Anreize für bessere Medizin

Prominenz in der ersten Reihe des Ärztetages: unter anderem (von links) Gesundheitsministerin Melanie Huml, Ärztekammerpräsident Dr. Max Kaplan, die Moderatorin des Abends, Ursula Heller vom BR, und Ärztekammer-Vizepräsident Dr. Wolfgang Rechl. Bilder: sbü (2)

Über einen Begriff zu diskutieren, der nicht exakt definiert ist, fällt in der Regel recht schwer. Dennoch wurde bei der Auftaktveranstaltung zum 73. Bayrischen Ärztetag der Versuch unternommen, die Qualitätssicherung in der Medizin zu thematisieren.

(sbü) Hintergrund und Anlass ist ein Gesetzentwurf der Bundesregierung mit dem fast unaussprechlichen Namen GKV-Versorgungsstärkungsgesetz. Qualität in der Medizin soll belohnt werden. So lautet die deutsche Übersetzung des Hauptthemas "pay for performance" der Eröffnungsveranstaltung zum 73. Bayrischen Ärztetags in der Max-Reger-Halle.

Über das Ziel bestand Einigkeit, doch wie es erreicht werden kann, darüber gab es in der versammelten Ärzteschaft durchaus unterschiedliche Meinungen. Es wurde aber auch gefragt, ob es überhaupt zusätzlicher Anreize für mehr Qualität in der Medizin bedürfe. "Wir haben Qualität, und Qualität ist nicht messbar", sagte der Vizepräsident der bayrischen Ärztekammer, Dr. Wolfgang Rechl (Weiden).

Die Zwänge sind's

Und der Präsident der Bayrischen Landesärztekammer, Dr. Max Kaplan, stellte in der Podiumsdiskussion hierzu fest: "Es ist ein Denkfehler, dass mehr Motivation für Qualität notwendig ist, denn Qualität zum Wohl des Patienten ist die Selbstverpflichtung aus dem ärztlichen Ethos heraus". Allerdings schränkte Dr. Kaplan das dann auch wieder ein, als er sagte: "Ökonomische Zwänge zwingen uns Ärzte, auch ökonomisch zu denken. Deshalb sind wir Ärzte auch fremdbestimmt."

Zu den Plänen der Bundesregierung sagte Professor Dr. Georg Marckmann vom Institut für Ethik und Geschichte der Universität München: "Es gibt jetzt schon viele Fehlanreize durch Geld im Gesundheitswesen". Marckmann stellte infrage, ob finanzielle Anreize der richtige Weg seien, "die Qualität zu kriegen, die wir dem Patienten schulden". Für den Dachverband der Betriebskrankenkassen erinnerte Klaus Focke in der Diskussion an den "traditionellen Grundkonsens zwischen Krankenkassen und Ärzteschaft, Qualität zu erbringen - ohne nach Geld zu fragen". Dr. Christoph Veit vom Institut für Qualität und Patientensicherheit meinte dazu: "Über die Abschläge bei den Honoraren funktioniert es keinesfalls."

Gesundheitsministerin Melanie Huml stellte fest: "Wir dürfen nicht sagen, der oder die passen nicht in unsere Statistik." Für Huml ist die "Erreichbarkeit der ärztlichen Versorgung ein Qualitätsmerkmal".

Noch ein Institut

Die Diskussionsrunde war sich schließlich einig, dass es ohnehin schwierig sei, Qualität zu definieren, dass Patienten nicht selektiert werden dürften und dass vor allem der Arzt in der Verantwortung stehe. Fragezeichen wurden in der Runde auch bezüglich der Schaffung eines Qualitätsinstituts des Bundes für 16 Millionen Euro gesetzt.

Zu Beginn der Veranstaltung gab es Grundsatzreferate von Kammerpräsident Dr. Kaplan und Gesundheitsministerin Huml. Kaplan bedauerte, dass es "aufgrund von Unterfinanzierung zu einer enormen Arbeitsverdichtung in den Krankenhäusern kommt, welche zunehmend zulasten der Arzt-Patienten-Beziehung, der Qualität der Weiterbildung und der Attraktivität des Berufsbildes" gehe. Er sehe deswegen auch die Gefahr, "dass sich dadurch Behandlungsfehler einschleichen können". Huml gab einen Überblick über die bayerische Gesundheitspolitik und bedauerte, "dass im Gesundheitsfonds nach wie vor zu viele Mittel aus Bayern abfließen". Sie dankte den Ärzten für "den hohen Gesundheitsstand der Bürger" und dafür, dass "sie der Bevölkerung gegenüber Ebola-Ängsten Ruhe geben".

Unterhaltsam moderiert wurde der Abend von Ursula Heller vom Bayrischen Rundfunk. Das Klavierquartett Schröder bot Entspannung mit klassischer Musik.
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