Arzttermine nicht übers Abgeordnetenbüro
Briefe an die Redaktion

Zum Artikel "Bittere Pillen neu verpackt" vom 21. November:

Das Thema "Schnelle Facharzttermine" eignet sich nach Meinung der niedergelassenen Ärzte nicht für populistische Mitteilungen.

1. Wenn ein Facharzttermin aus medizinischen Gründen dringend notwendig ist, ruft der Hausarzt den Facharzt an, um einen schnellen Termin zu bekommen.

2. Die Terminvergabe gehört in die Hände der niedergelassenen Ärzte und kann nicht durch medizinische Laien in Behörden, Angestellte der Krankenkassen oder Sekretärinnen von Bundestagsabgeordneten übernommen werden.

3. Patienten genießen bislang in Deutschland eine freie Arztwahl, welche durch das neue Versorgungsstärkungsgesetz aufgeweicht wird.

4. Die niedergelassenen Ärzte subventionieren seit Jahren das Gesundheitssystem, indem sie trotz Überschreiten ihrer Budgetgrenzen weiter selbstverständlich für ihre Patienten arbeiten.

5. Die Patienten erfahren in der Arztpraxis eine Behandlung vom erfahrenen Facharzt. Der Ärzteverbund Oberpfalz Nord verlangt im Falle einer ambulanten Krankenhausbehandlung den gleichen Facharztstandard. Alle wissen jedoch, dass in den Krankenhäusern ein erheblicher Facharztmangel besteht, zudem haben die Krankenhausärzte gar keine zeitlichen Vakanzen, zusätzlich ambulante Patienten zu behandeln.

6. Die niedergelassenen Ärzte tragen im Vergleich zu den Krankenhäusern das wirtschaftliche Risiko selbst und können nicht auf die öffentliche Hand hoffen. Durch das neue Versorgungsstärkungsgesetz entsteht eine erhebliche (gewollte?) Benachteiligung der freiberuflichen Ärzte.

7. Ein medizinischer Notfall wird von den niedergelassenen Ärzten unabhängig vom Kassenstatus behandelt.

8. Man kann nicht auf der einen Seite einen schnellen Facharzttermin fordern, dann aber beklagen, dass dafür mitunter Patienten aus Weiden nach Tirschenreuth oder umgekehrt fahren müssen.

9. Das sogenannte Versorgungsstärkungsgesetz ist für die Patienten eigentlich ein Versorgungsschwächungssetz, da paradoxerweise mit der Einführung der Termingarantie eine erhebliche Reduktion der Arztpraxen geplant ist. Dieser Umstand wird nicht zu einer Verbesserung der Versorgung führen.

Dr. med. Marcus Grüner, Dr. med. Matthias Loew und Dr. med. Sven Heimburger für den Vorstand des Ärzteverbundes Oberpfalz Nord

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