AOVE-Wanderung zu mysteriösem Ort im Wald
Wetterdorf gefunden

So sieht es aus in Wetterdorf: die Wandergruppe in der sagenumwobenen Waldlichtung. Bild: gri
Es kann der Steinhaufen am Wegrand sein oder die Grube zwischen den Bäumen: Überall im Landkreis finden sich Spuren untergegangener Dörfer. Zu einem besonders mysteriösen Ort machte sich eine Gruppe Wanderer bei Witzlricht auf: Sie suchte das sagenumwobene Wetterdorf.

Vor geistigem Auge

In der Lichtung wogten Gräser im Wind. Nur vereinzelt standen dürre Kiefern herum. "Wir stehen hier quasi am Ortseingang von Wetterdorf", sagte Uli Piehler, der die AOVE-Wanderung leitete. Er versuchte, das untergegangene Dorf vor dem geistigen Auge der Wanderer neu erstehen zu lassen. "Es bleibt alles im Vagen", schränkte er ein. "Wir können uns nur auf Legenden und Erzählungen stützen. Man kann das alles glauben - oder auch nicht."

Nur ein Steinwurf

Von Generation zu Generation überlieferte Sagen ranken sich um den Ort beziehungsweise das nur einen Steinwurf entfernte Hainstetten - zum Beispiel die von der Kirche, die einst hier gestanden haben soll. Wie der Volksmund erzählt, soll es sich bei der Tür der Martinskirche im drei Kilometer entfernten Gösselsdorf um die Tür der alten Kirche von Wetterdorf bzw. Hainstetten handeln.

Eine andere Sage erzählt von einem Kloster. In Hainstetten, so heißt es, seien einst jeden Tag tausend Pflüge ein- und ausgegangen. Das würde bedeuten: Unzählige Bauern aus dem Umkreis hätten ihre Abgaben hierher abgeführt.

Ein Teilnehmer steuerte eine weitere Sage bei. In Wolfsbach (bei Gösselsdorf) sei folgende Prophezeiung geläufig: "Nürnberg wird wieder a Rod (eine Rodung) und Wetterdorf wird wieder a Stodt."

Zwischen Naab und Vils

Über Wetterdorf gab es bis vor kurzem keinerlei Aufzeichnungen. Heimatkundler vermuten, dass die Siedlung spätestens im 10. Jahrhundert, zur Zeit der Ungarnstürme, verwüstet worden sein muss. Urkundliche Belege für die Zeit vor dem Jahr 1000 sind für die nördliche Oberpfalz selten. Damals muss irgendwo zwischen Naab und Vils die "Ecclesia ad Nordfilusa" gestanden haben, die Urkirche, von der aus ein großer Teil der Oberpfalz christianisiert wurde. Wo genau, das steht nicht fest.

Zumindest ist nun in den Archiven ein Hinweis auf Wetterdorf aufgetaucht: In einer Chronik der Ortschaft Trisching, die der Heimatforscher Christof Stahl 1910 in altdeutscher Schrift verfasst hat. Hier steht, dass im Saalbuch Ludwig des Strengen von einem "längst untergegangenen" Ort namens "Wederndorf" die Rede ist. Der Eintrag stammt laut Chronik aus dem Jahr 1274.

Der Waldweg, der von der Lichtung zurück zu den Autos führte, ist Teil einer Altstraße, deren Trasse sich noch heute von Amberg bis Nabburg verfolgen lässt.

"Wer weiß, wer hier unterwegs war?" Nicht mal die stämmigen Buchen, die links und rechts des Pfades stehen, haben all die Leute gesehen, die hier einst entlanggezogen sind.
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