Auch bei Jubilarehrung der Sozialdemokraten bleibt große Politik nicht außen vor - Grundgesetz ...
SPD: "Menschlichkeit statt Mainstream"

Michael und Wolfgang Girke sowie Paul Gollwitzer sind seit 55 Jahren Mitglieder der SPD. Sie und viele andere Jubilare wurden mit Urkunden ausgezeichnet. Bild: uz
(uz) "Die Bayerische Verfassung trägt die sozialdemokratische Handschrift", erklärte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß am Freitagabend bei der Jubilarehrung langjähriger Genossen in der "Alpenrose". Der Rathauschef war kurzfristig als Festredner für den verhinderten SPD-Landesgeschäftsführer Olaf Schreglmann eingesprungen.

"Sozialdemokraten haben auch maßgeblich am Grundgesetz mitgebarbeitet." Die SPD habe auch den ersten deutschen Reichspräsidenten und ersten Bayerischen Ministerpräsidenten gestellt. Seine Partei habe in 150 Jahren gute und schreckliche Zeiten durchlebt. Die Erfolge würden heute von den Christsozialen leider vergessen, "wenn man den Landesparteitag der CSU anschaut".

"Wenn man von Leitkultur spricht, dann bitteschön möchte ich wissen, was Leitkultur sein soll." Das deutsche Grundgesetz sei Orientierung genug. "Wir brauchen keine Leitkultur, bayerisch geprägt durch die CSU." Der Begriff Leitkultur impliziere natürlich auch, dass man ganz schnell beim Leitwolf sei. "Und wer bitteschön soll dieser Leitwolf in Deutschland sein?"

Natürlich stellte Seggewiß die Jubilare in den Mittelpunkt seiner Rede. Es handle sich schließlich um Persönlichkeiten, die zu ehren es gelte und vor denen man sich verneige. Menschen, welche die Nachkriegszeit in Weiden mitgeprägt hätten.

Neuordnung in Innenstadt

Stadtverbandsvorsitzender Norbert Freundorfer warf die Frage auf, was denn bleiben werde von diesem Jahr. "Wenn es um Weiden geht, dann mag es vielleicht das Jahr sein, in dem mit dem Abbruch des Hertie-Gebäudes die Weichen für eine Neuordnung der Innenstadt gelegt wurden." Wenn es um Deutschland gehe, dann sicherlich der Nahost-Konflikt und die ankommenden Flüchtlinge. "Auch in dieser Stadt."

"Wenn es um die europäische Politik geht, dann mag es das Jahr sein, in dem zu erkennen war, dass in manchen Ländern Europas Solidarität da endet, wo der eigene finanzielle Vorteil endet." Oder auch das Jahr, in dem der Terror ein ganz neues Gesicht zeigte. Es gehe um Antworten.

Sozialdemokraten wie Otto Wels - bei seiner Rede in der Kroll-Oper vor der Abstimmung der Ermächtigungsgesetze - oder Willy Brandt mit seiner Ostpolitik hätten nicht auf den Mainstream geachtet, sondern gehandelt nach Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Friedenswillen. Diese Art von Sozialdemokraten solle Leitbild sein. "Und weil Populismus, gerade der Rechtspopulismus in Europa auf dem Vormarsch ist, ist es wichtig, dass diese Partei in ihren Werten, Freiheit, Gerechtigkeit, Brüderlichkeit, lebendig bleibt."

Für 55 Jahre Treue wurden Michael Girke, Paul Gollwitzer, Wolfgang Girke geehrt, für 50 Jahre Manfred Berger, Johann Riedl, für 45 Jahre Waltraud Koller-Girke, Josef Melch, Georg Kick, Manfred Schroll, Gerald Recknagel, Friedrich Benesch, Josef Blas, Hannelore Blas, Günther Merkl, Rita Schwab, Hans Schemela und Artur Wozniak, für 40 Gerhard Kick, Willi Greiner, Brigitte Engel-Wöhrle.
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