Auf Frühlingsfest ausgeknockt

Seine liebe Not hatte Jugendrichter Otmar Schmid mit zahlreichen jungen Zeugen. Es ging um eine Schlägerei nach dem Frühlingsfest am Ausgang des Festplatzes.

Weiden. (rns) Ein, reichlich angetrunkener Jugendlicher hatte die Frau eines 35-Jährigen bedrängt und beleidigt, während sie nach einem Taxi telefonierte. Als ihr Mann dazwischen ging, war er schnell von einer ganzen Traube junger Leute umringt. Ohne Vorwarnung schlug ihn ein Heranwachsender mit der Faust so heftig ins Gesicht, dass er zu Boden ging. Sodann hagelte es Schläge und Tritte von allen Seiten. Sanitäter und Polizei waren jedoch schnell vor Ort und bereiteten der Sache ein Ende.

Zwei Männern, die ein Polizeioberkommissar als Beteiligte notiert hatte, standen am Mittwoch vor Gericht. Während der 20-Jährige den Schlag in das Gesicht des Familienvaters (35) zugab, stritt der 21-Jährige jegliche Beteiligung ab. Er habe gar nicht zu der Gruppe gehört. Er sei einige Meter abseits gestanden. Schon damals habe er den Polizisten darauf hingewiesen, dass er nichts damit zu tun gehabt habe. Der Jüngere bestätigte ihm, dass er nicht beteiligt gewesen sei. Sein Schlag sei die Reaktion gewesen, nachdem der 35-jährige Krankenpfleger zuvor dem Bekannten einen Faustschlag verpasst hatte, als er "Faxen" vor der Frau machte.

Der Krankenpfleger bestritt, als Erster zugeschlagen zu haben. Das bestätigten seine Frau und zwei Begleiter. Zeugen aus dem anderen Lager blieben jedoch dabei, dass der 35-Jährige den ersten Schlag gemacht hatte - trotz Drohung von Staatsanwaltschaft Peter Frischholz mit einem Verfahren wegen Falschaussage.

Wie auch immer: Der Faustschlag des 20-jährigen Weideners war nicht gerechtfertigt. Anklagevertreter Frischholz forderte zwei Wochen Jugendarrest. Richter Schmid erkannte, entgegen der ursprünglichen Anklage, die auf "gefährliche" Körperverletzung gelautet hatte, nur auf vorsätzliche (einfache) Körperverletzung. Der Angeklagte habe als Einzeltäter gehandelt und nur einen Schlag ausgeführt. Schmid verurteilte den Ledigen zu 1000 Euro Geldauflage, die er in Raten zu 100 Euro zahlen darf.

Dem Mitangeklagten konnte seine Beteiligung nicht nachgewiesen werden, weshalb Frischholz und Rechtsanwalt Dr. Hans-Wolfgang Schnupfhagn auf Freispruch plädierten, den der Richter schließlich gewährte.
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