Armutsfalle Teilzeit

Immer mehr Frauen haben unsichere Jobs. Rainer Reißfelder von der NGG Oberpfalz warnt sie vor Altersarmut. Bild: hfz

Frauen erledigen drei Viertel aller Teilzeit- und Mini-Jobs in Weiden. Häufig sind das unsichere Posten, beispielsweise als Leiharbeiterinnen. Das gefällt einer Gewerkschaft überhaupt nicht.

2014 haben Frauen 76 Prozent aller nicht-regulären Jobs in der Stadt erledigt. Ganz anders sieht es dagegen bei den Vollzeit-Stellen aus: Hier lag der Frauenanteil bei 40 Prozent.

Für diese Zahlen beruft sich die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) auf eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung. "Immer mehr Frauen haben niedrig bezahlte Jobs. Das wird besonders im Alter zum Problem", sagt Rainer Reißfelder, Geschäftsführer der NGG Oberpfalz. Besonders stark hat die Teilzeit-Beschäftigung zugenommen. Vor gut zehn Jahren arbeiteten in Weiden laut Studie noch etwa 3800 Frauen nicht Vollzeit. 2014 waren es bereits 7100. "Es ist längst nicht so, dass alle freiwillig weniger arbeiten. Viele finden einfach keine Vollzeit-Anstellung - im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen", erklärt Reißfelder. Dies zeige, dass auf dem Arbeitsmarkt in Weiden "grundsätzlich etwas im Argen liegt", kritisiert der Gewerkschafter.

Gerade im Gastgewerbe, im Bäcker- oder Fleischer-Handwerk hätten weibliche Beschäftigte immer seltener Chancen auf einen regulären Job. Stattdessen setzten viele Chefs auf Mini-Jobs, um Steuern und Sozialabgaben zu sparen.

"Die Folge ist Altersarmut. Schon heute haben viele Rentnerinnen damit zu kämpfen. Denn Frauen, die ihr Leben lang in prekären Jobs gearbeitet haben, bleibt nur eine Mini-Rente. Dazu kommen geringere Beiträge durch Elternzeit." Es sei nicht hinnehmbar, dass es ausgerechnet alleinerziehende Mütter so schwer hätten, wieder mit einem normalen Job ins Berufsleben zurückzukehren. "Viele bayerische Unternehmen denken bei einer Bewerberin automatisch an Teilzeit, Mini-Job und Befristung", beklagt Reißfelder.

Die NGG Oberpfalz fordert eine Umkehr: "Frauen brauchen nicht mehr Jobs auf Zeit und Zitter-Verträge, sondern mehr reguläre Stellen, von denen sie gut leben können. Weniger Stunden zu arbeiten, muss ihre freie Entscheidung sein." Die aktuellen Zahlen seien ein Warnsignal an Arbeitgeber und Politik. Wer jetzt nichts unternehme, riskiere neue weibliche Armut.

In ganz Bayern waren laut Böckler-Studie im vergangenen Jahr rund 2,2 Millionen Arbeitnehmer atypisch beschäftigt - über 1,6 Millionen von ihnen waren Frauen.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9610)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.