Arbeitgeber verhindert Haft

Leicht machten sich der Richter und die Schöffinnen am Amtsgericht Neumarkt die Urteilsfindung nicht. Sie berieten lange über einen 44-Jährigen aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach, der in 25 Fällen besonders schweren Diebstahl begangen hatte. Dann bekam er eine letzte Chance.

Der Mann muss vorerst nicht in den Knast, wenn er sich die nächsten fünf Jahre nichts zuschulden kommen lässt.

Das hat er wohl in erster Linie seinem Arbeitgeber aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach zu verdanken, der ihn nach dem Vertrauensbruch an Firma und Kunden nicht hochkant gefeuert hatte, sondern sich seiner annahm. In Telefonaten und einem Brief ans Gericht versicherte der Spediteur, dass er trotz allem viel von seinem Mitarbeiter halte.

Der war als Fahrer für das Subunternehmen der DHL eingesetzt und brachte Pakete von der Post in Neumarkt an der Bahnhofstraße zu Niederlassungen in Berg und Pilsach (beide Kreis Neumarkt). Zwischen Juni 2013 und Ende August 2014 griff er sich immer wieder mal eines der Päckchen und verkaufte oder versetzte den Inhalt, um, wie Verteidiger Jürgen Mederer einfügte, finanzielle Engpässe zu überwinden.

Heiß auf Smartphones

Seine Beute waren vor allem Smartphones und andere hochwertige Elektronikartikel. Auch ein gestohlener elektrischer Fuchsschwanz wurde bei der Wohnungsdurchsuchung gefunden. Insgesamt wird der Schaden auf rund 8500 Euro beziffert. Diese Rechnung, so Richter Rainer Würth, werde noch auf den 44-Jährigen zukommen. Bereits im Polizeiverhör hatte der gelernte Energieanlagenbauer alle Diebstähle eingeräumt. Das tat er vor Gericht nochmals ohne Wenn und Aber.

Da er bei der DHL und der Post Hausverbot hat, setzt ihn sein Arbeitgeber nun als Disponenten ein. Der Chef hat es auch übernommen, die finanziellen Verbindlichkeiten wie Kredittilgungen und den Unterhalt für die beiden minderjährigen Kinder des Geschiedenen vom Gehaltsbüro aus zu bedienen. So ist der Angeklagte mittlerweile seine Schulden losgeworden.

Diese im Ansatz positive Sozialprognose und das umfassende Geständnis gaben für Staatsanwalt Robert Kinzler den Ausschlag. Trotz sieben einschlägiger Vorstrafen, einer hohen Rückfallgeschwindigkeit und der Tatsache, dass die Diebstähle in eine Bewährungszeit fielen, sprach er sich dafür aus, den Angeklagten zu einer Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung zu verurteilen und die Bewährungszeit auf fünf Jahre festzusetzen. Dazu solle noch eine Geldauflage von 1000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung kommen.

Bewährung oder nicht, das war auch für Richter Rainer Würth die entscheidende Frage. Er beriet sich lange mit den beiden Schöffinnen, um sich dann inhaltlich dem Staatsanwalt anzuschließen. Auch Verteidiger Jürgen Mederer war mit einer Bewährungsstrafe zufrieden. Ein besseres Ergebnis für seinen Mandanten wäre nicht zu erwarten gewesen.

Die allerletzte Chance

Würth hatte die zum Tatzeitpunkt angespannte finanzielle Lage des Angeklagten berücksichtigt, sein Geständnis, das Vertrauen des Arbeitgebers und den Umstand, dass der 44-Jährige im Gefängnis ja keinen Unterhalt für seine Kinder bezahlen könnte. Überdies seien die Diebstähle eher Spontantaten ohne System gewesen. Aber, so gab er dem Angeklagten mit auf den Weg, die Bewährungszeit sei die allerletzte Chance für ihn, in die Spur zu kommen.
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