Auf dem Weg zur Modellregion

Als Leitstelle zur Lenkung der Patientenströme sieht sich die Caritas-Beratungsstelle für seelische Gesundheit schon jetzt. Im Falle einer Modellregion könnte das aber noch optimiert werden, meinte Leiter Dr. Stefan Gerhardinger (stehend, Mitte). Ihm und seinen Mitarbeitern versicherte Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher (stehend, Zweiter von links), dass sie seit Jahren großartige Arbeit leisten. Bild: Götz

Die Entwicklung ist erfreulich, der Anlass eher traurig: Die Nordoberpfalz soll zur bayerischen Modellregion bei der Versorgung psychisch Kranker werden. Ursache ist die steigende Zahl der Betroffenen. Das "Go" des Gesundheitsministeriums liegt bereits vor. Jetzt müssen noch die Krankenkassen mit ins Boot.

Weiden. (ps) Der Bezirk hat diese Entwicklung durch einen Antrag der Medbo (Medizinische Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz) auf den Weg gebracht. Das Bezirkskrankenhaus Wöllershof wird die Federführung übernehmen. Aber auch der Caritas-Beratungsstelle für seelische Gesundheit könnte hier eine wichtige Funktion zukommen: die Koordination bzw. Lenkung der Patientenströme. "Das machen wir zwar im Prinzip schon", erklärte Dr. Stefan Gerhardinger, Leiter der Beratungsstelle, beim Besuch von Bezirkstagvizepräsident Lothar Höher. Durch die Einrichtung einer Leitstelle könnte die Versorgung aber vermutlich noch zielgenauer gesteuert werden.

Seit Jahren beklagen Experten im Raum Weiden-Neustadt-Tirschenreuth das gleiche Problem: Die Zahl der psychisch Kranken wächst. Gleichzeitig bestehen bei Psychotherapeuten in der Region enorm lange Wartezeiten. "Eine Patientin hat sogar vor kurzem von einem Aufnahmestopp bei einer Nervenärztin berichtet", sagte Diplom-Sozialpädagogin Elke Lehner. "Und das im März." Ein Problem, das - wie bei den mangelnden Hausarzt-Nachfolgern - nicht von oben gelöst werden kann, meinte Lothar Höher.

Zweiter Schwerpunkt

In anderer Hinsicht dagegen habe der Bezirk bereits viel in die Wege geleitet, um den Raum Weiden-Neustadt zum zweiten Schwerpunkt der Oberpfalz in der Versorgung von psychisch Kranken zu machen. Höher verwies hier auf die geplante Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und auf die ambulante Tagesklinik für psychisch kranke Erwachsene in Weiden. Auch Wöllershof werde weiter ausgebaut. Das Problem dabei: Von der Planung bis zur Realisierung vergehen einige Jahre. "Wir laufen dem Bedarf hinterher."

Mittlerweile habe schon jedes vierte Schulkind psychische Probleme, zitierte Stefan Gerhardinger einen Pressebericht. Um die Versorgung von psychisch kranken Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Region zu verbessern, habe er mit den Jugendämtern und Erziehungsberatungsstellen eine Kooperation vereinbart. Die Erziehungsberatungsstellen wollen zudem zusätzliche Stellen beantragen, um die Nachfrage besser bewältigen zu können.

Als wichtige Anlaufstelle, die rund um die Uhr und auch an Wochenenden erreichbar ist, nannte Diplom-Pädagoge Jörg Pöschl die Online-Beratung über die Homepage der Caritas Deutschland. Jeder Ratsuchende erhalte hier innerhalb von 24 Stunden eine Antwort.

Gut angenommen - und zwar von allen Altersgruppen - wird nach Angaben von Diplom-Sozialpädagogin Sonja Dobmeier die von ihr neu eingerichtete Körperwahrnehmungsgruppe. Als Fachkraft für die gerontopsychiatrische Beratung würde sie sich außerdem eine Tagesstätte für Senioren mit psychischer Behinderung wünschen und einen günstigen Fahrdienst für psychisch Kranke, um die mangelnde Infrastruktur im ländlichen Raum auszugleichen.

Verdiente Partner

Die Erfüllung dieser Wünsche konnte ihr der Bezirkstagsvizepräsident nicht versprechen. Er hob allerdings hervor, dass der Bezirk viel Geld in die Hand nehme, um die psychosoziale Versorgung in der Nordoberpfalz noch weiter auszubauen. Allein über 300 000 Euro betrage der Zuschuss an die Beratungsstelle für seelische Gesundheit, die als Caritas-Einrichtung zu den ältesten Partnern des Bezirks zähle. Höher sprach allen Trägern, mit denen der Bezirk zusammenarbeitet, ein dickes Lob aus. "Sie alle leisten großartige Arbeit."
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