auch im Stadtrat über diese alten Straßennamen geführt wurden." So habe Höher erklärt, dass die alten Bezeichnungen bewusst unverändert bleiben. Sedan- und Wörthstraße münden in den Issy-les-Moulineaux-Platz. Sie führen damit von den Schlachten direkt zum Symbol der deutsch-französischen Aussöhnung, die durch die Partnerschaft zwischen Weiden und Issy gekrönt werde.

Auch Oberbürgermeister Kurt Seggewiß betont, dass die alten Straßennamen bleiben sollten. "Wir haben eine Verantwortung unserer Geschichte gegenüber. Und wir haben die 60-jährige Städtepartnerschaft mit Issy-les-Moulineaux." Die Anregung der Widerstandskämpfer und Opfer des NS-Regimes mit Straßenbezeichnungen zu gedenken, sei nicht neu. Sie werde Zug um Zug umgesetzt. "Wir haben erst vor kurzem den Hermann-Brenner-Platz geschaffen." Weitere Straßen oder Plätze sollen folgen.

Erklärungen liefern

"Das ist zwar eine wunderbare Interpretation für die Benennung des Issy-les-Moulineaux-Platzes, eine schöne Geste für die Partnerschaft. Nur, sie kennt keiner", betont Hans-Martin Meuß. Es sollten deshalb in den drei Straßen sowie auf dem Issy-les-Moulineaux-Platz Schilder mit den entsprechenden Informationen angebracht werden.

Dies sei vorbildlich, vergleichbar mit dem Zusatzschild in der Meiserstraße am Hammerweg. Anders als in anderen Städte sei die Meiserstraße beibehalten worden. Weiden verschweige nicht, dass der ehemalige Landesbischof Hans Meiser (1881 bis 1956) der evangelischen Kirche in Bayern vor und während des NS-Regimes wegen angeblicher antisemitischer Äußerungen nicht unumstritten war. "Das Problem mit der Meiserstraße hat die Stadt sehr aufgeklärt, modern und intelligent gelöst.

Die CSU will den Kreis der künftigen Namensgeber für Straßen in Weiden erweitern. Auch - und das ist die Anregung von Lothar Höher - auf Hans Beimler, den in Waldthurn aufgewachsenen kommunistischen Landtags- und danach Reichstagsabgeordneten, dem es 1933 gelungen war, aus dem Konzentrationslager Dachau zu fliehen. Beimler war 1936 in Spanien gefallen.
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