Auerhahn verzückt Ministerin

Ein Seltmann-Teller verkratzt keinen Tisch, er ist lichtdurchlässig und wird in der Oberpfalz gefertigt. Das erfährt Wirtschaftsministerin Ilse Aigner von (von links) Geschäftsführer Josef Kallmeier, Inge Seltmann, Geschäftsführer Werner Weiherer, Landtagsabgeordneten Petra Dettenhöfer, Bürgermeister Lothar Höher und Christian Seltmann. Das will die Oberbayerin fühlen - und bereut es gleich: "Oh, jetzt sind auf dem Teller meine Dapper." Bild: Götz

Es geht um feinstes Porzellan, das ausschließlich in der Oberpfalz produziert wird. Es geht beim Besuch der Wirtschaftsministerin bei der Firma Seltmann aber auch um die teure EEG-Umlage, um versagte Zuschüsse - und am Ende geht's gar um die Wurst.

Hingerissen hält Bayerns Wirtschaftsministerin die Kaffeekanne aus feinstem Seltmann-Porzellan in Händen. Als Ilse Aigner dabei das klassische Streublümchen-Dekor namens Marie-Luise betrachtet, stellt die 49-Jährige fest: "Damit bin ich ja quasi groß geworden."

Aigners Kenntnisse über die Porzellanindustrie gehen aber viel weiter, wie sich am Freitag beim Rundgang durch das Musterzimmer der Firma Seltmann zeigt: Die Ministerin weiß vom Niedergang der Porzellanindustrie in der Region. Sie kennt und lobt die 25-Millionen-Euro-Investition des Familienbetriebs Seltmann in den Standort Erbendorf: "Dafür haben Sie ja einen Zuschuss gekriegt oder?", fragt Aigner keck. Neben ihr stehen Christian Seltmann mit Mutter Inge Seltmann sowie die Geschäftsführer Werner Weiherer und Josef Kallmeier, Bezirkstagsvize-Präsident Lothar Höher sowie Landtagsabgeordnete Petra Dettenhöfer. Sie hat "die Ilse" eingeladen.

"Herrlich praktisch"

"Wir sind Exoten, denn wir produzieren ausschließlich in der Oberpfalz", erklärt Weiherer und zeigt das gerade von Alfons Schuhbeck georderte Diamant-Porzellan im edlen Crèmeton. Besonders begeistert sich die Ministerin aber für zwei andere Produktlinien: Die eine ist so "herrlich praktisch", weil die Teller eckig, dank Deckel stapelbar und auf Kühlschrankmaße abgestimmt sind. Die andere Linie zieren Hirsch, Hase und Auerhahn: Ein Verkaufsschlager bei Seltmann und ein Traum für Aigners Jäger in der Familie. "Vielleicht hab' ich schon ein Weihnachtsgeschenk?", überlegt die Ministerin laut - und schnappt sich den Prospekt.

Geschenke an Seltmann kann Ilse Aigner aber nicht verteilen: Die Klage über die EEG-Umlage, die lohnintensive Unternehmen wie Seltmann benachteiligt, kann sie verstehen. Jährlich zahlt Seltmann hier 500 000 Euro. "Ändern kann ich die Bundesgesetzgebung aber nicht." Auch für die verweigerten Investitionshilfen für den Standort Weiden könne sie nichts. "Hier handelt es sich um ein europäisches Programm. Bei der Technologieförderung können wir aber was machen", stellt die Ministerin dem fast 105 Jahre alten Betrieb in Aussicht. Zuletzt konstruierte Seltmann die hochmoderne, energiesparenden (minus 40 Prozent) Rollöfen. Gerade wird mit verschiedenen Universitäten an einer antibakteriellen Porzellan-Beschichtung getüftelt.

Seltmann im Ministerium

Derweil fordert Christian Seltmann eine Porzellanumlage. Nur so könne weiter in Deutschland produziert werden. Aigner plädiert für gute Werbung für sehr gute Produkte. Werbeträger kann sie nun dank Christian Seltmann selbst sein: Er überreicht ihr einen Weißwurst-Topf. Und tatsächlich verspricht Ilse Aigner: "Den probieren wir im Ministerium aus."
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