Auch sprachlich abrüsten

Am Vortag des Volkstrauertages gedachten Bürger und Vereine am Kriegerdenkmal in Rothenstadt der Toten der Weltkriege, aber auch der Opfern der Vornacht in Paris. Bild: Dobmeier

Am Volkstrauertag steht das Gedenken an die Opfer der Weltkriege im Mittelpunkt. Beim Gedenken am Vorabend am Kriegerdenkmal in Rothenstadt kamen weitere Opfer dazu: die der Terroranschläge von Paris.

"Eine besondere Bedeutung kommt dem Volkstrauertag in diesem Jahr zu, denn er steht im Zeichen des Weltkriegsendes vor 70 Jahren. Er hinterließ zahllose geschändete Menschen, verwüstete Städte und kostete Millionen Soldaten und Zivilisten das Leben", sagte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß zum Gedenken am Vortag beim Kriegerdenkmal in Rothenstadt.

Dort versammelten sich nach einem Gedenkzug Bürger sowie die örtlichen Vereine unter der Führung des Kameradschaftsvereins 1883 Rothenstadt und der Feuerwehr. Heute suchten Menschen, die Krieg, Verfolgung und Gewalt am eigenen Leib erfahren müssen Zuflucht in Deutschland, erklärte der OB. Dies verdeutliche den Wandel, den Deutschland nach 1945 vollzogen habe. Es nehme Menschen mit offen Armen auf. Seggewiß gedachte aber auch der Terroropfer der vergangenen Nacht in Paris, unweit der Partnerstadt Issy les Moulineaux durch den kriegerischen Akt der IS-Truppen. "Das ist der Wahnsinn."

Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler erkannte, dass es noch immer und immer wieder menschenverachtende Volks- und Rassenideologien gebe, deren Klänge bis heute nicht verstummten. Menschen würden zu Sündenböcken für Probleme unserer Tage gemacht. Sie würden stigmatisiert, weil sie Ausländer sind, einer anderen Religion und Kultur angehören. "Wohin es führt, wenn Menschen nur aufgrund ihrer Herkunft oder ihrer Religion beargwöhnt oder gar gebrandmarkt werden, auch daran soll der Volkstrauertag erinnern."

Gebet für die Opfer

Dazu gehört nach Ansicht des Pfarrers auch das sprachliche Abrüsten, wenn von Flut, Lawinen oder Strömen von Flüchtlingen die Rede ist. Im Vergleich zu anderen Ländern, die Millionen aufnehmen, komme bei uns nur ein Rinnsal an, erkannte der Pfarrer. Zum Abschluss forderte der evangelische Geistliche zum Gebet auf: für die Opfer der Weltkriege, aber auch für die Opfer und Betroffenen von Paris.

Die musikalische Umrahmung gestalteten der evangelische Posaunenchor Etzenricht-Rothenstadt unter Leitung von Fritz Wieder und der katholische Kirchenchor.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9608)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.