Asylbewerber protestieren in Camp Pitman über Schmutz und respektlosen Umgang - Polizei ...
Sie wollen raus und lassen niemanden rein

Für Puya Nurmammadon (vorne) und Elmir Rüstemzade ist der Ofen aus: Sie klagen über den Schmutz im Camp Pitman, insbesondere in der Gemeinschaftsküche. Bild: Kreuzer
Es ist Freitag, 6 Uhr. Eugen Schmidt, Leiter der Gemeinschaftsunterkunft, will auf den Hof des Camp Pitman in der Kasernenstraße fahren - aber das Tor ist mit Fahrradketten verschlossen. Draußen steht Schmidt und ruft die Polizei. Drinnen warten zwölf Asylbewerber. Ihnen reicht's. Sie protestieren.

Sie klagen über nur drei Duschen für aktuell 119 Asylbewerber. 135 haben in der Unterkunft Platz. Sie schimpfen auch über den Hausmeister, der respektlos mit den Bewohnern umgehe und sich weigere, das Licht in der Küche zu reparieren. Die Öfen seien verdreckt, die Waschmaschinen verschimmelt, die Vier-Bett-Zimmer unzumutbar, der Ein-Euro-Job als Voraussetzung für das monatliche Taschengeld in Höhe von 190 Euro Schikane vom Sozialamt. "Wir wollen normal arbeiten. Ich könnte zum Beispiel in einem Shisha-Café anfangen", sagt Puya Nurmammadon. Ohne Aufenthaltsgenehmigung? Keine Chance. Das weiß der Aserbaidschaner auch. Seit 2011 wohnt er schon mit seinem Bruder im Camp Pitman. Am Freitagmorgen ist er es, der mit der Polizei verhandelt.

Er und die anderen wollen die Vertreter der Presse hier sehen, mit ihnen über die Situation reden. Wenn alles friedlich zugeht, hat der Einsatzleiter und Chef der Polizeiinspektion Klaus Müller kein Problem damit. Also öffnen die Asylbewerber das Tor. Polizei und Medien treten ein. Eugen Schmidt, seit 2010 Leiter der Unterkunft, bleibt draußen. Er wartet im Auto.

"Gestern ging's schon los, als die Grünen das Gebäude besichtigt haben", erinnert er sich. Unruhig geworden seien da einige Bewohner. Zwei besonders. Sie sind es auch, die am Freitagmorgen den Protestzug anführen, als die meisten in der Schule sind. Warum? "Das geht gegen mich persönlich", meint Schmidt.

Vor kurzem habe er einem ein Zwei-Bett-Zimmer verweigert. Über die angeblich so schmutzige Unterkunft sagt der Leiter: "Täglich um 8 Uhr wird hier geputzt. Dafür sind welche eingeteilt. Danach ist es blitzblank." Es sei aber auch mal angebracht, selbst dem Schmutz zu Leibe zu rücken. Genau das sagt gerade auch ein Medienvertreter deutlich in Richtung der Asylbewerber. Puya Nurmammadon wird's heute schon egal sein. Er und sein Bruder sollen noch am Freitag in eine Unterkunft nach Amberg verlegt werden, um die Situation zu entschärfen, erklärt Eugen Schmidt. Um kurz vor 9 Uhr fährt er doch noch auf den Hof des Camp Pitman.
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