Asyl auf Dauer: Verlustgeschäft

Die einmütige Zustimmung zum Vorbescheid über den Einzug von 34 Flüchtlingen in die Druckerei Kießling hin oder her. Ob wirklich Asylbewerber im Gebäude im Weidener Osten unterkommen werden, bezweifeln einige Mitglieder des Bauausschusses.

"Bei dem Eigentümer des Gebäudes handelt es sich um eine Immobiliengesellschaft, die mit einem großen Wohnkomplex an der Stelle gutes Geld verdienen will", betont Stadträtin Hildegard Burger. Hierzu läuft bereits eine gerichtliche Auseinandersetzung mit den Nachbarn im Weidener Osten. Vor diesem Hintergrund stellt sich die SPD-Stadträtin die Frage, ob in die Druckerei tatsächlich irgendwann einmal 34 Flüchtlinge einziehen werden. Karl-Heinz Schell (Freie Wähler) schlägt in die gleiche Kerbe. Er stellt nur eine einzige Frage in der Diskussion um die Erteilung zum Vorbescheid: "Wenn statt der Flüchtlinge irgendwann Privatleute einziehen, ist dann ein neuer Bauantrag nötig?"

Und ob. Baudezernent Hansjörg Bohm erklärt: "Mit jeder Umwidmung ist ein neuer Antrag nötig." Die Folge: Es spricht baurechtlich nichts gegen die Unterkunft für Asylbewerber in einer der besten und teuersten Wohnlagen in Weiden. Im Gegenteil.

"Es werden ein relativ großes Grundstück und ein großes Gebäude angeboten. Letzteres befindet sich endlich mal - zumindest von außen betrachtet - in einem relativ guten Zustand", sagt Hildegard Burger. Das sei selten. Oft genug habe sie erleben müssen, wie Eigentümer abgelebten Wohnraum feilboten, den niemand mehr haben wollte - "für Flüchtlinge aber sei er gut genug".

Zudem habe der Standort ähnlich dem am Rotkreuzplatz den Vorteil, in der Nähe zur Innenstadt zu liegen. Einkaufsmöglichkeiten gibt es vor der Tür. Um ein Mischgebiet handle es sich obendrein. "Im Baurecht können also keinerlei Bedenken verwurzelt sein", schließt sie. "Entsprechend aufgeschlossen muss man dem Vorhaben gegenüberstehen." Jeder, der das anders sehe, könne gehört werden. Stimmt. Die Detailplanung beginne schließlich erst mit der Bauhauptanfrage, pflichtet Bohm bei.

Dann will Josef Gebhardt (SPD) auch geklärt wissen, wie viele Quadratmeter jedem Flüchtling in der ehemaligen Druckerei zur Verfügung stehen, wie es mit der technischen Ausstattung aussieht und, und, und.

Derweil nutzt Sitzungsleiter und Bürgermeister Jens Meyer die Gelegenheit, nochmal Grundsätzliches klarzustellen: Zum einen müsse die Stadt die reguläre Zuweisung von Asylbewerbern aus der Erstunterkunft in Zirndorf nach Quote schultern. Dafür braucht es zusätzlichen Raum, wie er zum Beispiel im Frühjahr durch Container für bis zu 200 Flüchtlinge im Camp Pitman geschaffen wird. Oder wie ihn die ehemalige Druckerei Kießling bietet.

Zum anderen braucht es kurzfristige Unterbringungsmöglichkeiten entsprechend dem Winternotfallplan der Staatsregierung. Dafür war einst die Mehrzweckhalle angedacht. Nachdem das verworfen wurde, dient die Berufsschule als Notfall-Aufnahmestätte.
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