Arbeitnehmer am Zug

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft ehrte 3945 Mitgliedsjahre. Die Ehrengäste würdigten die jahrzehntelange Treue. Bild: Dobmeier

Immer weniger Menschen arbeiten bei der Bahn. Und der Trend setzt sich fort, wie der Vorsitzende der Eisenbahner-Verkehrsgewerkschaft, Alexander Kirchner erwartet. Umso erstaunlicher, dass der Regensburger Geschäftsstellenleiter Harald Hammer für das Gebiet von Mühldorf, Passau, Rosenheim bis nach Weiden mehr Gewerkschaftszugänge als Abgänge verzeichnet.

Die Eisenbahn war der Motor des Strukturwandels und der Industrialisierung. Trotz des Rückgangs von einer Million Arbeitnehmern etwa 1965 auf heute 200 000 Beschäftigte stünden die Menschen und ihre Arbeitsbedingungen weiter im Mittelpunkt der Gewerkschaft EVG, sagte Kirchner bei der großen Jubilarehrung im Weidener Postkeller. Die Digitalisierung der Bahn werde allerdings einen weiteren Rückgang nach sich ziehen, prophezeit der Bundesvorsitzende, der tags zuvor noch in Indien tätig gewesen war.

96 Stunden wöchentlich

Es habe nach der ersten Eisenbahnfahrt 1835 von Nürnberg nach Fürth noch 61 Jahre gedauert, bis sich der Verband der Eisenbahner Deutschlands 1896 formierte. Die Arbeitszeiten betrugen bis zu 96 Stunden wöchentlich. Im Zuge der Globalisierung gelte es, die Arbeitnehmerrechte für verschiedene Arbeitsbereiche zu gleichen Arbeitsbedingungen und Lohn zu verteidigen. Die Altersstruktur (7 Mitglieder gehören der Gewerkschaft seit 70 Jahren an, aber ebenfalls nur 7 sind 25 Jahre dabei) beweist nach Ansicht Kirchners ebenfalls den Rückgang an Bahnmitarbeitern.

Als EVG-Ortsvorsitzender Weiden erinnerte Franz Popp an die Gewerkschaftshistorie und begrüßte die Jubilare und Ehrengäste. Er dankte für bis zu 70-jährige Treue zur Gewerkschaft. Die Kollegen hätten alle ihre Tätigkeit bei den damaligen Staatsbahnen begonnen. Heute, so popp, würden die europäischen Ausschreibungen für Wegstrecken im Aufgabenbereich der Bundesländer die Deutsche Bahn immer mehr aus dem Streckennetz verdrängen.

"Wenn man stark ist, wird man gehört", erkannte SPD-Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch. Es dürften sich aber die kleinen Gewerkschaften (GDL) nicht anmaßen, bestimmen zu wollen. Weiden werde von der Bahnstrecke geteilt, sagte OB Kurt Seggewiß in seinem Grußwort. Bald aber gebe es mit dem geplanten "Wittgartendurchstich" eine weitere Öffnung. Die Eisenbahnbaugenossenschaft sei in der Stadt präsent.

Menschenwürde achten

Bei der Flüchtlingsproblematik müsse Menschen mit rechtem Gedankengut der Nährboden des Sozialneids entzogen werden, forderte der OB. Dies bereite bei der Weidener Tafel derzeit Verteilungskämpfe. Die Politik habe die Aufgabe, die Grundrechte und die Würde aller Menschen zu achten. Das sah auch EVG-Bundesvorsitzender Kirchner so und er erinnerte an die Millionen Deutschen, die in den vergangenen Jahrhunderten nach Russland und in die USA in vergangenen Jahrhunderten ausgewandert seien.

Die musikalische Umrahmung der Veranstaltung am Samstagnachmittag übernahm gekonnt Alleinunterhalter "Jochen".
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