Auf eine Tasse mit Dali

Welch Schätze das Keramikmuseum derzeit zu bieten hat, erläuterte Dr. Josef Straßer, Oberkonservator der "Neuen Sammlung", bei einer Sonderführung. Bild: otj

Für einen Blick auf Kunstwerke von Dali, Hundertwasser oder auf Designs von Gropius muss man Kilometer weit fahren? Falsch. Eine Sonderausstellung zeigt zum 25-Jährigen des Keramikmuseums Arbeiten moderner Künstler und Designer im Herzen der Stadt.

Was viele nicht wissen: Das Internationale Keramikmuseum ist Teil der "Neuen Sammlung", eines Staatlichen Museums für angewandte Kunst mit Hauptsitz in München. Die Exponate der Sonderschau zum Jubiläum kommen von dieser Institution von Weltruf. Am Samstag präsentierte der Oberkonservator der "Neuen Sammlung", Dr. Josef Straßer, die einzigartigen Ausstellungsstücke bei einer Führung.

Die Jubiläumsausstellung zeige nun eine Auswahl an besonders bedeutenden Beispielen, die nicht nur für sich gesehen künstlerische Höhepunkte bilden, sondern auch ein Vierteljahrhundert Museums- und Sammlungsgeschichte repräsentierten. Zusammengetragen sind die in unterschiedlichster Art gefertigten Einzelkeramiken aus der ganzen Welt. Die organisch anmutenden Vasen von Rachel Wood beispielsweise oder das futuristisch Objekt von Sol Yoon, die fragile Schale von Lucie Rie und zahlreiche andere Stücke - die zerbrechlichen Kunstwerke sprechen für sich und entwickeln eine besondere Kraft in ihrer überlegten Anordnung im Ensemble.

Ein Highlight ist der Raum, der sich dem Industriedesign widmet und einen authentischen Eindruck vom Schaffensprozess vermittelt. Zu sehen ist eine Auswahl aus den Archivbeständen der Firma Rosenthal. Besonders ist, dass hier nicht nur die fertigen Produkte zu sehen sind, sondern auch Produktentwicklungen - beispielsweise die unterschiedlichen Dekore für ein Kannenmodell, Gussformen oder Stücke in der Entwurfsphase.

Einen Raum weiter stehen Werke der großen Künstler Salvador Dali und Friedensreich Hundertwasser, deren typische Stilistik auch in den Keramiken zu erkennen ist: die berühmte fließende Uhr des spanischen Surrealisten und die charakteristischen Farben und Formen des Österreichers. Neben den Erläuterungen zu den Exponaten erzählte Straßer auch davon, wie schwierig es ist, im Zeitalter knapper Kassen neue Stücke für das Museum zu gewinnen.

"Natürlich müssen wir ökonomisch denken und können nicht jeden Preis zahlen. Manchmal muss man dann leider Nein sagen, obwohl man das Stück wirklich gerne hätte." Umgekehrt komme man aber auch bei manchen Sammlungen rasch an räumliche Limits. Dennoch seien Sammler wie Klaus Freiberger und Adolf Egner unverzichtbar - auch für die aktuelle Sonderausstellung.
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