Auf A 93: eins links, eins rechts

Symbolbild: dpa

"Eins links, zwei rechts". Nein, hier handelt es sich nicht um ein Strickmuster, sondern um die gleichnamige Kampagne des Innenministeriums zur Bildung einer Rettungsgasse. Wie sich der Autofahrer richtig verhält, erklärt Stadtbrandinspektor Ludwig Grasser im NT-Interview.

Weiden. (ps) Im Notfall zählt jede Minute. Das ist nicht neu. Und trotzdem machen Autofahrer immer wieder Fehler, wenn sie in einen Stau geraten und behindern dadurch die Einsatzkräfte.

Wodurch werden die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr am häufigsten ausgebremst?

Ludwig Grasser: Viele fahren zu dicht auf. Grundsätzlich gilt: Sobald Bremslichter aufleuchten oder die vorausfahrenden Autos langsamer werden, sollte man ausreichend Abstand halten zum Vordermann. Wenn sich ein Stau abzeichnet oder der Verkehr ins Stocken gerät, sollten die Autofahrer eine Rettungsgasse bilden und dabei mindestens eine Fahrzeuglänge Abstand halten zum Vordermann. Denn sonst ist es kaum noch möglich zu rangieren, wenn der Verkehr erst mal steht.

Wie bildet man eine Rettungsgasse?

Grasser: Auf einer zweispurigen Autobahn wie der A 93 in der Mitte: Das heißt, die Fahrzeuge auf der linken Spur fahren nahe an die Mittelleitplanke, die auf der rechten Spur nach rechts in Richtung Standstreifen.

Bei einer dreispurigen Autobahn heißt es "eins links, zwei rechts": Die Fahrzeuge auf der linken Spur fahren wieder zur Mittelleitplanke, die auf den beiden rechten Fahrbahnen nach rechts, so dass eine Rettungsgasse entsteht.

Klingt doch ganz einfach.

Grasser: Ist es auch. Aber es kommt eben immer wieder zu Fehlern.

Als da wären?

Grasser: Manche Autofahrer halten den Standstreifen frei, dabei nutzen die Einsatzkräfte den nie, weil hier auch mal ein liegengebliebenes Fahrzeug den Weg versperren kann. Manchmal ist die Rettungsgasse auch zu eng - zumindest für Abschleppautos und andere Großfahrzeuge. Bei 2,50 Meter passen zwar Streifenwagen durch, aber nicht unsere 15-Tonner oder Rettungstransportwagen mit Kastenaufbau. Die sind breiter. Wenn jeder Autofahrer genügend Abstand zum Vordermann hat, kann er dann schnell rangieren. Wenn nicht, vergehen wertvolle Minuten bis wir weiterkommen.

Gibt es noch andere Hindernisse? Zum Beispiel Autofahrer, die aussteigen und im Weg stehen?

Grasser: Leider ja. Wenn ein Stau länger andauert, steigen viele Autofahrer aus und stellen sich neben ihren Wagen. Das ist für uns und für diese Autofahrer gefährlich, wenn wir passieren müssen. Unser Appell an die Verkehrsteilnehmer deshalb: Die Leute sollen am besten im Auto sitzen bleiben und den Verkehrsfunk hören oder - falls sie doch aussteigen - die Warnweste anlegen und sich hinter die Leitplanke begeben.

Darf ich die Rettungsgasse wieder schließen, wenn der Einsatzwagen vorbei ist?

Grasser: Auf keinen Fall. Sie wissen ja nicht, wie viele Fahrzeuge von BRK, Polizei oder Feuerwehr noch folgen. Die Rettungsgasse muss also freigehalten werden bis sich der Stau auflöst und der Verkehr wieder fließt. Wichtig ist es auch, die Beschleunigungsstreifen freizuhalten, weil es möglich ist, dass Rettungsfahrzeuge von der Autobahnauffahrt hier in die Rettungsgasse einfädeln müssen.

Ihr letzter Rat an die Verkehrsteilnehmer?

Grasser: Wir beobachten öfter mal, dass sich Autofahrer an ein Rettungsfahrzeug anhängen, um schneller vorwärts zu kommen. Tun Sie das auf keinen Fall. Das ist zum einen verboten und wird mit einem Bußgeld geahndet. Zum anderen ist es für den Autofahrer selbst sehr gefährlich.
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