Aufbrausen bei Duschgebühr

Wo ist denn da das Entgegenkommen der Stadt? Ihr müsst uns für blöd halten.

Seit einem Jahr läuft nun schon die Diskussion darüber, wo Sportvereine ihren Beitrag zur Haushaltskonsolidierung leisten können. Am Mittwoch im Sportbeirat denkt Sitzungsleiter und Bürgermeister Lothar Höher, sie kann nun ruckzuck ad acta gelegt werden. Er irrt gewaltig.

(mte) Die Sitzung des Sportbeirats beginnt so harmonisch: Bürgermeister Lothar Höher dankt dem Stadtverband, dass er von sich aus einen Vorschlag zur Leistungskürzung gemacht hat. Demnach soll sich der Pro-Kopf-Zuschuss für Sport- und Schützenvereine von 2,60 auf 2 Euro verringern. Das entlastet den Stadthaushalt um 11 500 Euro pro Jahr. Zu wenig. 25 000 Euro forderte der Finanzausschuss.

Trotzdem lobt Höher: "Dieser Vorschlag fällt zwar niedriger aus als von uns diskutiert. Aber der Sparwille, wie ihn die Regierung bekundet sehen will, zeigt sich." In Ergänzung dazu unterbreitet die Verwaltung den Vorschlag, die Duschgebühren von 0,80 Cent auf 2 Euro pro Belegung - nicht pro Person - zu erhöhen, um so mit niedrigerem Pro-Kopf-Zuschuss auf einen Deckungsbeitrag von 21 500 Euro zu kommen. "Bislang zahlt etwa die SpVgg, wenn sie zum Mediencup einlädt, ein Mal 0,80 Cent Duschgebühren. Das ist ein unterirdischer Deckungsbeitrag", urteilt Höher - und erntet vehementen Widerspruch.

Nichts wird repariert

Allen voran brüskiert sich der Vorsitzende des Stadtverbands, Herbert Tischler: "Glaubt denn die Verwaltung, wir da draußen können nicht rechnen?", fragt er in die Runde und erteilt Nachhilfe: Der niedrigere Pro-Kopf-Zuschuss und die höhere Duschgebühr bedeuten allein für den Turnerbund Mehrausgaben von 3334 Euro pro Jahr. "Wo ist denn da das Entgegenkommen der Stadt? Ihr müsst uns für blöd halten." Deshalb stimme er zwar der Senkung des Pro-Kopf-Zuschusses zu. Nicht aber der Erhöhung der Duschgebühr.

Reinhard Meier (Bürgerliste) wünscht sich, dass das eingesparte Geld wenigstens wieder in die dringend nötigen Reparaturarbeiten in Sport- und Schwimmhallen fließen sollen. "Es gibt so viele Beschwerden, weil nichts mehr repariert wird."

Hans Sperrer (CSU) räumt ein, im ersten Moment geschockt von einer um 150 Prozent erhöhten Duschgebühr gewesen zu sein. "Aber das ist ja pro Belegung und nicht pro Person", erklärt der CSU-Stadtrat. In der Summe mag das einiges ausmachen, aber es fielen auch Energiekosten an. "Deshalb habe ich Verständnis, dass man hier etwas unternimmt", sagt Sperrer - und relativiert das Bekenntnis zur Duschgebühr gleich wieder: "Aber 20 000 Euro auf den Gesamthaushalt gesehen sind Pipifax."

Drei sagen Nein

"Auch wenn ich nicht will, dass jedes Zehnerl beim Sport gekürzt wird, frage ich mich, wo wir noch sparen können", sagt Karl-Heinz Schell (SPD). Denn angesichts der prekären Finanzsituation stehe 2016 wieder jeder Tausender mit Blick auf die Zwangsverwaltung auf der Kippe. Noch mehr sparen? Tischler ist entsetzt: "Der Sport spart doch jetzt schon gewaltig, weil wir wegen der Flüchtlinge auf Turnhallen verzichten." Das und die Kürzungen würden Ehrenamtliche frustrieren. "Und wenn sich die Vereine dann um die Integration kümmern sollen, gibt es keine Vereine mehr."

Am Ende stimmt der Beirat einstimmig für den niedrigeren Pro-Kopf-Zuschusses und gegen drei Stimmen (Tischler, Meier und Gertraud Greiner) für die höhere Duschgebühr.
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