Auf Damenklo "Schuss gesetzt"

Weil er rund 10 Gramm Rauschgift bei sich hatte, muss ein Landkreisbürger nun 16 Monate hinter Gitter. Das entschied das Amtsgericht nach einer Verhandlung, in der auch ein früherer Kripo-Beamter seinen Frust über Drogen-Straftaten schilderte.

Es geht um exakt 10,78 Gramm Methamphetamin. Mit dieser Menge Rauschgift war ein 34-Jähriger aus dem östlichen Landkreis Neustadt/WN in Tschechien erwischt worden. Ein Ladendetektiv hatte ihn beobachtet, wie er sich in der Damentoilette eines Baumarktes in Cheb einen "Schuss gesetzt" hatte. Als der Deutsche bemerkte, dass man ihn observierte, warf er die gebrauchte Spritze samt Rauschgift in einen Abfalleimer. Die tschechische Polizei sicherte die Beweismittel und gab den Fall nach Weiden ab - eine gängige Praxis, wie Staatsanwalt Rene Doppelbauer erklärt: Wenn ein Delikt sowohl nach ausländischem als auch deutschem Recht strafbar ist und der Täter Deutscher ist, kann ihm in seinem Heimatland der Prozess gemacht werden.

Der Arbeitslose stand bereits im Februar vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl. Drei tschechische Polizisten hatten damals über die Bearbeitung des Falles berichtet. Nicht gekommen waren jedoch der Detektiv und ein weiterer Polizist, der eng mit dem Fall zu tun gehabt hatte und nun nicht mehr bei der Kripo arbeitet. Nach erneut erfolgloser Ladung für Mitte März, gelang es nun am Dienstag, wenigstens Letzteren in den Zeugenstand zu bekommen. Er bestätigte den Hergang der Festnahme und die zu Protokoll genommenen Aussagen des Ladendetektivs. Mit dem Grund, weshalb er nicht mehr bei der Polizei arbeitet, rückte der 42-Jährige nach hartnäckigem Nachfragen von Rechtsanwalt Helmut von Kietzell heraus: weil er "es satt hatte, ständig mit Drogenhändlern und -konsumenten zu tun zu haben".

Von Kietzell sagte, es sei "nicht ausschließbar", dass sein Mandant das Crystal "zufällig" gefunden hätte. Für den Fall, dass das Gericht ihn doch schuldig sprechen sollte, beantragte von Kietzell, die Tat als "minder schwer" zu bewerten und mit höchstens einem Jahr zu bestrafen, das zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Am Vorgehen der Polizei, als sein Mandant kürzlich wieder mit einer - diesmal geringeren - Menge in Weiden erwischt wurde, übte der Regensburger Anwalt heftige Kritik.

Zahlreiche Vorstrafen

Staatsanwalt Rene Doppelbauer kreidete dem Angeklagten vor allem seine zahlreichen Vorstrafen an, darunter zwei wegen Drogendelikten. Für eine Strafaussetzung zur Bewährung sahen auch Richter Heindl und die Schöffen keinen Grund. Sie verurteilten den 34-Jährigen wegen Rauschgiftbesitzes zu 16 Monaten "ohne". Es gebe keine Gesichtspunkte, die für eine günstige Sozialprognose und künftige Rechtstreue sprächen, sagte Heindl.
Weitere Beiträge zu den Themen: Straftat (812)April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.