Arbeitskreis Mundart stimmt auf Frühling ein - Jubiläum im Herbst
Lesend in den Lenz

Hinter den "Wirtshausmusikanten" stehend von links die Protagonisten der Lesung: Uli Keltsch, Wolfgang Leo Bäumler, Sabine Zeidler, Anna-Elisabeth Gleißner, Gertraud Mois, Erna Schmutzer-Lösch und Stadtheimatpfleger Günter Alois Stadler. Bild:hcz
Auf den Frühling stimmten die Mundartdichter bei ihrer Lesung im Alten Schulhaus diesmal ein. Und auf "25 Jahre Arbeitskreis Mundart". Dieses Jubiläum sei heuer fällig und werde am 2. Oktober bei einem Festabend unter der Schirmherrschaft von OB Kurt Seggewiß sowie am 20. November gehörig gefeiert, kündigte Stadtheimatpfleger Günter Alois Stadler an. Einen Leseabend mit Musik werde es geben und das zwölfte Heft des "Zungaschloch" werde rechtzeitig erscheinen.

Viel verändert

Stadler erinnerte an die Gründung des Arbeitskreises durch den verstorbenen Stadtheimatpfleger Rudi Zenger und an vieles, was sich seither in Sachen Brauchtum getan habe. Die alljährliche Stadtwallfahrt, die Kräuterweihe, der in zweijährigem Turnus ausgelobte Volksmusikpreis und der Arbeitskreis Volkstanz (jeden dritten Dienstag im Monat im SV-Sportheim "Anpfiff") seien Beispiele. Von den Gründungsmitgliedern seien nur noch er, Stadler, und Wolfgang Leo Bäumler übrig.

Mit Gitarre und Knopfharmonika begrüßten die "Wirtshausmusikanten" Georg Zinkl und Rudi Lottner die zahlreichen Gäste im - wie immer - voll besetzten Kultursaal "Hans Bauer". Mit "Drunt' im Böhmerwalde", "Hohe Tannen" und "Falsche Freinderl" begeisterten sie zwischen den einzelnen Leseblöcken die Besucher musikalisch.

Der dichtende Schullehrer Wolfgang Leo Bäumler, mit neuem Hut ("sogar schöiner als ich selber"), erzählte in Reimen aus seinem Schulalltag, aus dem bäuerlichen Leben und davon, dass sich alle nach schönerem Wetter sehnen. Auch er müsse bei seiner Frau immer "schönes Wetter machen". "Pfundig" sei es über die Feiertage zugegangen, wusste die Denkenreuther Bäuerin Gertraud Mois - jeder habe wieder "zwoa oder drei Pfund mehr". Zu denken gab Mois den Besuchern mit ihren Betrachtungen zum sich immer schneller drehenden Hamsterrad und dessen Auswirkungen auf Körper und Geist.

"Servus, Griaß Di und Hawadere" findet Förster Uli Keltsch erheblich sympathischer als "Tschüß und Hi". Auch wenn die Nachrichten durch das dauernde "Gesimse" und "Getwittere" einem immer mehr auf die Nerven gingen, so brauche man sie doch, sagte der aus der Wunsiedeler Gegend stammende Forstmann, der auch noch "Erinnerungen an Johanna" vortrug.

Es gibt kein Benzin

Anna-Elisabeth Gleißner berichtete vom Ehepaar aus dem Egerland, bei dem die Frau so geizig war, dass sie ihrem Mann das Benzin zum Rasenmähen nicht vergönnte. Die kürzliche Sonnenfinsternis kommentierte sie als "Spuk", der "nach zwei Stunden glücklicherweise wieder vergessen" gewesen sei. Erna Schmutzer-Lösch aus Neustadt/WN freute sich an ihrer "Sprouch" - an der Mundart, die "so rau wie der Egerländer Wind" sei. Sie hieß den Lenz allseits willkommen und ging auf die "Unart des Stöberns" im Frühling ein.

Beim Frühjahrsputz sei er seiner Frau überall im Weg, stellte Günter Alois Stadler fest. Aber, auch nicht übel: Dann muss man halt ins Wirtshaus gehen. Der Leiter des Arbeitskreises Mundart wusste von der Geschichte des Starkbiers zu berichten und vom Lauf des Jahres, der wie ein Menschenleben sei: "Bevor du dich umdrahst, is' scho goar". Stadträtin Sabine Zeidler, die den Oberbürgermeister vertrat und zum ersten Mal bei den Mundartdichtern zu Gast war, versprach begeistert, sich künftig keinen der Leseabende mehr entgehen zu lassen. Humorvoll berichtete sie aus ihren eigenen beruflichen Erfahrungen mit der Mundart, wenn beispielsweise "im Team Feedback-Bogen auszufüllen" seien.
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